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Wirtschaft Türkei meldet Rekordwachstum
Nachrichten Wirtschaft Türkei meldet Rekordwachstum
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16:26 11.12.2017
Der Hafen von Izmir (Archiv). Quelle: dpa
Ankara

Das türkische Wirtschaftswachstum übertraf die Schätzungen der meisten Analysten, die im Durchschnitt ein Plus von 9,2 Prozent erwarteten. Die Türkei lag damit an der Spitze der 20 weltgrößten Volkswirtschaften, gefolgt von China mit einem Wachstum von 6,8 und Indien mit 6,3 Prozent. Stärkste Wachstumsmotoren waren die Industrieproduktion mit einem Zuwachs von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Bauwirtschaft mit einem Plus von 18,7 Prozent und der Dienstleistungssektor, der um 20,7 Prozent zulegen konnte. Die Exporte wuchsen um 17,2 Prozent, der private Verbrauch legte 11,7 Prozent zu.

Nachdem die Wirtschaftsleistung in den ersten beiden Quartalen um 5,2 und 5,1 Prozent wuchs, rechnet Ministerpräsident Binali Yildirim jetzt für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von sechs bis sieben Prozent. Die türkische Lira, die in diesem Jahr gegenüber dem Euro fast 22 Prozent an Wert verlor und im November auf den niedrigsten Stand seit der Währungsreform von 2005 fiel, legte am Montag als Reaktion auf die guten Konjunkturdaten leicht zu.

Lira-Verfall stellt großes Risiko dar

Analysten zweifeln aber an der Nachhaltigkeit des Booms am Bosporus. Seit die Statistikbehörde Ende 2016 die Methoden zur Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) umstellte, sind viele Volkswirte skeptisch. Die Neuberechnung sei intransparent, kritisieren Fachleute.

Das hohe Wachstum des dritten Quartals ist nicht zuletzt der schwachen Entwicklung des Vorjahresquartals geschuldet. Damals schrumpfte die türkische Wirtschaft infolge des Putschversuchs vom Juli 2016 um 0,8 Prozent. Um die schwache Konjunktur anzukurbeln, steuert die Regierung gegen: Mit Steuersenkungen für Konsumgüter, Steuerstundungen und Subventionen im Tourismus und staatlichen Kreditbürgschaften für kleine und mittelgroße Unternehmen wurden Verbrauch und Investitionen gefördert. Die Bauwirtschaft profitierte überdies von großen Infrastrukturprojekten und dem staatlich geförderten Wohnungsbau.

Die staatlichen Kreditbürgschaften haben aber eine Kehrseite: Die Banken achten bei der Vergabe von Darlehen nicht so genau auf die Bonität der Schuldner und die Qualität ihrer Sicherheiten. Viele Unternehmen und private Haushalte machten deshalb in den vergangenen Monaten Schulden, die sie möglicherweise nie werden zurückzahlen können. Vor allem der Lira-Verfall stellt ein großes Risiko dar. Unternehmen, die sich in Fremdwährung verschuldet haben, müssen zur Bedienung ihrer Kredite nun immer höhere Lira-Beträge aufwenden.

Überhitzung der türkischen Wirtschaft

Das schmälert die Investitionen und zehrt am Kapital. Auch Lira-Kredite werden tendenziell teurer, denn die Zentralbank dürfte angesichts der Schwäche der Währung und der Inflation, die im November mit fast 13 Prozent auf den höchsten Stand seit 14 Jahren stieg, kaum um Erhöhungen der Leitzinsen herumkommen – auch wenn Staatschef Recep Tayyip Erdogan die Währungshüter ständig drängt, die Zinsen zu senken. Erdogan, der nach eigenen Angaben Ökonomie studiert hat, vertritt die unorthodoxe These, dass man die Geldentwertung mit Zinssenkungen bekämpfen müsse.

Von niedrigen Zinsen und staatlichen Kreditbürgschaften verspricht sich Erdogan Rückenwind für die spätestens 2019 fälligen Präsidenten- und Parlamentswahlen. Die hohe Inflation und die wachsenden Defizite in der türkischen Leistungsbilanz, die durch die Tourismusflaute verschärft werden, signalisieren allerdings bereits eine Überhitzung der türkischen Wirtschaft. Erdogans ständige Versuche, der Notenbank bei der Geldpolitik reinzureden, verunsichern überdies viele Investoren. In den ersten neun Monaten gingen die ausländischen Investitionen gegenüber dem Vorjahr um fast ein Fünftel zurück. Ein weiteres Warnsignal: Im November fiel das Wirtschaftsklima auf 97,9 Punkte. Werte unter 100 Indexpunkten signalisieren Pessimismus.

Von Gerd Höhler / RND

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