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Wirtschaft US-Gericht urteilt über VW-Ingenieur
Nachrichten Wirtschaft US-Gericht urteilt über VW-Ingenieur
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10:19 25.08.2017
James Robert Liang ist der erste VW-Verantwortliche, der in den USA zur Rechenschaft gezogen wird. Quelle: AP
Detroit

In den USA soll an diesem Freitag das erste Urteil gegen Verantwortliche des VW-Dieselskandal fallen. Im Fall „Vereinigte Staaten von Amerika gegen James Robert Liang“ fordert die Staatsanwaltschaft eine dreijährige Haftstrafe und 20 000 Dollar Bußgeld für den 63 Jahre alten Dieselexperten, der seine gesamte 35-jährige Berufskarriere lang für VW tätig war.

Doch zugleich machte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer deutlich, dass sie Liang nicht für federführend im Abgas-Skandal hält. „Er saß weder in den Vorstandsetagen von VW, wo die Betrugs-Software diskutiert wurde, noch hat er andere am kriminellen Komplott Beteiligte im Unternehmen angewiesen oder beaufsichtigt.“ Sein Anwalt Daniel Nixon plädiert deshalb für eine Bewährungsstrafe mit einem Jahr Hausarrest, 1500 gemeinnützigen Arbeitsstunden und einem geringen Bußgeld.

Justizbeamte beschreiben ihn als „sanftmütig und leise“

Liang hatte im September 2016 ein Geständnis abgelegt – rund ein Jahr, nachdem VW unter dem Druck der US-Umweltbehörden zugab, mit einer illegalen Software in großem Stil Abgastests von Dieselautos manipuliert zu haben. Seitdem kooperierte der von Justizbeamten als „sanftmütig und leise“ beschriebene Vater dreier Kinder als eine Art Kronzeuge mit den US-Behörden. Liang habe wichtige Informationen geliefert, die bei den nächsten Schritten hilfreich gewesen seien, sagen die Ermittler. Deshalb liegt die geforderte Strafe auch deutlich unter dem gesetzlichen Höchstmaß von sieben Jahren Haft und einer Geldbuße bis zu 400 000 Dollar.

Liang, der seit 1982 beim deutschen Autoriesen angestellt ist, belastete Kollegen und Vorgesetzte zum Teil schwer – mittlerweile wurden US-Strafanzeigen gegen weitere sieben amtierende und ehemalige Mitarbeiter des Konzerns gestellt.

Beim Schwindel mitgeholfen

Liangs Aussagen lassen zudem tief in die Firmen-DNA blicken. Beschrieben wurde demnach ein „Unternehmen, das seine ethische Verankerung verloren hat im Streben nach mehr Marktanteilen und Profit“. Liangs Anwalt Nixon bezeichnet seinen Mandanten als hart arbeitenden und loyalen VW-Angestellten, dem eine Unternehmenskultur zum Verhängnis geworden sei, die „keinen Widerspruch erlaubte“. Statt sich – wie andere Kollegen – nach Bekanntwerden des Skandals in die sichere deutsche Heimat abzusetzen, sei Liang in den USA geblieben, um eine Lösung für VW zu finden.

Nun wird wohl zuerst ein relativ kleines Rädchen im VW-Getriebe zur Verantwortung gezogen. Auch wenn Liang wie von der Anklage behauptet als „Leiter Dieselkompetenz“ von Volkswagens US-Tochter jahrelang beim Schwindel rund um Zertifizierung und Tests manipulierter Dieselwagen mitgeholfen hat – verglichen mit den Vorwürfen gegen andere Angeklagte ist seine Rolle überschaubar.

Nur ein weiter Beschuldigter in Untersuchungshaft

Doch ob die US-Fahnder größere Namen auf ihrer Liste - wie etwa Ex-Entwicklunsvorstand Heinz-Jakob Neußer – je werden fassen können? Aus Deutschland droht vorerst jedenfalls keine Auslieferung. Mit Oliver Schmidt, der im Januar in Miami vom FBI festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt, erwartet neben Liang derzeit nur einen weiteren Beschuldigten ein Urteil in den USA. Der 48-Jährige, der dort bis 2015 für Umweltfragen zuständig war, hatte Anfang des Monats ein Schuldgeständnis abgegeben. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft und Geldstrafen von insgesamt bis zu 500 000 Dollar.

Von dpa/RND

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