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Wirtschaft „Unternehmen blicken besorgt auf die Zuspitzung im Asowschen Meer“
Nachrichten Wirtschaft „Unternehmen blicken besorgt auf die Zuspitzung im Asowschen Meer“
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05:00 29.11.2018
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer: „In den deutsch-ukrainischen Wirtschaftsbeziehungen steckt großes Potenzial.“ Quelle: dpa
Berlin

An diesem Donnerstag findet in Berlin eine wichtige Investorenkonferenz statt, das deutsch-ukrainische Wirtschaftsforum. Im Vorfeld äußert hat sich der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, DIHK, Eric Schweitzer im RND-Interview zu seinen Erwartungen und Befürchtungen geäußert – gerade vor dem Hintergrund der Eskalation an der Straße von Kertsch.

Herr Schweitzer, Sie eröffnen heute (Donnerstag) das deutsch-ukrainische Wirtschaftsforum. Mit welchen Gefühlen beobachtet die Wirtschaft die Situation in der Ukraine?

„Ganz klar, die Unternehmen blicken besorgt auf den Konflikt mit Russland in der Ostukraine, und geradezu gebannt auf die aktuelle Zuspitzung im Asowschen Meer. Es gibt aber zum Glück auch eine andere Realität im großen Rest dieses riesigen Landes, und das sind besser werdende Rahmenbedingungen und gute Geschäfte: So blicken in einer aktuellen Umfrage der AHK Ukraine fast die Hälfte der deutschen Unternehmen vor Ort optimistisch auf ihre Geschäfte 2019, nur sieben Prozent erwarten Einbußen. Auch für die Konjunktur in der Ukraine und die eigenen Investitionspläne überwiegt bei den Unternehmen die Zuversicht.

Also im Prinzip alles gut?

Na ja, wir blenden die Risiken nicht aus. Der Konflikt mit Russland ist natürlich ein großes Problem für die Wirtschaft, außerdem beklagen unsere Unternehmen immer noch ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit und Compliance-Defiziten. Und dann fehlt für die Ausweitung der Produktion zunehmend geeignetes Personal. 55 Prozent der Betriebe stellen einen Mangel an Fachkräften fest. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die ukrainische Regierung ihre angekündigten Reformen entschlossen umsetzt und wir das Land auf seinem Weg nach Europa unterstützen.

Welche Auswirkungen hätten dauerhafte Einschränkungen der Schifffahrt im Asowschen Meer auf den deutsch-ukrainischen Handel?

Die Häfen im Asowschen Meer spielen für den deutsch-ukrainischen Handel glücklicherweise nur eine untergeordnete Rolle. Viele der relevanten Transporte wurden auch schon vor der aktuellen Konfliktsituation über den Landweg abgewickelt. In der Region um Mariupol sind zudem insgesamt nur sehr wenige deutsche Unternehmen ansässig. Die Präsenz deutscher Unternehmen ist in der Westukraine deutlich stärker ausgeprägt. Grundsätzlich aber sind verlässliche und vertrauensvolle Rahmenbedingungen für die Wirtschaft natürlich immens wichtig. Sie sind auch die Ausgangsvoraussetzung dafür, dass die Ukraine wieder unabhängiger von den Finanzhilfen internationaler Geber wird.

Welche Rolle spielt die Ukraine als Handelspartner für Deutschland?

In den deutsch-ukrainischen Wirtschaftsbeziehungen steckt großes Potenzial. Mit seinen rund 45 Millionen Einwohnern, viele davon in Technik und IT gutausgebildete Fachkräfte, ist die Ukraine einer der größten und wichtigsten Märkte in Osteuropa. Mehr als 2000 deutsche Unternehmen sind bereits in diesem großen Flächenland aktiv. Sie geben dort rund 60.000 Menschen Arbeit, vor allem im Agrar- und Industriebereich. Gemessen an der Größe des Landes und der hohen Einwohnerzahl gibt es hier aber noch viele unausgeschöpfte Möglichkeiten. Immerhin haben sich die Handelsbeziehungen unserer beiden Ländern seit der Wirtschaftskrise der Ukraine im Jahr 2015 gut entwickelt: Das Handelsvolumen ist mit fast 7 Milliarden Euro heute um mehr als 30 Prozent höher als damals.

Von Andreas Niesmann/RND

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