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Wirtschaft Regional Bananen aus Borna und Wasser aus Weißenfels
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14:31 23.02.2018
Leider des Edeka Fruchtkontor Nord (l), spricht mit dem Fruchtreifemeister Patrick Münzner über den Reifezustand von Bananen. Quelle: dpa
Leipzig

Die Verbraucher in Deutschland haben 2017 so oft zu Eigenmarken der großen Handelsketten gegriffen wie noch nie. Egal ob „Ja“ oder „Gut und günstig“, „Rewe Beste Wahl“ oder „Edeka Select“: Das Geschäft mit den Handelsmarken brummt. Insgesamt steigerten Edeka, Rewe, AldiLidl & Co. laut Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) den Marktanteil ihrer Eigenmarken im vergangenen Jahr auf 37,4 Prozent. Das sei ein neuer Rekord, stellt der GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth fest.

Auch wenn man den Produkten selten ansieht, wo genau sie herkommen: Viele davon werden in Mitteldeutschland produziert. Edeka etwa lässt seine Säfte in Rötha südlich von Leipzig produzieren. Die Bananen reifen in Borna. Bei Lidl kommen Mineralwasser, Cola und Limo aus Weißenfels und Jessen in Sachsen-Anhalt. Und auch das ehemalige Spee-Werk in Genthin stellt jetzt No-Name-Ware für Discounter her.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Eigenmarken eine Domäne der Discounter waren. Gerade die großen Supermarktketten Edeka und Rewe, aber auch Drogeriemarktketten wie dm und Rossmann haben in den vergangenen Jahren ihr Eigenmarkenangebot zielstrebig ausgebaut.

Beispiel Rewe: Der Handelsriese hat längst nicht mehr nur die Billigmarke „Ja“ im Programm, deren Preise sich am Discount-Marktführer Aldi orientieren. Daneben gibt es auch die deutlich höher positionierten Eigenmarken „Beste Wahl“ und „Feine Welt“. Es gibt „Rewe Regional“ für Obst und Gemüse, sowie „Rewe Bio“. Darüber hinaus buhlen die Rewe-eigene Fleischmarke „Wilhelm Brandenburg“, die Tierfuttermarke „Zooroyal“ und die Marke „Rewe frei von“ für gluten- und laktosefreie Produkte um Kunden. Ganz ähnlich sieht es beim Rivalen Edeka aus.

Gerade Edeka setzt dabei auf Qualität aus Sachsen: Die Säfte seiner Eigenmarke wie „Edeka“ und „gut & günstig“ etwa lässt Edeka in Rötha (Kreis Leipzig) abfüllen. Seit 2013 gehört die Großkelterei zu dem Handelsriesen aus Hamburg. Für Edeka produziert wurde in Rötha schon vorher. Als die Firma Elro aus Rostock, zu der der Standort gehörte, in die Insolvenz ging, sprang Edeka als Retter ein und übernahm den Betrieb kurzerhand selbst.

Unter dem neuen Firmennamen Sonnländer wurden die beiden Keltereien in den Edeka-Konzern integriert. Die komplette PET-Einwegflaschen-Abfüllung wurde in Rötha konzentriert, Glasflaschen und Tetrapaks kommen aus Rostock. Zudem verlegte Edeka die zentrale Verwaltung der Saft-Tochter von Rostock nach Rötha. Der Standort hat inzwischen 150 Mitarbeiter.

In Borna, nur wenige Kilometer südlich von Rötha, lässt Edeka Bananen reifen, die dann ebenfalls als Eigenmarke in die Läden kommen. Auch die „Bio Bio“-Bananen der Discounter-Tochter Netto reifen in Borna. Das ehemalige Zentrallager in der Stadt hatte Edeka zur Bananenreiferei umgebaut und im September 2017 eröffnet. In 38 Reifekammern reifen jetzt die Südfrüchte, die noch grün per Schiff nach Europa kommen, zu gelben Früchten heran. 50 000 Kartons verlassen pro Woche die Stadt. Es ist eine von vier solcher Anlagen, die Edeka in Deutschland betreibt.

Schon deutlich länger im Geschäft mit den Handelsmarken ist die Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke GmbH (MEG) in Weißenfels im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Hervorgegangen 1998 aus dem Leisslinger Mineralbrunnen, wurden bis 2002 weitere Getränkefirmen in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz hinzugekauft. 2006 stieg dann die Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm ein. 2008 stockte der Handelsriese (Lidl, Kaufland) den Anteil auf 100 Prozent auf.

Die MEG produziert seither vor allem die Lidl-Hausmarken Saskia (Mineralwasser) und Freeway (Limonade und Cola). Die Marke Leisslinger dagegen ist inzwischen verschwunden. An den bundesweit fünf Standorten wurden zuletzt rund drei Millionen Flaschen pro Jahr abgefüllt. Produktionsstätten in Sachsen-Anhalt sind der Weißenfelser Ortsteil Leißling und Jessen im Kreis Wittenberg.

Auch das einstige Spee-Werk in Genthin im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt setzt inzwischen voll auf Handelsmarken. Bis 2009 hatte Henkel hier das  Waschmittel Spee hergestellt, die Produktion des Ost-Klassikers dann aber nach Düsseldorf verlegt. Das Werk ging schließlich nach zwei Insolvenzen Anfang 2017 an zwei iranische Investoren. Deren Firma CCS Chemie Contract Service GmbH mit knapp 50 Mitarbeitern liefert jetzt Reinigungsmittel, Shampoo und Waschmittel an Discounter. Bis zu 100 Millionen Flaschen pro Jahr sollen es werden, so das ehrgeizige Ziel der Iraner.

Der Siegeszug der Eigenmarken hinterlässt längst sichtbare Spuren in den Verkaufsregalen. Während bekannte Marken von Dr. Oetker oder Henkel dort nach wie vor einen unangefochtenen Platz haben, haben es weniger bekannte Hersteller immer schwerer, sich gegen die Eigenmarken zu behaupten. Seit dem Jahrtausendwechsel haben diese „Mittelmarken“ nach Angaben der GfK 40 Prozent ihres einstigen Marktanteils eingebüßt.

Die einzigen Anbieter, bei denen die Bedeutung der Eigenmarken abnimmt, sind GfK-Experte Adlwarth zufolge ausgerechnet Aldi und Lidl. Dabei galten die Discounter lange als Hort der Handelsmarken. Tatsächlich liegt noch heute der Eigenmarkenanteil bei Aldi laut GfK bei mehr als 80 Prozent, bei Lidl bei über 60 Prozent. Doch seitdem selbst Aldi immer mehr Markenartikel in seinen Regalen anbietet, sinkt bei den Discountern tendenziell die Bedeutung der Eigenmarken.

Ein Ende der Erfolgsgeschichte der Handelsmarken ist nach Einschätzung von Adlwarth nicht in Sicht. Seine Prognose: „Die Händler werden ihr Eigenmarkenangebot noch weiter ausbauen.“

Erich Reimann  und Frank Johannsen

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