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Wirtschaft Regional Ausländische Fachkräfte in Sachsen heiß begehrt
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19:32 03.03.2018
In der Metallwerkstatt des Bildungswerks der Sächsischen Wirtschaft in Chemnitz starten Rajmund aus Polen (l) und Nikolay aus Bulgarien. (Archivbild) Quelle: dpa
Dresden

Bau, Gesundheitswesen, Hotellerie und Gaststätten, Pflege: In vielen Branchen suchen sächsische Unternehmen händeringend qualifizierte Mitarbeiter und stellen auch gern ausländische Arbeitskräfte ein oder bilden sie aus.

Von den 1,58 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten waren laut Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz im vergangenen Jahr mehr als 60.000 Ausländer - ein Anteil von 3,8 Prozent. Deren Zahl hat sich seit 2014 (32.000) zwar fast verdoppelt, ist aber dennoch vergleichsweise gering. Bundesweit liegt der Anteil bei 10,8 Prozent.

"Sachsen profitiert zu wenig"

"Sachsen profitiert von der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte noch zu wenig", sagt der Chef der Landesarbeitsagentur Klaus-Peter Hansen. Seit 2012 gingen in Sachsen mehr Menschen in den Ruhestand als nachrückten. In den nächsten zehn Jahren gingen dem Arbeitsmarkt so rund 214.000 Menschen verloren. Um diese Lücke auszugleichen, müsse unter anderem gezielte Zuwanderung gefördert werden, sagt Hansen.

Nach Angaben der Arbeitsagentur kommen mit mehr als 14.000 die meisten ausländischen Arbeitskräfte aus Polen gefolgt von Tschechien (8111), Rumänien (3696), Russland (2294) und Vietnam (2192). Von den fast 106.000 Beschäftigten auf dem Bau sind laut Statistischem Landesamt 5650 Ausländer, im Gastgewerbe sind es fast 7600 Mitarbeiter von mehr als 53.500 Beschäftigten. Allein mehr als 1000 von ihnen kommen aus Tschechien. "Wir suchen händeringend Arbeitskräfte", sagt der Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Sachsen, Axel Klein.

Mehr ausländische Ärzte

"Einige Kliniken könnten den Betrieb mancher Stationen ohne ausländische Ärzte nicht aufrechterhalten", sagt der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck. Rund 17.300 Mediziner waren 2016 in Sachsen ärztlich tätig. Mehr als 2500 ausländische Ärzte aus 94 Nationen sind bei der Sächsischen Landesärztekammer gemeldet.

Rund 2300 von ihnen üben den Beruf auch aus. Die meisten stammen aus Tschechien (376), der Slowakei (274), aus Polen (233), Rumänien (180) und Russland (152). Die Zahl der syrischen Ärzte hat sich in den vergangenen drei Jahren von 52 auf 182 mehr als verdreifacht.

Auch Pflegesektor sucht

Laut Statistischem Landesamt sind von fast 242.000 Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitswesen fast 5500 Ausländer. Wie viele Menschen vor allem aus Osteuropa etwa in der Alten- und Krankenpflege arbeiten, ist nicht bekannt. "Es besteht ein immenser Bedarf", sagt der Vorsitzende des Sächsischen Pflegerates, Michael Junge.

Ausländische Pflegekräfte könnten diesen zwar nicht decken, leisteten aber ein wichtigen Beitrag. Sie hätten oft eine bessere Grundausbildung. "Oft sind sie dann von den auszuführenden Tätigkeiten und schlechten Arbeitsbedingungen enttäuscht."

Damit sie blieben, müssten sich die Arbeitsbedingungen verbessern. "Wir sind nicht das einzige Land mit einem Personalmangel in der Pflege."

Sprachkenntnisse teils ein Problem

Im Bereich der Industrie- und Handelskammer Dresden machen aktuell 335 ausländische Jugendliche eine Ausbildung. Unter ihnen sind 34 junge Polen, 22 Vietnamesen, 20 Spanier, 16 Russen, 14 Ukrainer und 13 Tschechen.

Die Handwerkskammer Chemnitz hatte 2011 versucht, Jungen und Mädchen aus dem Nachbarland Tschechien auszubilden. Vier 18-Jährige aus der Region Most wollten Elektroniker werden, weitere fünf Jungen und zwei Mädchen Straßenbauer. Nur einer von ihnen hielt durch.

Zumeist seien die Sprachkenntnisse unzureichend gewesen, heißt es in der Kammer. Einige Lehrlinge hätten Heimweh gehabt. Etwas mehr Glück hatte die Kammer mit 30 spanischen und einem rumänischen Jugendlichen, die im Rahmen eines EU-Projektes 2014 und 2015 eine Ausbildung begannen. Sechs von ihnen haben den Abschluss geschafft, sieben weitere sind noch in der Lehre.

Zusammenarbeit zwischen Dresden und Prag

Seit mehr als zehn Jahren arbeiten die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) bei der Ausbildung mit der Prager Verkehrsschule zusammen. Für zwei oder drei Wochen pro Lehrjahr besuchen die Azubis die jeweils andere Stadt.

"Neben der Verbesserung sprachlicher Fertigkeiten geht es auch um den Austausch von kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden", sagt DVB-Sprecher Falk Lösch. Es hätten sich aber auch schon Azubis aus Tschechien direkt bei den DVB beworben und erfolgreich eine Ausbildung absolviert.

LVZ

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