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Wirtschaft Regional Ärger um Rabatt-Gutscheine bei Unister – Leipziger Firma peilt Zwei-Milliarden-Umsatz an
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23:46 18.12.2014
Auf das Reiseportal ab-in-den-urlaub.de werden Kunden mit Gutscheinen gelockt. Bei der Auszahlung räumt Unister jetzt Probleme ein. Quelle: Screenshot
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Leipzig

Kunden beschweren sich, dass das Geld entweder verspätet oder gar nicht bei ihnen ankommt. Der Portalbetreiber aus Leipzig, der durch mehrere Razzien in Verruf gekommenen ist, wehrt sich gegen die Vorwürfe. Unterdessen wird nach Informationen von LVZ-Online ein neuer Umsatzrekord für dieses Jahr angepeilt.

„Es ist einfach unmöglich, Kunden mit den Gutscheinen zu ködern und diese dann einfach über Monate nicht auszuzahlen“, macht ein User auf Facebook seinem Ärger Luft. Auf eine Überweisung der 100 Euro für eine Reise nach Mallorca Anfang September wartet der junge Mann noch immer. „Eine von Ihnen beschriebene technische Störung ist ja zu entschuldigen, aber eine Wartezeit von über drei Monaten ist es nicht“, schreibt er auf die Seite des Reiseportals ab-in-den-urlaub.de.

Überweisung 28 Tage nach Reiseantritt zugesagt

Unister bietet seinen Kunden mit Coupons eine Erstattung von 25, 50 oder 100 Euro, wenn diese zu einem gewissen Mindestpreis eine Reise buchen. Das Geld wird nicht mit der Zahlung gutgeschrieben, da dies laut Handelsgesetz in solchen Fällen untersagt ist. Der Reisevermittler verspricht eine Überweisung innerhalb von 28 Tagen nach Urlaubsantritt – was offenbar nicht immer reibungslos funktioniert.

Bei Facebook häufen sich täglich Beschwerden von Kunden, die nach Monaten noch immer auf ihr Geld warten. Auch LVZ-Online haben entsprechende Hinweise erreicht. Anfragen beim Callcenter und im Internet blieben den Kundenberichten zufolge ohne Wirkung. „Man soll sich halt gedulden“, schreibt eine Userin. Bei Facebook reagiert das Unternehmen allerdings persönlich auf jede Beschwerde und verspricht eine zeitnahe Lösung des Falls.

Unister macht Aufwand und „manuelle Fehler“ verantwortlich

Dirk Rogl, Sprecher von Unister Travel, räumt ein, dass es bei der Auszahlung der Prämien zu Problemen kommen kann. „Der hierfür erforderlich Prozess ist leider aus guten Gründen aufwändig und nicht immer frei von manuellen Fehlern“, teilt er auf Anfrage von LVZ-Online mit. Schwierigkeit für Unister: Für die Erstattung ist ein Nachweis des Reiseantritts notwendig. Bei jeder Reise muss der Reiseanbieter prüfen, ob der Kunde auch tatsächlich im Flugzeug saß oder im Hotel eincheckt. Bei mehreren tausend Gutscheinen pro Monat, die bei Unister eingelöst werden, ist dies mit großem Verwaltungsaufwand verbunden.

Unister-Zentrale im Leipziger Barfußgäßchen. Quelle: Dirk Knofe

Ein weiterer Grund des Problems ist laut Rogl die Übermittlung der Daten. So könne es bereits bei der Eingabe des Gutschein-Codes und der Übermittlung der neuen IBAN-Kontonummern für die Rücküberweisung zu Fehlern kommen. Auch Betrugsversuche mit doppelt eingegebenen oder erfundenen Codes seien nicht selten, heißt es. „Ab-in-den-Urlaub ist sehr bemüht, diese Prozesse fortlaufend zu optimieren“, betont der Sprecher. Nicht ohne Grund: Die Gutscheine seien ein „wichtiges Mittel für die Gewinnung von Kunden und die Kundenbindung“, heißt es. Und weiter: „Ein Indikator für die hohe Zufriedenheit unserer Kunden generell sind die Posts gewiss nicht.“

Immerhin gibt es auf Facebook auch positive Meldungen: „Hoffnung für alle Wartenden. Gutscheine werden langsam ausgezahlt“, schrieb am Donnerstag ein User. „Habe heute 100 Euro erhalten. Immer schön Druck machen, dann wird das schon.“

Zwei Milliarden Euro Umsatz erwartet

Trotz der Kritik und der noch immer laufenden Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden war das aktuelle Geschäftsjahr für die Leipziger offenbar ein voller Erfolg. Die im August ausgegliederte Reisesparte Unister Travel rechnet in diesem Jahr damit, erstmals die Marke von zwei Milliarden Euro beim vermittelten Reiseumsatz zu knacken. Im Vorjahr hatte der Umsatz Branchenschätzungen zufolge bei 1,3 Milliarden Euro gelegen, was einer Steigerung von mehr als 50 Prozent entsprechen würde. Vor Steuern wird mit einem deutlichen Gewinn gerechnet. Zum Vergleich: Beim Konkurrenten Expedia lag der vermittelte Umsatz  in Deutschland 2013 mit rund 990 Millionen Euro etwa bei der Hälfte, bei Holidaycheck betrug er mit 680 Millionen gut ein Drittel.

Für die Unister-Reisesparte mit rund 800 Mitarbeitern – bei der gesamten Holding sind mehr als 1500 beschäftigt – laufen derzeit Verkaufsverhandlungen. Im Raum steht dabei auch eine Mehrheitsübernahme. Der kolportierte Kaufpreis von bis zu 1,5 Milliarden Euro wurde bislang weder bestätigt noch dementiert. Unabhängig von den Gesprächen will das Unternehmen im nächsten Jahr deutlich wachsen. Geplant ist dem Vernehmen nach eine dreistellige Anzahl neuer Jobs. Aktuell sind bereits knapp 70 Stellen ausgeschrieben. „Wir brauchen Spezialisten in allen Bereichen, von Technik, über Reiseprodukte bis zum Service“, so Dirk Rogl.

Robert Nößler

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