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Volkswagen baut Lkw-Geschäft aus

Auto Volkswagen baut Lkw-Geschäft aus

Über eine Beteiligung an einem US-Hersteller erhält VW ein günstiges Eintrittsticket in den amerikanischen Lkw-Markt. Geplant ist eine enge Kooperation bei Einkauf und Technologie. Können die Wolfsburger nun mit großer Verzögerung zum Rivalen Daimler aufschließen?

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Lastwagenproduzenten MAN und Scania sind beide Tochterunternehmen von Volkswagen.

Quelle: Julian Stratenschulte

Wolfsburg/Lisle. Ein Einstieg beim US-Lkw-Bauer Navistar soll Volkswagen den lange geplanten Schritt auf den Nutzfahrzeugmarkt in Nordamerika ebnen.

Europas größter Autokonzern will dazu 16,6 Prozent der Aktien des Unternehmens aus Lisle (Illinois) übernehmen. Wenige Tage vor der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Hannover gab VW die "strategische Allianz" bekannt. Die Aktien sollen aus einer Kapitalerhöhung kommen. Beide Partner wollen zudem in der Entwicklung und im Einkauf künftig eng zusammenarbeiten.

VW zahlt 15,76 Dollar je Navistar-Papier. Damit beläuft sich der Kaufpreis auf rund 256 Millionen Dollar (229 Mio Euro). Die Deutschen sollen auch in den Verwaltungsrat von Navistar einziehen. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch erklärte: "Die Beteiligung (...) ist ein wichtiger Meilenstein, um mit unserem Nutzfahrzeuggeschäft auf dem nordamerikanischen Markt Fuß zu fassen." Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler sieht "große Vorteile" für beide.

Navistar gehört zu den eher kleineren US-Lastwagenherstellern. Zum Ablauf des 1. Geschäftshalbjahres (Ende April) hatte die Firma weiter einen Verlust gemeldet, der sich zuletzt aber von 106 Millionen Dollar im Vorjahr auf 29 Millionen Dollar verringerte. Der Umsatz sank im selben Zeitraum von 5,1 auf knapp 4 Milliarden Dollar. "Der Einstieg über einen am Boden liegenden Lkw-Hersteller erscheint mir relativ günstig und macht Sinn, um ein zusätzliches Standbein in Nordamerika zu haben", sagte der NordLB-Autoexperte Frank Schwope. Auch in Vorjahren hatte Navistar teils hohe Verluste geschrieben.

Schwope geht davon aus, dass die Beteiligung auch beim gemeinsamen Einkauf zu hohen Einspareffekten führen könnte. "Es ist naheliegend, durch einen Technologietransfer den US-Hersteller wiederzubeleben", meinte Schwope, der die Ankündigung des Deals vor der IAA (22. bis 29.09.) für bewusst gewählt hält. Das gelte auch für den von VW in Eigenregie hergestellten Transporter Crafter, den der Konzern bisher gemeinsam mit Mercedes gefertigt hatte. Den nun in Polen gebauten neuen Crafter will der Konzern am Mittwoch im Internet präsentieren.

Im Gegensatz zum Branchenführer Daimler war VW auf dem wichtigen US-Markt für schwere Nutzfahrzeuge bisher nicht vertreten. Gerüchte um einen dortigen Zukauf hatte es seit langem gegeben. Parallel zum Konzernumbau, bei dem auch viel gespart werden soll, muss Volkswagen derzeit vor allem die Milliardenkosten der Abgaskrise schultern.

2015 hatte der Autobauer eine interne Nutzfahrzeug-Holding gegründet, in der die Töchter Scania und MAN enger zusammenarbeiten sollen. Der Finanzchef der Volkswagen Truck & Bus, Matthias Gründer, erwartet durch die Kooperation mit Navistar Fortschritte bei der Entwicklung gemeinsamer Komponenten. Ähnlich wie im Pkw-Bau gelten Baukästen mit Gleichteilen für mehrere Modelle als wichtiges Instrument, um auch bei Nutzfahrzeugen Technologien auszutauschen und Kosten zu senken.

Das geplante Geschäft mit Navistar muss noch von Regulierungsbehörden genehmigt werden. Für seine bestehende Nutzfahrzeug-Holding mit MAN und Scania hatte VW Kostenvorteile von mindestens 850 Millionen Euro über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren angepeilt.

dpa

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