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Amazon steuert auf Streik zu: Verdi ruft in Leipzig zur Urabstimmung

Amazon steuert auf Streik zu: Verdi ruft in Leipzig zur Urabstimmung

Im Tarifkonflikt bei Amazon preschen die Mitarbeiter in Leipzig vor: Die Gewerkschaft Verdi ruft hier heute zur Urabstimmung über einen Streik auf. Danach könnte es erstmals in Deutschland zu Arbeitsniederlegungen bei Amazon kommen.

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Rund 2000 Mitarbeiter packen im Leipziger Amazon-Versandzentrum die Pakete.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Damit will die Gewerkschaft einen Tarifvertrag durchsetzen. Mit der Aktion kommen die Leipziger nun den Kollegen in Bad Hersfeld zuvor. Auch dort drängt Verdi auf Tariflohn.

Der Überraschungscoup ist der Gewerkschaft gelungen: In der Münchner Deutschlandzentrale von Amazon zeigte man sich gestern zumindest überrascht über die Ankündigung, in Leipzig heute zur Urabstimmung zu schreiten. Dabei steht die Drohung seit Wochen im Raum. Schon vor vier Wochen, als die Sondierungsgespräche über einen Tarifvertrag scheiterten, hatte Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago in der LVZ gedroht: "Wir werden auch vor Arbeitsniederlegungen nicht zurückschrecken."

Jetzt macht Verdi Ernst. "Wir erhöhen den Druck", sagte Lauenroth-Mago. Wenn die Urabstimmung die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent liefere, seien alle Voraussetzungen für einen unbefristeten Streik erfüllt. "Dann können wir jederzeit zum Streik aufrufen." Und er ließ keinen Zweifel, dass Verdi davon dann auch Gebrauch machen werde. "Wir müssen ja offenbar noch erheblich mehr Druck machen, damit das bei Amazon ankommt. Das ist für uns ein ganz dickes Brett." Bei der Abstimmung heute hofft er daher auf eine hohe Beteiligung - "und auf eine überzeugende Mehrheit".

Die Abstimmung will Verdi mit einem Aktionstag direkt vor Ort verbinden: Man werde ab 12 Uhr mit Bühne und Megafon vorm Versandzentrum in der Torgauer Straße anrücken, kündigte Gewerkschaftssekretär Thomas Schneider an. Ein Pavillon vor dem Eingang diene dann bis 17 Uhr als Abstimmungslokal. Da um 15 Uhr Schichtwechsel ist, habe so jeder die Möglichkeit, vor oder nach der Arbeit abzustimmen. Abstimmen dürfen aber nur die Verdi-Mitglieder. Und davon gebe es immer mehr, berichtete Schneider. 520 der rund 2000 Mitarbeiter seien inzwischen in der Gewerkschaft. "Und fast jeden Tag kommen neue hinzu."

Amazon zahlt bisher an keinem seiner Standorte in Deutschland nach Tarif. In Leipzig bekommen Einsteiger derzeit 9,30 Euro pro Stunde. Wer länger als zwei Jahre dabei ist, erhält 10,57 Euro. An seinen inzwischen sieben Standorten in den alten Ländern zahle Amazon dagegen zum Teil deutlich mehr, berichtete Schneider. "Das macht die Leute hier zusätzlich wütend." Verdi fordert daher, den Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel zu übernehmen. Der sieht in Sachsen mindestens 10,66 Euro pro Stunde vor, nach einem Jahr im Betrieb dann 11,39 Euro. Zudem zahle Amazon weder Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Und Nachtzuschläge, laut Tarif ab 20 Uhr fällig, gebe es erst ab Mitternacht.

Drei Mal waren Amazon und Verdi ab Dezember in Leipzig zu Sondierungsgesprächen zusammengekommen. Bei der letzten Runde am 21. Februar hatte Amazon dann aber erklärt, generell kein Interesse an Tarifverhandlungen zu haben. "Als Unternehmen, das immer noch schnell wächst, brauchen wir mehr Flexibilität, als uns ein Tarifvertrag lassen würde", begründete das Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber. Zugleich verteidigte er die Lohnhöhe: "Wir zahlen in unseren Logistikzentren sowieso schon mehr als andere Logistikunternehmen."

Das ist Verdi aber nicht genug. "Unsere Messlatte ist der Tarif für den Versand- und Einzelhandel", sagte Lauenroth-Mago. "Und das ist angesichts der harten Arbeit bei Amazon auch mehr als angemessen." Mit der Streikvorbereitung ist Leipzig jetzt Vorreiter. Auch am ältesten deutschen Amazon-Standort in Bad Hersfeld fordert Verdi zwar einen Tarifvertrag. Bis zur Urabstimmung ist man dort aber noch nicht gekommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.03.2013

Frank Johannsen

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