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BMW-Zulieferer Faurecia schließt Standort Leipzig - Mitarbeiter finden neue Jobs

BMW-Zulieferer Faurecia schließt Standort Leipzig - Mitarbeiter finden neue Jobs

Der BMW-Zulieferer Faurecia packt in Leipzig seine Anlagen zusammen: Ein Jahr nach der Ankündigung macht der Hersteller Ernst und schließt die Produktion direkt auf dem BMW-Gelände.

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Sitzhersteller Faurecia räumt seine Halle auf BMW-Werksgelände in Leipzig.

Quelle: pd

Leipzig. Die Sitze für X1 und 1er kommen ab November aus dem neuen Werk im Tschechien. In Leipzig fallen fast 300 Jobs weg. Doch die meisten kommen bei anderen Unternehmen unter. Für die übrigen gibt es eine Transfergesellschaft.

Im Gebäude 81 auf dem Leipziger BMW-Werksgelände hat der große Kehraus begonnen. Wo vor Kurzem noch 300 Mitarbeiter des französischen Zulieferers Faurecia die Sitze für die Modelle 1er und X1 produzierten, sind jetzt nur noch ein Dutzend Kollegen mit Einpacken und Ausräumen beschäftigt. "Der überwiegende Teil des Anlagen- und Maschinenparks geht an den neuen Standort in Pilsen", erklärt Konzernsprecherin Kirsten Lattewitz. Denn dorthin wird die Produktion verlagert. Die Fertigungshalle, von BMW nur gemietet, geht dann besenrein zurück an den Autokonzern.

Vor genau einem Jahr hatte Faurecia seine Mitarbeiter mit der Ankündigung geschockt: Nach fast neun Jahren macht der 2004 zusammen mit dem BMW-Werk eröffnete Standort dicht. Inzwischen wurde mit dem Betriebsrat ein Sozialplan vereinbart, der auch Abfindungen vorsieht. Und die Suche nach neuen Jobs für die Entlassenen klappte am Ende besser als von vielen befürchtet: Fast 80 Prozent hätten bereits etwas gefunden, berichtet Betriebsratschef Thomas Göhle. "Und die, die noch nichts haben, werden auch noch etwas finden", zeigte er sich zuversichtlich. Ab November gehen sie erst einmal in eine Transfergesellschaft - für bis zu sechs Monate. So lange dürften die meisten hoffentlich gar nicht brauchen, sagt Göhle: "Ich kann nur jedem Arbeitgeber in der Region raten: Wenn sich ein Mitarbeiter von Faurecia vorstellt, sofort nehmen!" Denn bei Faurecia seien sie "auf Herz und Nieren getestet und geschult" worden."

Das Unternehmen hatte die Vermittlung der eigenen Leute gezielt unterstützt - und andere Firmen gezielt zu Bewerbertagen ins Werk geholt. "Die Werksleitung hat sich wirklich engagiert", lobt Göhle. "Die Zusammenarbeit lief wirklich gut." Massiv geholfen hat dabei, dass sowohl BMW als auch Porsche ihre Produktion in Leipzig gerade massiv ausbauen: BMW für das Elektroauto i3, das ab 16. November bei den Händlern steht, Porsche für den kleinen Geländewagen Macan, der im kommenden Frühjahr auf den Markt kommt. "So hart es klingt: ­Eigentlich kam die Schließung zum rich­tigen Zeitpunkt", sagte Göhle "Es haben ja gerade alle händeringend Fachkräfte gesucht."

Einige wenige seien am Ende direkt bei Porsche und BMW untergekommen, "die meisten aber über Zeitarbeit". Auch bei Zulieferern der beiden Hersteller habe es Jobs gegeben, einige Kollegen blieben sogar im Konzern - und gingen zur Faurecia-Schwester bei Porsche, die am Leipziger Werk Abgasanlagen herstellt.

Die Vermittlungsquote von fast 80 Prozent könne sich wirklich sehen lassen, sagt Göhle. Ebenso der ausgehandelte Sozialplan, der diverse Prämien und Sonderzahlungen vorsehe. Selbst die 70 Leiharbeiter seien nicht leer ausgegangen. "Auch wenn ich als Betriebsrat mit der Situation nicht zufrieden sein kann, mit den Ergebnissen dessen, was wir alle zusammen erreicht haben, bin ich es schon", so Göhles Fazit.

Das habe auch geholfen, die Motivation bis zum Schluss hochzuhalten. "Immerhin wurde hier fast bis zuletzt die volle Stückzahl abverlangt. Und bis zum Schluss wurden anstandslos die Sitze an die Linien von BMW gebracht." Angesichts der bevorstehenden Schließung sei das eine echte Leistung. "Ich kann die Mannschaft für ihren Durchhaltewillen gar nicht genug loben. Das ist, glaube ich, einzigartig und hat es so noch nie gegeben." Denn das Aus für den Standort sei für die meisten Kollegen nach wie vor ein schwerer Schlag. "Immerhin wird hier ein Werk mit vollem Auftragsvolumen geschlossen, und das fast lautlos."

Die letzte Autositze haben die Leipziger am 11. Oktober hergestellt. Seither sind die meisten Mitarbeiter zu Hause und nehmen bis Ende des Monats ihren Resturlaub oder bauen Überstunden ab. Ab November kommen die Sitze dann aus Tschechien. In Leipzig wird nur ein ­kleiner Service-Stützpunkt bleiben. Neun Mitarbeiter, darunter Göhle, sollen sich vor Ort darum kümmern, dass die aus Pilsen gelieferten Sitze wie gewohnt bei BMW direkt ans Band kommen.

Das neue Werk etwas außerhalb von Pilsen hatte Faurecia in weniger als zwölf Monaten auf die grüne Wiese gestellt. Erst vor einer Woche war der neue Standort feierlich eröffnet worden. Und die 500 neuen Mitarbeiter dort, so berichtet Göhle, wurden in den letzten neun Monaten in Leipzig angelernt. "Damit sie die Arbeit dann genauso gut verrichten, wie wir es neun Jahre lang gemacht haben."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2013

Frank Johannsen

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