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VW wegen Dieselgate mit Verlust - EU ordnet Abgastests neu

Auto VW wegen Dieselgate mit Verlust - EU ordnet Abgastests neu

VW hat wegen des Abgas-Skandals im dritten Quartal Verluste gemacht. Während die Folgen von Dieselgate noch nicht absehbar sind, muss sich die Autoindustrie auf strengere Abgastests einstellen. Doch die EU-Vorgaben sind weicher als von Umweltschützern erhofft.

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Das Oberklassemodell «Phaeton» in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden.

Quelle: Ralf Hirschberger

Wolfsburg. Der Abgas-Skandal drückt VW erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder in die roten Zahlen. Im dritten Quartal musste der Konzern wegen der hohen Rückstellungen für die Folgen der Diesel-Manipulationen einen Milliardenverlust ausweisen. Das Drama beendet damit abrupt eine jahrelange Rekordfahrt.

Im September hatte das Unternehmen eingestanden, bei Abgas-Tests auf dem Prüfstand mit Softwarehilfe die Ergebnisse für Diesel manipuliert zu haben. Die Software schaltet in Testsituation in einen Sparmodus.

Derweil ebnete die EU den Weg für neue Abgastests. Die lange geplante Reform hat zwar mit dem Diesel-Skandal bei VW nichts zu tun, sie dürfte aber ähnliche Manipulationen zumindest schwieriger machen. Umweltschützern und den Grünen gehen die geplanten neuen Regeln nicht weit genug, der deutsche Branchenverband nannte die Ziele am Mittwoch ambitioniert.

Nach den Vorstellungen aus Brüssel dürfen die Werte, die bei realistischeren Straßentests gemessen werden, für Dieselfahrzeuge dabei künftig um die Hälfte höher sein als im Labor. Darauf einigten sich Experten der EU-Staaten. Damit werden die Regeln strenger als bisher, aber weniger scharf als von der EU-Kommission ursprünglich geplant.

Mit dem Votum der Experten ist die Entscheidung im Prinzip gefallen, das Europaparlament und die EU-Staaten haben aber noch Prüfrechte. Die Autobauer müssen sich nun weniger anstrengen als von der EU-Kommission geplant.

Denn die Brüsseler Behörde wollte nur geringe Abweichungen von weniger als 20 Prozent zwischen Straßen- und Labortests zulassen, die Ungenauigkeiten bei der Messung abdecken sollten. Derzeit werden Autos nicht auf der Straße, sondern nur im Labor getestet. Dort sind die Obergrenzen für den Schadstoffausstoß aber deutlich leichter einzuhalten als auf der Straße, wo die Wagen nach Angaben der EU-Kommission bis zu vier Mal mehr Stickoxide in die Luft pusten.

Die Autobauer müssen nun zwar besser werden, die schon in der Vergangenheit festgelegten Schadstoff-Obergrenzen gelten aber weiterhin nur für Labortests, wie die Umweltorganisation Transport and Environment beklagte. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, sprach von einer zynischen Entscheidung. "Europäische Automobilhersteller werden für ihre Dreistigkeit belohnt, keine Anstrengungen zu unternehmen, die europäischen Regeln einzuhalten und ihre Fahrzeuge zu verbessern."

VDA-Präsident Matthias Wissmann sagte hingegen, die Vorgaben stellten Automobilhersteller und Zulieferer vor große technische und wirtschaftliche Herausforderungen. "Zudem wurden Zweifel an der Zahlenbasis und den Berechnungen, auf die sich der Kommissionsvorschlag stützt, bis zuletzt nicht ausgeräumt."

Auch VW muss nun neben der Aufarbeitung des eigenen Diesel-Skandals an dieser Baustelle arbeiten. Finanziell erweist sich die Affäre bereits als außerordentlich teuer. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) stehen im dritten Quartal rund 3,5 Milliarden Euro Minus, und auch unter dem Strich ist das Ergebnis mit minus 1,7 Milliarden Euro tiefrot. Das teilte Volkswagen am Mittwoch mit. Neben den Verlusten in Milliardenhöhe verliert auch noch China als wichtigster VW-Motor an Fahrt und fällt seit Sommer bei seiner Gewinnkraft zurück.

Die Kosten für die Folgen der weltweit elf Millionen Diesel mit manipulierten Abgaswerten verdecken, dass sich Europas größter Autobauer eigentlich im dritten Quartal wacker schlug. Trotz der Krisen in Brasilien und Russland und Gegenwinds in China greifen die laufenden Bemühungen um mehr Kostendisziplin. So lief es etwa beim Sorgenkind VW-Pkw besser. Waren vor Zinsen und Steuern im Herbst 2014 nur 2,30 Euro je 100 Euro Umsatz geblieben, sind es nun 2,80 Euro. Selbst der Verlustbringer Seat schreibt schwarze Zahlen.

Die zentrale Erklärung für den milliardenschweren Quartalsverlust sind rund 6,7 Milliarden Euro hohe Rückstellungen für die Folgen des Skandals. Jedoch gibt es auch ein Gegengewicht: Die Wolfsburger hatten sich im Sommer endgültig vom früheren Partner Suzuki getrennt. Durch den Verkauf der gehaltenen Suzuki-Anteile konnte Volkswagen 1,5 Milliarden Euro als positiven Sondereffekt im Finanzergebnis buchen.

Weltweit geht es bei Dieselgate um etwa 11 Millionen Autos der Marken VW-Pkw, VW-Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda. Allein in Deutschland müssen 2,4 Millionen Diesel ab Januar 2016 in die Werkstatt. EU-weit sind 8,5 Millionen Fahrzeuge betroffen. Neben Ausgaben für die Rückrufe drohen Kosten etwa für Klagen und Schadenersatz.

dpa

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