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Wirtschaft Regional Bad Dübener Firma CSD: Problemlöser auf Offshore-Plattformen und rollender Autobahn
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08:58 29.11.2018
CSD-Chef Georg Seitz entwickelt mit seinen Mitarbeitern von Bad Düben aus Software-Ideen, die die Logistikprobleme vieler internationaler Firmen lösen.. Quelle: Wolfgang Sens
Bad Düben

Wenn es um die riesigen Offshore-Anlagen der Firma TenneT geht, die derzeit in der Nordsee errichtet werden, kommt CSD-Chef Georg Seitz so richtig in Fahrt. „Das muss man gesehen haben: Auf jeder Plattform wird der Drehstrom von bis zu 150 Windrädern in Gleichstrom umgewandelt und von dort in das Höchstspannungsnetz an Land übertragen. Die Anlagen können rein rechnerisch insgesamt über fünf Millionen Haushalte in Deutschland mit Strom versorgen.“

Firma will vor allem Transportkosten senken

Damit aber die saubere Energie fließt, ist eine aufwendige Logistik nötig, um Monteure und Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der rauen Nordsee zu haben. Genau die richtige Aufgabe für die Software-Entwickler von CSD, sagt Firmenchef Seitz. Das Unternehmen aus dem nordsächsischen Bad Düben hat sich einen guten Ruf als Problemlöser für komplizierte Logistikaufgaben erarbeitet. Zusammen mit seinen gut 30 Mitarbeitern entwickelt Seitz passende Softwaremodule, damit Transporte von A nach B möglichst effizient und störungsfrei verlaufen. Denn Transport und vor allem Stillstand kostet – und diese Kosten will CSD zusammen mit seinen Kunden senken.

Flüge und Schiffstransporte gehen Hand in Hand

Für TenneT hat CSD den Ablauf der Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten optimiert. Mit einem Scanner und einer ausgeklügelten Software fliegen die Hubschrauber mit den Monteuren passgenau dorthin, wo die Arbeit anfällt. Etwa 5000 Euro kostet ein Hubschrauberflug. Ziel ist es daher, diese Flüge optimal zu nutzen. Damit vor Ort kein Leerlauf entsteht, werden mit einem Scanner die angelieferten Teile kontrolliert, eventuelle Differenzen zur Bestellung sofort an den Hersteller gemeldet und im Bedarfsfall nachgeordert. Vereinfacht gesagt: Im Idealfall kommt das Material genau dort an, wo die Montagetrupps gerade arbeiten, die Flüge und Schiffstransporte gehen Hand in Hand.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Neuland für die Dübener Firma

Die Schwierigkeiten bei dieser Logistikkette liegen im Detail: Zollbestimmungen müssen beachtet, Schiffsfahrzeiten berechnet, Lieferantenzeiten beachtet werden. „Wir planen pro Einsatz auf einer Plattform etwa acht bis zwölf Wochen voraus“, sagt Seitz. Die komplexe Aufgabe sei auch für ihn und seine Firma eine Herausforderung gewesen: „Etwa sechs Monate haben wir an dem Projekt gearbeitet, da war vieles Neuland für uns. Aber es hat sich gelohnt: Jetzt ist bei TenneT der Rollout unserer Software und ich habe noch keine Klagen gehört.“

Bis zu 22 LKW pro Zug in einer Nacht über die Alpen

Was auf dem Wasser geht, funktioniert auch an Land. Den Beweis will CSD auf der „rollenden Autobahn“ antreten. Für die Schweizer Firma R-Alpin optimieren die Dübener die LKW-Transporte über die Alpen. „Die Idee dahinter ist bestechend einfach“, sagt Seitz, „mit der Verladung des LKW auf einen Zug wird Zeit gespart, die Umwelt entlastet und der Transport effizienter.“ Im Unterschied zu anderen Transporten fährt hier der komplette LKW auf den Zugwaggon, bis zu 22 Sattelzüge können so pro Transport auf der Schiene bewegt werden. In den Begleitwagen können die Fahrer schlafen – die Ruhezeit wird also eingehalten, obwohl die Ware weiter bewegt wird. Und: Das LKW-Nachtfahrverbot wird in der Schweiz somit umgangen.

Probleme beim Ticketkauf gelöst

Die R-Alpin AG unterhält seit 2001 die Verbindung zwischen Freiburg im Breisgau und dem norditalienischen Novara und seit 2011 die Strecke zwischen Basel und Lugano. Probleme gab es aber immer wieder mit der Abrechnung beim Ticketkauf. Diese Aufgabe lösten nun die Dübener CSD-Experten. „Wir haben eine Software entwickelt, die es dem Fahrer erlaubt, während der Fahrt zeitgenau sein Ticket zu lösen. Das wird dann ähnlich wie bei jeder Amazon-Bestellung direkt von der Kreditkarte abgebucht“, erklärt Seitz. Der Vorteil: Keine Wartezeiten am Verladebahnhof, keine Probleme mit unbezahlten Ticketrechnungen. „Und unsere Lösung macht es für den LKW-Fahrer einfacher“, so Seitz. Damit hofft er, dass auch andere Transportunternehmen auf seine Lösungen aufmerksam werden: „Es macht schließlich Freude, ein Problemlöser zu sein.“

Von Olaf Majer

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