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Thyssenkrupp und Tata intensivieren Stahl-Gespräche

Stahl Thyssenkrupp und Tata intensivieren Stahl-Gespräche

Billigeinfuhren aus China verstärken den Druck auf die europäische Stahlbranche. Als Antwort setzt die Branche zunehmend auf neue Kooperationen. Auch die deutschen Stahlhersteller mischen mit. Während Arbeitnehmervertreter besorgt sind, freut sich die Börse.

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Werk von Tata Steel im britischen Scunthorpe.

Quelle: Indsey Parnaby/Archiv

Essen. Fusionsgerüchte in der Stahlbranche: Die Gespräche über einen Zusammenschluss des Stahlgeschäfts von Thyssenkrupp mit Teilen des indischen Konzerns Tata Steel nehmen einem Zeitungsbericht zufolge konkretere Formen an.

Nach Informationen der "Rheinischen Post" spielen die Konzerne auf höchster Ebene verschiedene Szenarien für eine Kombination durch. Auch am verlustreichen Thyssenkrupp-Stahlwerk in Brasilien haben die Inder demnach großes Interesse. Eine Einigung stehe aber nicht unmittelbar bevor.

Offiziell lehnen beide Seiten konkrete Kommentare ab. "Wir haben diese Berichte gegenüber den Medien nicht kommentiert, weil dazu aus unserer Sicht kein Anlass besteht", erklärte Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegt. Bei Tata hieß es auf Anfrage lediglich, man wolle zu Gerüchten keine Stellung nehmen. Von weltweit 80 000 Mitarbeitern beschäftigt der indische Stahlgigant derzeit rund 30 000 in Europa.

Hiesinger betonte jedoch, dass angesichts der weiter schwierigen Lage der Branche eine Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie "ein möglicher Schritt nach vorne" sein könne. "Ob, wann und unter Beteiligung welcher Unternehmen es aber zu einer solchen Konsolidierung kommt, ist völlig unklar", so der Manager. "Wenn es dazu kommt, dann wollen wir bei Thyssenkrupp in der Lage sein, uns aktiv und aus einer Position der Stärke heraus daran zu beteiligen."

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Thyssenkrupp-Stahlsparte, Günter Back, forderte unterdessen eine Beteiligung der Arbeitnehmervertreter an möglichen Gesprächen. Bislang seien die Betriebsräte nicht in derartige Verhandlungen eingebunden. "Wer meint, solche Dinge in den Hinterzimmern an der Mitbestimmung vorbei bereden zu wollen, der bekommt Ärger", kündigte Back an.

In der Stahlsparte des Konzerns seien betriebsbedingte Kündigungen zudem bis 2021 ausgeschlossen, so der Betriebsrat. Auch bei der IG Metall hieß es, die Gewerkschaft sei in mögliche Gespräche bislang nicht eingebunden.

An der Börse sorgten die Spekulationen dagegen für einen kräftigen Kursanstieg. Bis zum Nachmittag legte die Aktie des Industrie- und Stahlkonzerns um rund sechs Prozent zu.

Angesichts des andauernden Preisdrucks stehen die Stahlunternehmen in Europa stark unter Druck. Zuletzt hatte sich die Situation durch einen deutlichen Anstieg der Einfuhren aus China noch verschärft. Vor diesem Hintergrund laufen in der Branche dem Vernehmen nach diverse Gespräche über mögliche Allianzen, etwa um Kosten zu sparen.

Immer wieder tauchen dabei auch Spekulationen über eine Fusion der beiden größten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp und Salzgitter auf. Top-Manager gerade von Salzgitter weisen solche Gerüchte aber stets zurück. Am Mittwoch bestätigte ein Sprecher erneut diese Haltung. Er könne sich derzeit keine Konstellation vorstellen, in der ein Zusammengehen mit Thyssenkrupp für Salzgitter Vorteile bringe.

Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) steht einer möglichen Fusion skeptisch gegenüber. "Ich gebe offen zu: Ich bin kein großer Freund der Idee einer "Deutschen Stahl AG", weil die Konsequenz vermutlich wäre, dass Arbeitsplätze in unserer Industrie wegfallen, obwohl die ineffizienten Stahlwerke im Ausland stehen", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Zum Schutz gegen Billigimporte etwa aus China schlug der SPD-Chef einen "Klima-Tüv" vor. "Nur derjenige darf auf den europäischen Markt, der die Standards einhält, die wir auch in der EU erfüllen", sagte er der "WAZ". Die Welthandelsorganisation habe Möglichkeiten, Zertifizierungen einzuführen, wenn Umwelt, Natur oder Gesundheit gefährdet seien.

dpa

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