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Wirtschaft Regional Amazon Leipzig erhält eigenen Aufsichtsrat - Belegschaft nur zu einem Drittel vertreten
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Amazon Leipzig erhält eigenen Aufsichtsrat - Belegschaft nur zu einem Drittel vertreten
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19:00 15.09.2016
Amazon-Schriftzug am Leipziger Versandzentrum.   Quelle: dpa
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Leipzig

 Zwei Amazon-Mitarbeiter ziehen nun als Vertreter der Belegschaft ziehen in den Standort-Aufsichtsrat ein. Die beiden Gewählten seien beide Mitglieder der Gewerkschaft, hieß es bei Verdi. „Das ist für uns ein tolles Ergebnis, dass zwei bekennende Verdi-Mitglieder die meisten Stimmen bekamen“, sagte der Leipziger Gewerkschaftssekretär Thomas Schneider der LVZ. Zumindest indirekt sei Verdi damit nun in dem Gremium vertreten.

Die anderen vier Mitglieder schickt das Unternehmen, das sich vor allem von Standortleitern anderer Versandzentren vertreten lässt. Die Deutschland-Spitze des Versandhändlers kommt dagegen nicht zu den Sitzung des Kontrollorgans nach Leipzig.

Getagt hat das neue Gremium noch nicht. „Es wird in Kürze eine Einladung zur konstituierenden Sitzung geben“, kündigte eine Unternehmenssprecherin an. Wie oft das Gremium künftig tage, werde es dann selbst festlegen.

Mehr oder weniger als 2000 Mitarbeiter?

Vor Gericht war um die Frage gerungen worden, wie viele Mitarbeiter der Standort überhaupt hat: Mehr als 2000, wie Verdi behauptetet? Dann wäre laut Gesetz einer zwölfköpfiger Aufsichtsrat zu bilden, dem sechs Arbeitsnehmervertreter angehören. Oder sind es weniger als 2000, wie Amazon erklärte? Dann ist ab 500 Mitarbeitern ein sechsköpfiges Gremium mit zwei Arbeitnehmern zu bilden.

Verdi war deshalb gemeinsam mit dem Betriebsrat vor fast zwei Jahren vor Gericht gezogen. Dort konnte sich die Gewerkschaft aber nicht durchsetzen. „Amazon hat glaubhaft machen können, dass es im Jahresdurchschnitt weniger als 2000 Mitarbeiter sind“, sagte der Leipziger Gewerkschaftssekretär Thomas Schneider. „Die Klage haben wir verloren.“

Zählweise der Weihnachtsaushilfe sorgt für Verwirrung

Amazon hatte erklärt, dass die Stammbelegschaft nur 1800 Kollegen umfasse. Verdi dagegen verwies auf das Weihnachtsgeschäft, wenn regelmäßig mehr als 1000 Aushilfen zusätzlich an Bord kommen. Das reiche, um die Belegschaftsstärke im Jahresdurchschnitt über die 2000 zu hieven. Vor Gericht konnte sich Verdi damit aber nicht durchsetzen.

„Amazon begrüßt den Beschluss des Gerichts, der die Herangehensweise des Unternehmens bestätigt“, sagte die Unternehmenssprecherin. Verdi-Mann Schneider zeiget sich dagegen verwundert darüber, dass der Standort so wenig Mitarbeiter haben soll. „Wir können das nicht ganz nachvollziehen.“

Schließlich schreibe Amazon selbst in seinen Jahresabschlüssen stets, dass es in Leipzig dank der Weihnachtsaushilfe im Jahresduschschnitt mehr als 2000 Mitarbeiter gebe. Im vergangen Jahr waren es demnach genau 2169 Mitarbeiter.

Verdi konnte sich bisher nur in Bad Hersfeld durchsetzen

Ähnliche Verfahren hatte Verdi auch an allen anderen Amazon-Standorten in Deutschland angeschoben. Durchsetzen konnte sich die Gewerkschaft bisher nur in Bad Hersfeld mit mehr als 3000 Mitarbeitern.

Im größten und ältesten deutschen Amazon-Versandzentrum wurde schon 2014 ein Aufsichtsrat gebildet, der zur Hälfte mit Arbeitnehmern und Gewerkschaftern besetzt ist. Und die werden zum Teil nicht gewählt, sondern direkt von Verdi ernannt. Anders als in Leipzig kann die Gewerkschaft daher auch hauptamtliche Verdi-Leute in das Gremium schicken.

An anderen Standorten gab es ebenfalls schon Gerichtsverfahren, die aber genau wie in Leipzig ausgingen.

Von Frank Johannsen

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