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18:20 14.12.2017
Es könnte länger dauern: Die Niki-Schalter werden nicht so schnell wieder öffnen. Quelle: Foto: dPA
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Berlin

Nach der Pleite der österreichischen Fluggesellschaft Niki sitzen Zehntausende Urlauber im Ausland fest, Hunderttausende haben noch Tickets für die kommenden Wochen. Bereits am Donnerstag fielen allein sechs Flüge von Mallorca nach Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf aus. Nach Unternehmensangaben wollen in den kommenden zwei Wochen rund 40.000 Flugreisende mit Niki ihre Heimreise antreten. Davon hätten gut 15.500 ihre Reise selbst gebucht.

Niki hatte die Pleite des Mutterkonzerns Air Berlin überstanden und sollte an die Lufthansa verkauft werden. Doch die Lufthansa kippte den Plan am Mittwoch, weil die Auflagen der EU-Kartellbehörden zu hart seien. Nach EU-Angaben hätte die Lufthansa auf 50 Strecken ein Monopol bekommen. Sie hat nun auch die Millionenzahlungen gestoppt, mit denen Niki bis zum endgültigen Kauf in der Luft gehalten werden sollte. Daraufhin stellte die Fluggesellschaft den Betrieb ein. Die Folgen für Reisende:

Was müssen Pauschalreisende tun?

Ist der Niki-Flug Teil einer Pauschalreise, muss sich deren Veranstalter kümmern. Er muss gestrandete Kunden ohne Mehrpreis auf andere Flüge umbuchen. Das gilt ebenso für Kunden, die ihre Reise noch vor sich haben. Die großen Veranstalter Tui und Thomas Cook organisieren zum Teil eigene Sonderflüge. Nach Angaben der Tui sind bis Ende des Jahres rund 5000 Kunden aus Deutschland von der Pleite betroffen. Keiner von ihnen müsse sich Sorgen machen, dass er nicht in Urlaub fliegen könne oder am Reiseziel festsitze.

Wie schnell ein Veranstalter eine Ersatzverbindung findet, hängt vom Einzelfall ab. Pauschalurlauber sollten nicht vorschnell selbst einen Ersatzflug buchen, rät der Reiserechtler Paul Degott. Wer eine Rückreisemöglichkeit gefunden hat, sollte den Reiseanbieter auffordern, in einer bestimmten Frist dieses Angebot auf dessen Kosten zu buchen. Erst wenn der Veranstalter nicht aktiv wird, rät der Jurist, die Rückreise selbst zu buchen und Schadensersatz zu fordern.

Welche Rechte haben Pauschalreisende, die jetzt umgebucht werden?

Die Veranstalter finden nicht immer einen Ersatzflug für den Tag, an dem der Urlaub starten sollte. Auch die Flugzeiten können sich ändern. Geht durch die Umbuchung des Fluges zum Beispiel ein Urlaubstag verloren, dürfen Pauschaltouristen den Reisepreis anteilig mindern.

Wie komme ich als Individualreisender nach Hause?

Wer direkt bei Niki gebucht hat, muss sich grundsätzlich selbst um die Rückreise kümmern – auf eigene Kosten. Andere Fluggesellschaften wollen jedoch Plätze zu Sonderkonditionen anbieten. So will Condor Niki-Passagiere zum Nulltarif nach Deutschland zurückfliegen, soweit Sitzplätze verfügbar sind. Die Reisenden sollten sich dafür direkt an die Check-in-Schalter am jeweiligen Flughafen wenden. Tui bietet Niki-Kunden, die nur ein Flugticket haben, einen Tuifly-Ersatzflug nach Deutschland an. Die Hälfte des Preises will der Veranstalter erstatten.

Was ist mit Niki-Tickets für die kommenden Wochen und Monate?

„Das Ticket ist bei einer Insolvenz praktisch wertlos“, sagt der Reiserechtler Ernst Führich. Zwar sind theoretisch die Erstattung des Preises, eine Entschädigung nach EU-Recht sowie Schadensersatz für weitere Kosten vorstellbar. Das ist in der Insolvenz aber kaum durchzusetzen. Der Fluggast stehe in der Gläubigerliste ganz hinten, sagt Führich. „Ich kenne keinen Fall, wo jemand einen Cent zurückbekommen hat.“ Daran würde sich wohl auch nichts ändern, wenn sich ein Investor für Niki fände.

Was ist, wenn ich jetzt nicht rechtzeitig zur Arbeit komme?

Wenn die Fehlzeit nicht mit Überstunden ausgeglichen werden kann, gibt es wohl weniger Gehalt – aber eher keine Abmahnung oder gar eine Kündigung. Wichtig allerdings: Berufstätige müssen dem Arbeitgeber Bescheid sagen und alles Zumutbare tun, um den Ausfall zu vermeiden. Eine Umbuchung auf eigene Kosten gilt aber nur in Ausnahmefällen als zumutbar.

Bleibe ich auf meinen Hotelkosten sitzen?

Viele Individualreisende dürften schon ein Hotel am Urlaubsort gebucht und bezahlt haben. Wenn sie nicht reisen können, sind sie auf die Kulanz der Herberge angewiesen. „Aber einen Rechtsanspruch gibt es nicht“, sagt Degott. Auf Onlineportalen kann man teils bis zum Anreisetag kostenlos stornieren – wenn diese Option vorher gewählt wurde.

Zahlt die Rücktrittsversicherung?

Eine Insolvenzabsicherung für Airlines gibt es nicht. Und auch der Reisende selbst kann sich gegen ein solches Ereignis nicht versichern. Die Reiserücktrittsversicherung kommt nur in Fällen wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit für die Kosten einer abgesagten Reise auf.

Wie geht es jetzt mit Niki weiter?

Insolvenzverwalter Lucas Flöther sucht nun einen neuen Käufer für das Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern und 21 Flugzeugen. Mehrere Interessenten hatten sich bereits im Insolvenzverfahren von Air Berlin gemeldet, doch nach Flöthers Angaben legte allein die Lufthansa ein verbindliches Angebot vor. Der Ex-Rennfahrer Niki Lauda kündigte am Donnerstag an, er wolle möglichst schnell mit dem Insolvenzverwalter sprechen. Lauda hatte Niki 2003 gegründet und 2011 an Air Berlin verkauft. Er wollte zusammen mit Condor bereits vor einigen Wochen wieder einsteigen. Der zum Reisekonzern Thomas Cook gehörende Ferienflieger wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Auch die British-Airways-Mutter IAG wollte keine Stellungnahme abgeben.

Von Philipp Laage und Stefan Winter

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