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Wirtschaft Regional Baumarkt-Kette Praktiker beantragt Insolvenzverfahren - Max Bahr nicht betroffen
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13:37 11.07.2013
Die Baumarktkette Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen. Quelle: dpa
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amburg

Das teilte die Praktiker AG in Hamburg mit. Der Vorstand des angeschlagenen Unternehmens teilte am Vorabend mit, die Verhandlungen über Sanierungsfinanzierungen seien gescheitert.

Die Aktie stürzte am Morgen zunächst um rund 70 Prozent ab, erholte sich dann aber wieder etwas und lag mittags bei knapp 0,14 Euro.

Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der drohenden Insolvenz nicht betroffen, wie es in einem Vorstandsschreiben an die Mitarbeiter heißt. Praktiker wies Ende März knapp 18.000 Vollzeitstellen aus, beschäftigt werden nach Unternehmensangaben aktuell rund 20.000 Mitarbeiter, davon 12.000 im Inland. Je die Hälfte sei bei den beiden Konzern-Marken beschäftigt, teilte ein Sprecher mit.

Das Unternehmen betreibt in Deutschland 315 Baumarkt-Filialen ( Stand Ende März), davon firmieren 132 für Max Bahr. Das Sanierungskonzept sah vor, weitere Praktiker-Filialen auf diese ertragsstärkere Marke umzustellen. Praktiker sollte nur noch als Discount-Schiene dienen.

Das Unternehmen ist auch durch seine fehlgeschlagene Rabattstrategie in eine schwere Krise geraten. Wechselnde Vorstandschefs hatten versucht, das Unternehmen zu stabilisieren. Zuletzt wurden der Einkauf gestrafft und die Konzernzentrale aus dem Saarland nach Hamburg verlegt.

Zuletzt waren Verhandlungen über weitere Finanzierungen gescheitert. Einzelne Gläubigergruppen hätten nicht zugestimmt, teilte Praktiker mit. Die Baumarktkette zählt hinter Obi und Bauhaus zu den größten deutschen Filialisten der Branche. Obi will den kriselnden Konkurrenten nicht übernehmen, wie der Chef der Obi-Mutter Tengelmann, Karl-Erivan Haub, am Donnerstag in Mülheim an der Ruhr sagte. Das Exposé zu Praktiker habe man viermal auf dem Tisch gehabt. „Es wurde zwar immer preiswerter, aber nicht besser“, betonte er.

Die Vertreterin zweier Praktiker-Großaktionäre, Isabella de Krassny, setzt weiter auf eine Rettung. „Wenn jetzt alle Beteiligten an einem Strang ziehen, lässt sich Praktiker auch in der Insolvenz sanieren“, wird die Österreicherin in der „Wirtschaftswoche“ zitiert. De Krassny hofft, dass der Konzern sich in Eigenverwaltung sanieren kann. Dazu müssten rund 80 defizitäre Praktiker-Filialen geschlossen und Finanzmittel in Höhe von mindestens 40 Millionen Euro bereitgestellt werden, sagte sie dem Magazin zufolge. Die Managerin machte vor allem Banken und Warenkreditversicherer für das Scheitern des jüngsten Rettungskonzeptes verantwortlich.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die drohende Insolvenz als Tragödie für die Mitarbeiter. Sie seien bereit gewesen, für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes zu verzichten, teilte Verdi mit. Ein entsprechender Tarifvertrag war im Oktober 2012 mit der Unternehmensführung abgeschlossen worden.

Eigentlich wollte der erst im Herbst 2012 installierte Vorstandschef Armin Burger das Geschäft auf ein solides Fundament stellen. Doch Praktiker musste nach dem langen Winter und einem mauen Frühjahrsgeschäft im ersten Quartal 2013 erneut einen Umsatzrückgang hinnehmen, die Verluste schwollen wieder an. „Der Konzern geriet dadurch in eine angespannte Liquiditätssituation“, teilte der Vorstand mit.

dpa

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