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Wirtschaft Regional Antonow-Flüge ab Leipzig/Halle: Ukrainer springen für Russen ein
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20:09 05.11.2018
Um den Nato-Auftrag allein zu stemmen, wollen die Ukrainer ab Januar zwei AN-124 in Schkeuditz stationieren. Quelle: Foto: Roman Pilipey/dpa
Schkeuditz

Die Antonow-Flüge für die Nato ab Leipzig/Halle gehen auch nach dem Abspringen des russische Partners Volga-Dnepr weiter. Weil die Russen ihre in Schkeuditz stationierten Frachtmaschinen nicht mehr für die Nato fliegen lassen wollen, springt jetzt die Ukraine ein. Antonov Airlines aus Kiew erhielt von der zuständigen Nato-Agentur NSPA in Luxemburg jetzt den Zuschlag, den Auftrag ab Januar allein weiterzuführen.

„Alle Partnernationen haben einem Vertragsschluss mit der Antonov Logistics Salis GmbH zugestimmt“, erklärte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Montag auf LVZ-Anfrage. „Die NSPA wurde beauftragt, den Vertrag nun zu schließen, sodass ab Januar die Leistung lückenlos zur Verfügung steht.“ Nach LVZ-Information soll der Vertrag im Dezember unterzeichnet werden. „Volga-Dnepr spielt hier keine Rolle als Vertragspartner“, so der Sprecher weiter.

Bisher teilen sich Ukrainer und Russen den Auftrag. Bereits seit 2006 transportieren sie im Rahmen des sogenannten Salis-Projekts für 14 Nato- und EU-Staaten Kriegsgerät und humanitäre Güter in Krisengebiete. Beide haben dafür eigene Tochtergesellschaften in Schkeuditz gegründet: die Ukrainer Antonov-Salis, die wie die Mutter die englische Schreibweise nutzt, die Russen Ruslan-Salis. Jeweils eine AN-124 haben beide dafür fest in Schkeuditz stationiert, weitere werden bei Bedarf eingeflogen.

Volga-Denpr will nicht mehr für die Nato fliegen

Im April hatten die Russen aber angekündigt, sich aus dem Projekt zurückzuziehen – offenbar wegen der Syrien-Krise. Der bisherige Vertrag, der Ende 2018 ausläuft, wird noch erfüllt – dann ist Schluss. An der Neuausschreibung wollte sich Volga-Dnepr nicht beteiligen. Die Ukrainer kündigten daraufhin umgehend an, sich nun allein um den Auftrag zu bewerben.

„Der Vertragspartner hat ein faires Angebot vorgelegt“, so der Ministeriumssprecher. Der Vertrag läuft drei Jahre, also bis Ende 2021. Er gehe davon aus, dass „der Transportbedarf für übergroße und überschwere Fracht zur Verlegung, Folgeversorgung und Rückverlegung im Rahmen deutscher Missionen mit diesem Vertrag gedeckt werden kann“, so der Sprecher weiter.

Wie viel die Nato für den Einsatz der Antonows künftig bezahlen muss, wollte er nicht verraten. Es dürfte aber teurer sein als bisher. Schon jetzt kassieren die Ukrainer pro Flugstunde 37.509 Euro, die Russen nur 23.341 Euro.

Auftrag wurde vor zwei Jahren geteilt

Bereits vor zwei Jahren hatten sich die Ukrainer darum beworben, den Auftrag allein zu erhalten. Das zuvor bestehende Gemeinschaftsunternehmen mit den Russen hatten sie zuvor aufgekündigt. Um nicht länger auf das Wartungsterminal von Volga-Dnepr an der A 14 angewiesen zu sein, schlugen sie am Südrand des Flughafens sogar eine eigene Basis auf.

Die Nato hatte damals aber Bedenken, ihnen allein den Zuschlag zu geben. Denn bis zu sechs Antonows werden zu Spitzenzeiten verlangt – und Antonov Airlines hat nur sieben Flugzeuge dieses Typs, Volga-Dnepr dagegen zwölf. Es gab daher Befürchtungen, die Ukrainer könnten den Auftrag allein nicht stemmen. Am Ende wurde der Auftrag geteilt.

Auch weltgrößtes Flugzeug AN-225 kommt zum Einsatz

Um das Problem zu lösen, schicken die Ukrainer nun ihre Geheimwaffe ins Rennen: das weltgrößte Frachtflugzeug Antonow AN-225, entwickelt einst für den Transport der sowjetischen Raumfähre Buran. Nur ein Exemplar des Riesenvogels wurde jemals gebaut, und das gehört den Ukrainern. In Schkeuditz ist der Riesenvogel schon jetzt regelmäßig zu Gast – bisher aber nur für zivile Frachtflüge. Künftig soll er bei Bedarf auch für Militärtransporte einspringen. Er dürfte damit noch öfter in Schkeuditz zu sehen sein.

Zusätzlich wird ab Januar eine zweite AN-124 fest in Schkeuditz stationiert. Bei Bedarf können weitere angefordert werden. „Als Antonov Airlines sind wir entschlossen, unser Salis-Engagement auf Wunsch unserer Partner unvermindert und in größerem Umfang fortzusetzen“, sagte Antonov-Vertriebschef Andriy Blagovisniy. „Wir könnten die Anzahl unserer AN-124 schnell auf vier erhöhen und sogar sechs AN-124 bereitstellen.“

Neues Gemeinschaftsunternehmen gegründet

Für den Auftrag haben die Ukrainer bereits eine neue Firma gegründet: Statt der Antonov Salis GmbH soll ab Januar die Antonov Logistics Salis GmbH übernehmen, ebenfalls mit Sitz am Flughafen Leipzig. Als Partner holten die Ukrainer dabei den Frankfurter Frachtspezialisten Aircargonet International an Bord. Laut Handelsregister halten die Frankfurter 49 Prozent, die Ukrainer 51 Prozent.

Abziehen wird aber auch Volga-Dnepr seine in Schkeuditz stationierten Antonows nicht, auch nicht die bisher für die Nato reservierte Maschine. Die Airline setzt künftig verstärkt auf zivile Frachtflüge. 2019 wird die Flotte sogar aufgestockt: Ab Januar soll die neue Tochter Cargo Logic Germany an den Start gehen. Und die tritt sogar mit mehr Flugzeugen als zunächst geplant an: Per Stellenausschreibung sucht die neue Airline jetzt Piloten und Co-Piloten für fünf Boeing-737-Frachter, die Anfang 2019 in Schkeuditz stationiert werden sollen. Bisher war nur von drei Maschinen diesen Typs die Rede.

Von Frank Johannsen

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