Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
VW sucht Halt in Abgas-Affäre - US-Behörde stellt Ultimatum

Auto VW sucht Halt in Abgas-Affäre - US-Behörde stellt Ultimatum

Im Skandal um geschönte Diesel-Emissionen erhöhen die USA den Druck auf Volkswagen. Und auch in Deutschland bleibt die Lage für das Unternehmen kompliziert.

Voriger Artikel
Flüchtlinge bekommen nicht immer problemlos ein Konto
Nächster Artikel
Bericht: Großbank Credit Suisse will Milliarden einsparen

Vor allem die neue Ausgabe des Familien-Vans Touran ist vond er Verzögerung betroffen.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Wolfsburg/Washington. VW ringt weiter mit den Konsequenzen des Abgas-Debakels. Während die Aufklärung in Deutschland erst langsam anläuft, muss der Konzern in den USA an mehreren Fronten zugleich kämpfen.

Ein Ultimatum der kalifornischen Umweltbehörde CARB setzt den größten europäischen Autobauer zusätzlich unter Zeitdruck.

CARB-Chefin Mary Nichols sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", Volkswagen habe bis zum 20. November Zeit, um einen Plan zur Nachrüstung der von Manipulationen betroffenen Diesel-Autos vorzustellen. Sie erwägt offenbar, notfalls Fahrzeuge des VW-Konzerns aus dem Verkehr zu ziehen: "Wenn es keine technische Lösung gibt, drohen die Stilllegung und zivilrechtliche Auseinandersetzungen mit Kunden." Nichols kündigte auch Testergebnisse zu Dieselmodellen anderer Hersteller an.

Volkswagen hatte vor wenigen Tagen um Geduld gebeten und angekündigt, den Rückruf der rund 480 000 fraglichen US-Wagen im Januar starten zu wollen. Weltweit geht es um etwa elf Millionen Autos. Der neue VW-Vorstandschef Matthias Müller rechnet damit, dass die Rückrufaktion bis Ende des kommenden Jahres dauern könnte.

Unterdessen gibt es Spekulationen darüber, ob die bisher eingeräumten Manipulationen von Stickoxid-Werten mit einer bestimmten Software ("Defeat Device") nur auf dieses Programm begrenzt waren. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg nahmen US-Behörden auch eine zweite Software ins Visier, die den Ausstoß beeinflussen kann.

Aus Konzernkreisen hieß es am Samstag dazu, bei den Untersuchungen der Manipulationsvorwürfe gehe es ausdrücklich nach wie vor nur um ein Programm. Eine weitere Software spiele aber in einem anderen Zusammenhang eine Rolle. Dieses komme während des Warmlaufens der Abgasanlage zum Einsatz und liege zur Genehmigung vor.

"Wie bereits in der Anhörung vor dem US-Kongress erklärt, hat VW im Rahmen des Zulassungsverfahrens für die Modelle mit 2,0 TDI-Motoren des Modelljahres 2016 über ein "Auxiliary Emissions Control Device" (AECD) informiert", erläuterte ein Sprecher. VW-US-Chef Michael Horn hatte am Donnerstag im Parlament in Washington ausgesagt. Dabei erklärte er den Angeordneten unter anderem, dass VW den Antrag auf Zulassung von AECD-Dieselautos des Modelljahres 2016 zurückgezogen habe, weil die Umweltbehörden das Hilfsgerät zunächst prüfen müssten.

Die "Defeat Device" genannte Software, die den Skandal ausgelöst hatte, stellt fest, ob sich ein Auto in einem Abgastest befindet. Nur dann ist die Reinigung voll aktiv, im Normalbetrieb ist die Luftverschmutzung um ein Vielfaches höher.

Zur Bewältigung der finanziellen Lasten aus der bevorstehenden Nachrüstung von Millionen Autos hat Volkswagen bereits Rücklagen von 6,5 Milliarden Euro gebildet. Auch wichtige Investitionen werden nun neu bewertet, Konzernchef Müller will einen strikten Sparkurs fahren.

Dabei muss laut Betriebsratschef Bernd Osterloh eine faire Balance zwischen Belegschaft und Management gewahrt bleiben - darüber sei er sich mit Müller einig. "Wir erwarten, dass der Vorstand jeden Einschnitt, den er bei der Belegschaft vornimmt, in gleicher Relation sich selbst abverlangt", sagte er der "Bild am Sonntag". Diese allgemeine Linie habe aber nichts mit Forderungen etwa nach der Abschaffung kostenloser Flüge von VW-Managern zu tun.

Zusätzlich zu den Belastungen durch die Abgas-Affäre macht VW eine stockende Fertigung am Stammsitz Wolfsburg zu schaffen. "Die Produktion ist zu komplex, die Vielfalt der Fahrzeugvarianten zu hoch", zitierte die "Welt am Sonntag" einen Insider aus dem Konzern. Nach Informationen des Blattes soll von den Verzögerungen vor allem der Familien-Van Touran betroffen sein.

Ein VW-Sprecher sprach dagegen von einer aktuell sehr komplexen Situation in der Fertigung. "Der Hochlauf eines Modells ist immer eine Herausforderung", erklärte er. Man sei aber zuversichtlich, dass Volkswagen die selbst gesetzten Ziele und Termine einhalten werde.

Die große Zahl an angebotenen Modellen und die komplizierten Strukturen bei VW gelten - unabhängig von der Diesel-Affäre - als eine der größten Baustellen des Autoherstellers mit weltweit rund 600 000 Beschäftigten. Müller will Entscheidungsprozesse vereinfachen.

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag Geschäfts- und Privaträume durchsuchen lassen. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil betonte in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, VW müsse bei der Aufarbeitung der Affäre in die Offensive gehe. "Mit Fehlern muss man klug und besonnen umgehen, darf sie nicht verschweigen, sondern muss die Ursachen angehen und die Folgen beseitigen."

Gewerbliche Großkunden wie die Deutsche Post sorgen sich ebenfalls um die Entwicklung. Weil Teile der eigenen Flotte vom Diesel-Skandal betroffen sein könnten, forderte Post-Chef Frank Appel eine "volle Transparenz" von dem Autokonzern. Von den rund 90 000 firmeneigenen Fahrzeugen kämen etwa 20 000 von VW, fast alle seien Dieselmodelle, sagte Appel der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenendausgabe).

In Anbetracht der Probleme bei Volkswagen gibt es in der SPD Überlegungen, die Kurzarbeiter-Regel auf Leiharbeiter auszudehnen. Auf entsprechende Pläne war Parteichef Sigmar Gabriel bereits am Donnerstag nach einem Treffen mit dem VW-Weltkonzernbetriebsrat in Wolfsburg eingegangen.

Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, soll der designierte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, in den Aufsichtsrat von VW einziehen. Er soll dort Mitte November die Nachfolge von Berthold Huber antreten, der das Kontrollgremium nach dem Abtritt des früheren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch im Frühjahr übergangsweise geleitet hatte. Hofmann war bisher Aufseher beim VW-Konkurrenten Daimler.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
DAX
Chart
DAX 10.529,50 +0,15%
TecDAX 1.687,00 +0,03%
EUR/USD 1,0673 ±0,00%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. TELEKOM 14,69 +0,71%
BAYER 87,21 +0,71%
HEID. CEMENT 83,50 +0,67%
DT. BANK 14,73 -1,98%
VOLKSWAGEN VZ 118,37 -0,71%
LUFTHANSA 12,14 -0,50%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 166,72%
Structured Solutio AF 154,79%
AXA IM Fixed Incom RF 141,93%
Stabilitas PACIFIC AF 140,74%
Crocodile Capital MF 122,39%

mehr

  • Jetzt einschalten!

    Begeistern Sie Ihre Kunden mit Ihren eigenen Angeboten & Informationen auf großen Bildschirmen – spielend einfach mit der LVZ Mediabox. mehr

  • Unsere Empfehlung

    Kein Display? Kein Problem! Von 22 bis 55 Zoll - mit unseren Mediabox-Komplettsystemen bieten wir Ihnen immer die individuell passende Lösung an. mehr

  • Top Preis

    Sie besitzen bereits einen Display? Mit der LVZ Mediabox steuern Sie ihre individuelle Sendeschleife bequem über das Internet. mehr

  • Sie bestimmen das Programm

    Individuell und aktuell: Ihre Informationen, Angebote und Aktionen sowie News der LVZ und von N24 auf der LVZ Mediabox mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr