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VW-Aktionären droht Totalausfall bei Dividende

Auto VW-Aktionären droht Totalausfall bei Dividende

Die Folgen des Abgas-Skandals dürften auch die VW-Aktionäre zu spüren bekommen. Dass der Konzern angesichts drohender Milliardenkosten weniger zu verteilen hat, ist klar. Fällt die Dividende ganz aus? Allein Niedersachsen hat gut eine Viertelmilliarde Euro zu verlieren.

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2014 schüttete der Autobauer noch rund 2,3 Milliarden Euro seines Gewinns an die Aktionäre aus.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Wolfsburg. Die VW-Aktionäre müssen angesichts drohender Milliardenstrafen im Abgas-Skandal einen Totalausfall bei der Dividende fürchten. Analysten hatten zuletzt im Schnitt noch mit knapp 1,50 Euro pro Aktie gerechnet.

Es stehe noch nichts endgültig fest, "aber es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt", sagte ein VW-Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Presse-Agentur.

Ein VW-Konzernsprecher sagte auf Anfrage lediglich: "Wir werden uns am 28. April im Rahmen unserer Bilanzpressekonferenz zu Details unserer Geschäftszahlen äußern."

Die Börse strafte Europas größten Autobauer am Dienstag ab. Gegen den Aufwärtstrend im Dax und in der europäischen Autobranche gaben die VW-Vorzugsaktien um 1,57 Prozent nach.

Der zweitgrößte VW-Aktionär Niedersachsen blickt mit Sorge, aber ohne Panik auf einen möglichen Ausfall bei der Dividende des Autobauers. "Es gäbe keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Landeshaushalt", teilte die Staatskanzlei auf Anfrage mit. Das Land hält jede fünfte VW-Stammaktie, an denen die Stimmrechte und damit die Einflussmöglichkeiten in dem Konzern hängen. Vor einem Jahr hatte Niedersachsen 285 Millionen Euro Dividende eingestrichen. Auch in den Rekordjahren zuvor war das Füllhorn stets bestens bestückt.

Für 2014 zahlte der Konzern für jede VW-Stammaktie 4,80 Euro, für jede Vorzugsaktie 4,86 Euro Dividende. Insgesamt schüttete Volkswagen zuletzt rund 2,3 Milliarden Euro seines Gewinns an die Aktionäre aus. Größter Anteilseigner ist die Porsche SE, die von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird. Neben Niedersachsen hält auch der Staatsfonds des Emirats Katar ein großes Aktienpaket.

Niedersachsens landeseigene Beteiligungsgesellschaft HanBG, bei der der Großteil des VW-Besitzes liegt, parkte die Dividenden zuletzt. Daher bereitet ein Dividendenausfall, womöglich gar ein Totalausfall, dem Land keine Kopfschmerzen. Schon beschlossene Projekte seien für die Folgejahre durch die vorherigen Dividendenzahlungen "komplett ausfinanziert". Das Land besitzt auch Anteile an anderen Unternehmen, darunter der Stahlhersteller Salzgitter oder die Landesbank NordLB.

Die Staatskanzlei betonte, Niedersachsen sei bei Volkswagen ein "strategischer Investor, der an einer langfristig und stabilen Unternehmens- und Beschäftigungsentwicklung interessiert ist". Jeder fünfte der weltweit 600 000 Konzern-Jobs liegt zwischen Harz und Nordseeküste. Das Land hängt an VW.

Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus sicherer Quelle, dass eine Nullrunde bei der VW-Dividende wahrscheinlich ist oder zumindest nicht ausgeschlossen werden kann. Wichtigster Faktor sei die Frage, wie hoch der Konzern das finanzielle Risiko der Abgas-Krise in den USA in seiner Jahresbilanz Ende April veranschlagt. Börsenexperten halten zwar noch etwa ein Drittel der vorherigen Dividende von knapp fünf Euro für möglich, was etwa 1,50 Euro pro Anteilsschein wären.

Zu den möglichen Belastungen in den USA sagte ein VW-Aufsichtsrat: "Wahrscheinlich wäre ein Wert zwischen 20 und eher 30 Milliarden Euro. Und dann wird es sehr eng für die Dividende." Der Konzern bräuchte in diesem Fall viel Geld, um die Strafen zu begleichen und das laufende Geschäft weiter zu finanzieren.

Von Aktionärsvertretern wird der möglicherweise drohende Dividenden-Ausfall sehr kritisch gesehen. "Sollte Volkswagen einen Überschuss erzielen, wäre eine Reduzierung der Dividende auf null ein Affront", sagte Alexander Richard von Vietinghoff-Scheel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die DSW sei bislang davon ausgegangen, dass VW trotz Diesel-Affäre einen positiven Jahresabschluss für 2015 vorlegen könne.

Volkswagen steckt derzeit mitten in einer schweren Krise. Der Autobauer versteckte in weltweit elf Millionen Dieselwagen eine Software, die Abgastests der Behörden austrickst. Im Realbetrieb blasen die Autos ein Vielfaches an schädlichen Abgasen in die Luft. Volkswagen führte Kunden und Überwacher an der Nase herum. Unklar ist bisher noch, ob der Vorstand den Skandal früher hätte beenden können.

Die Folgen sind dramatisch. Es drohen Strafen im mittleren zweistelligen Milliardenbereich - das entspricht der Gewinnkraft des VW-Konzerns aus mehreren Jahren.

Vor allem in den USA gibt es bereits zahlreiche Klagen gegen Volkswagen - eine weitere kam nun dazu. Die US-Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) leitete am Dienstag ein Verfahren wegen irreführender Werbung für die betroffenen Diesel-Autos ein. Die Behörde wirft VW vor, von 2008 bis 2015 mehr als 550 000 Diesel unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in den USA verkauft zu haben. "Unsere Klage fordert Entschädigung für die Verbraucher, die diese Wagen aufgrund betrügerischer und unfairer Praktiken gekauft haben", erklärte FTC-Leiterin Edith Ramirez in Washington. Ein VW-Sprecher sagte dazu: "Wir haben die Klage erhalten und setzen unsere kooperative Zusammenarbeit mit allen US-Behörden einschließlich der Federal Trade Commission fort."

Über die Höhe der Dividende könnte im VW-Aufsichtsrat durchaus gestritten werden: Arbeitnehmervertreter und das Bundesland dürften vor allem den Erhalt der Arbeitsplätze bei VW im Blick haben - die Vertreter der Kapitalseite könnten ein stärkeres Interesse an Rendite und damit an der Ausschüttung einer Dividende haben. Sprecher beider Seiten wollten sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

dpa

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