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Wirtschaft Regional Antonow-Flüge: Ukrainer wollen für Russen einspringen
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00:31 13.05.2018
Eine Antonow AN-124 von Antonov Airlines wird für ihren Einsatz vorbereitet. Quelle: dpa
Schkeuditz

m Ringen um die Antonow-Flüge für die Nato wollen jetzt die Ukrainer einspringen: Weil die Russen ihre in Schkeuditz stationierten Frachtmaschinen nicht mehr für die Nato fliegen lassen wollen, will jetzt die Ukraine die Lücke schließen: Antonov Airlines aus Kiew sei bereit, den Nato-Auftrag allein weiterzuführen, kündigte Vertriebschef Andrej Blagowisny gegenüber dem Online-Portal „Cargo Forwarder“ an.

Bisher teilen sich die Ukrainer den Auftrag mit der russischen Airline Volga-Dnepr, die ihre Maschinen ebenfalls in Schkeuditz stationiert hat. Bereits seit 2006 transportieren sie im Rahmen des Salis-Projekts für 14 Nato- und EU-Staaten Kriegsgerät und humanitäre Güter in Krisengebiete. Beide haben dafür eigene Tochtergesellschaften in Schkeuditz gegründet: die Ukrainer Antonov-Salis, die wie die Mutter die englische Schreibweise nutzt, die Russen Ruslan-Salis. Jeweils eine AN-124 haben beide dafür fest in Schkeuditz stationiert, weitere werden bei Bedarf eingeflogen.

Russen ziehen sich wegen Syrien-Krise zurück

Vor drei Wochen hatten die Russen angekündigt, sich aus dem Projekt zurückzuziehen – offenbar wegen der Syrien-Krise. Der derzeitige Vertrag, der Ende 2018 ausläuft, soll noch erfüllt werden – dann ist Schluss. An der Neuausschreibung will sich Volga-Dnepr nicht beteiligen.

Dafür wollen nun die Ukrainer einspringen – und den Auftrag künftig allein erfüllen. „Als Antonov Airlines sind wir entschlossen, unser Salis-Engagement auf Wunsch unserer Partner unvermindert und in größerem Umfang fortzusetzen“, sagte Blagowisny. Das habe seine Airline der zuständigen Nato-Agentur NSPA in Luxemburg jetzt angeboten. „Wir erwarten, die Antwort der NSPA in Kürze zu erhalten, und wir hoffen, dass es eine positive Rückmeldung geben wird.“

Ukrainische Maschien reichen nur knapp für den Auftrag

Schon vor zwei Jahren hatten sich die Ukrainer darum beworben, den Auftrag allein zu erhalten. Das bisher bestehende Gemeinschaftsunternehmen mit den Russen hatten sie zuvor aufgekündigt. Um nicht länger auf das Wartungsterminal von Volga-Dnepr an der A 14 angewiesen zu sein, schlugen sie am Südrand des Flughafens sogar eine eigene Basis auf.

Die Nato hatte damals aber Bedenken, ihnen allein den Zuschlag zu geben. Denn bis zu sechs Antonows werden zu Spitzenzeiten verlangt – und Antonov Airlines hat nur sieben Flugzeuge dieses Typs, Volga-Dnepr weitere zwölf. Es gab daher Befürchtungen, die Ukrainer könnten den Auftrag allein nicht stemmen. Am Ende wurde er zwischen geteilt.

Wechsel wurd für Nato teuer

Blagowisny bemühte sich nun, die Befürchtungen zu zerstreuen. Bei einem Zuschlag werde seine Airline sofort eine zweite AN-124 nach Leipzig verlegen – und dann weiter aufstocken. „Wir könnten die Anzahl unserer AN-124 schnell auf vier erhöhen und sogar sechs AN-124 bereitstellen, aber nur, wenn uns eine gewisse Vorlaufzeit zur Verfügung gestellt wird.“

Dass wirklich alle sechs Maschinen abgerufen werden, sei bisher ohnehin nur ein einziges Mal vorgekommen: 2013 beim Einsatz in Mali. Wenn es doch eng wird, könne zusätzlich auch die noch größere AN-225 einspringen, die erst vergangene Woche in Leipzig/Halle zu Gast war.

Für die Nato würde es aber auf jeden Fall teurer werden: Die Ukrainer kassieren bisher pro Flugstunde 37 509 Euro, die Russen nur 23 341 Euro.

Von Frank Johannsen

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