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Arbeitslosigkeit geht im Osten kräftiger zurück als im Westen

Prognose Arbeitslosigkeit geht im Osten kräftiger zurück als im Westen

Die Quote an Arbeitslosen geht in Deutschland zurück - aber nicht in allen Regionen gleich stark. In den neuen Bundesländern sinkt die Zahl der Erwerbslosen schneller - das sagt zumindest eine Prognose.

Eine Frau studiert Stellenangebote. Die Arbeitslosenquote sinkt im Osten schneller als im Westen. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Chemnitz/Halle. Der Osten ist vorn: Die fünf neuen Bundesländer liegen beim Abbau der Arbeitslosigkeit in diesem Jahr an der Spitze. Das geht zumindest aus der Prognose hervor, die das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) soeben vorgelegt hat. Platz eins holte sich danach Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Bundesweites Schlusslicht in der Abbau-Rangliste ist Bremen.

„Der Trend auf dem sächsischen Arbeitsmarkt bleibt stabil“, sagte in Chemnitz Klaus-Peter Hansen, Chef der Arbeitsagenturen im Freistaat. „Seit der Finanzkrise 2009 arbeiten immer mehr Menschen in Sachsen und umso weniger Frauen und Männer werden oder bleiben arbeitslos. Das ist gut.“

Zwischen 9000 und 13.000

Ähnlich äußerte sich Kay Senius, der die Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt und Thüringen verantwortet. „Ich gehe nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre davon aus, dass die Arbeitslosigkeit weiter sinken wird.“ Es sei ein gutes Signal, dass sich die Lage sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Thüringen in einer stabilen Verfassung präsentiere. Die Zeiten der Massenarbeitslosigkeit seien überstanden. Im Jahresschnitt dürfte es in Sachsen 12.700 Arbeitslose weniger geben, in Sachsen-Anhalt sind es 9000, in Thüringen 10.000. Morgen werden die Arbeitsmarktzahlen für April bekanntgegeben.

Hansen begründete die „deutlichen Rückgänge“ mit der guten gesamtwirtschaftlichen Situation. Oben drauf komme der demografische Effekt. „Er wirkt in den ländlichen Regionen stärker als in den Städten.“ Auch Senius räumte ein, dass der Abgang in den Ruhestand sich „sehr deutlich“ auswirke. Natürlich seien in den vergangenen Jahren auch neue Jobs entstanden, die zum Abbau der Erwerbslosigkeit beigetragen hätten.

„Aber das Wachstum war weder in Sachsen-Anhalt noch in Thüringen exorbitant.“ Dagegen sei die Alterung der Bevölkerung überall spürbar und das betreffe auch Arbeitslose, „die dann irgendwann in die Rente gehen“ – und aus der Statistik fallen. Auf der anderen Seite gebe es weniger junge Leute im Lande, somit auch weniger Menschen, die arbeitslos würden.

Schwächeres Beschäftigungswachstum

Nachdenklich stimme das schwächere Beschäftigungswachstum, sagte Senius. Das fällt in den ostdeutschen Ländern mit knapp zwei Prozent etwas geringer aus als im Bundesschnitt, der bei 2,4 Prozent liegt. „Das hat sicherlich damit zu tun, dass die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt und Thüringen weniger vom guten Exportgeschäft partizipiert, weil sie schlicht weniger ausfuhrorientiert ist.“

Zudem könne sich die demografische Entwicklung als Bremse erweisen. Den Unternehmen gehe es unterm Strich zwar gut. Aber der Fachkräftebedarf in manchen Branchen sei kaum zu decken. „Ohne Zuwanderung aus anderen Bundesländern oder dem Ausland wird es schwierig, in Zukunft die Firmen mit geeigneten Fachkräften zu versorgen.“

Das gelte vor allem für die ländlichen Gebiete, sagte Senius. „Wir müssen diesen Wandel aktiv mitgestalten und die Weiterbildungsbereitschaft der Bevölkerung mit Blick auf die Digitalisierung erhöhen“, mahnte Hansen. Es gehe auch darum, verstärkt Langzeitarbeitslosen zu helfen, wieder den Anschluss zu finden. „Am notwendigen Geld scheitert keine Vermittlung und keine Qualifizierungsmaßnahme.”

Ulrich Milde

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