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Wirtschaft Venezuela droht eine Staatspleite
Nachrichten Wirtschaft Venezuela droht eine Staatspleite
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10:29 20.10.2016
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro bei einer TV-Ansprache. Quelle: EFE
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Caracas

Dem größten Ölkonzern Lateinamerikas, dem Unternehmen PDVSA, droht die Pleite - das könnte wegen der Abhängigkeit von den Erdöleeinnahmen verheerende Folge für Venezuela haben. „Eine Pleite von PDVSA zieht eine Staatspleite nach sich“, sagte am Mittwoch (Ortszeit) der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Venezuela, Henning Suhr, der Deutschen Presse-Agentur.

Katastrophale Versorgungslage

Auch Ratingagenturen und Analysten sehen das Risiko. „Je nach Schätzung machen die Öleinnahmen bisher bis zu zwei Drittel des Staatshaushalts aus - aber es gibt keine gesicherten Angaben“, sagte Suhr.

Eine Raffinerie des PDVSA-Konzerns in Venezuela. Quelle: EFE

Für den Haushalt 2017, den der sozialistische Präsident Nicolás Maduro ohne Zustimmung des Parlaments durchgesetzt hat, sollten ‎nur 17 Prozent aus Erlösen des Erdölgeschäfts stammen. „Das scheint nicht realistisch“, sagte Suhr.

Venezuela, das Land mit der weltweit höchsten Inflation, hat kaum noch Devisen, um Lebensmittel und Medikamente einzuführen, weil Dollars aus dem Ölgeschäft wegen des niedrigen Preises fehlen. Die Versorgungslage ist katastrophal.

Wegen der völlig darnieder liegenden Privatwirtschaft müssen täglich im großen Stil Lebensmittel, Hygieneartikel und Medikamente eingeführt werden. Wegen des Ölpreisverfalls kann das jetzt schon kaum bezahlt werden. Es fehlt an allem. Überall lange Schlangen, Proteste, Wut, Gewalt. Dazu machen Horrornachrichten und Gerüchte die Runde. Im Zoo von Caracas sollen Löwen verhungern, in einem Hospital der Hauptstadt werden angeblich Neugeborene in Pappkartons aufbewahrt. Und in einem Gefängnis sollen zwei Gefangene von Mithäftlingen getötet worden sein, um das Fleisch zu essen.

Freitag läuft eine Frist aus

PDVSA sieht sich wohl außerstande, fällige Anleihen zurückzuzahlen. Freitag läuft eine Frist aus, um ausländische Gläubiger von einer Umwandlung 2016 und 2017 fälliger Anleihen in bis 2020 laufende Bonds zu überzeugen - mit einer hohen Verzinsung von 8,50 Prozent. Klappt die Aktion nicht, könnte es das baldige Aus bedeuten. Insgesamt geht es um ein Volumen von 5,3 Milliarden US-Dollar (4,8 Mrd. Euro).

Der Präsident der Banco Venezolano de Credito, Germán Velutini, sagte, keiner genau wisse, wie schlimm es wirklich stehe. „Mir scheint, dass die Kommuniqués auch eine schlichte Drohung an Anleger sein könnten, um Erfolg mit der Neuverhandlung der Bonds zu haben.“ Ein Alarmsignal sei aber, dass andere Ölkonzerne und auch China ihre Aktivitäten mit PDVSA teilweise deutlich zurückgefahren hätten.

Von dpa/RND/zys

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