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Wirtschaft Regional Bilanz in Leipzig: Weniger Rotkäppchen im Glas
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22:15 24.04.2018
Rotkäppchen-Mumm legt Jahresbilanz für 2017 in Leipzig vor: Verkauf und Umsatz sind zurückgegangen. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Jahrelang ging es bei Rotkäppchen nur bergauf: Innerhalb von 25 Jahren hat sich die Sektkellerei aus Freyburg an der Unstrut in Sachsen-Anhalt vom Nischenanbieter mit einem Prozent Marktanteil zum unangefochtenen Marktführer vorgearbeitet, schluckte sogar West-Konkurrenten wie Mumm und MM. Doch jetzt gab es einen Dämpfer: Weil die Deutschen weniger Sekt trinken, gingen 2017 auch bei Rotkäppchen-Mumm Umsatz und Absatz zurück – zum ersten Mal seit 2012.

Vor einem Jahr hatte beim Umsatz noch die Marke von einer Milliarde Euro in greifbarer Nähe gelegen. Doch stattdessen ging er nun von 986 auf 945 Millionen Euro zurück – minus 4,2 Prozent. Der Absatz schrumpfte sogar noch stärker: 256,5 Millionen Flaschen Sekt, Wein und Spirituosen wurden verkauft, 5,4 Prozent weniger als 2016.

Solides Ergebnis auf hohem Niveau

Rotkäppchen-Mumm-Chef Christof Queisser zeigte sich bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Leipzig trotzdem zufrieden. „Das ist ein solides Ergebnis auf hohem Niveau“, sagte er. „In einem insgesamt leicht rückläufigen Markt haben wir unseren Marktanteil sogar weiter ausgebaut. Rotkäppchen ist weiter die beliebteste Sektmarke in Deutschland. Und das schon seit 15 Jahren.“ Die Rekordzahlen des vorherigen Jahres habe man aber nicht noch einmal überbieten können. „Aber wir schauen auf das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte zurück.“ Zum Gewinn macht das Unternehmen traditionell keine Angaben. Queisser sagte nur: „Wir können zufrieden sein.“

Dabei half auch die jüngste Preiserhöhung. Dadurch spülte jede Flasche mehr Geld in die Kasse. Das sorge am Ende dafür, dass der Umsatz weniger stark schrumpfte als der Absatz. Gespürt haben die Kunde davon wenig: Bei ihnen kam die Preiserhöhung kaum an. Die Hauptmarke Rotkäppchen war im Supermarkt im Schnitt sogar 0,1 Prozent billiger als ein Jahr zuvor, berichtete Finanzgeschäftsführer Frank Albers. Offenbar habe der Handel die Preiserhöhungen selbst getragen und nicht an die Kunden weitergegeben.

Kalender mindert Sektverkauf

Gerade beim Hauptprodukt Sekt gab es aber einen spürbaren Einbruch: 163 Millionen Flaschen wurden abgesetzt, 8,4 Prozent weniger als 2016. Bei der Kernmarke Rotkäppchen lag das Minus sogar bei zehn Prozent auf 113 Millionen Flaschen. Weil aber auch insgesamt weniger Sekt verkauft wurde, blieb der Marktanteil stabil: Rotkäppchen-Sekt legte sogar noch einmal leicht zu, steigerte den Anteil in Deutschland von 39,3 auf 39,9 Prozent. Alle Sektmarken der Gruppe zusammen kamen auf 55,2 Prozent, 0,2 Prozentpunkte weniger als 2016.

Dass den Deutschen 2017 die Lust am Sekt verging, daran gibt Albers vor allem dem Kalender die Schuld: Weil der vierte Advent 2017 auf Heiligabend fiel, war die Adventszeit ungewöhnlich kurz. „Und die Zeit zwischen 1. Advent und Neujahr ist nun mal unsere wichtigste Saison.“ Der Rückgang sei daher zu erwarten gewesen. „Das ist überhaupt kein Grund zur Panik.“ Zudem habe es in den Supermärkten Rotkäppchen seltener im Sonderangebot gegeben. „Das macht bei uns dann schnell mal fünf Millionen Flaschen aus.“

Ruggeri verdoppelt Auslandsabsatz

Zulegen konnte Rotkäppchen dagegen im Ausland: Dank des Zukaufs von Ruggeri in Italien vor einem Jahr verdoppelte sich der Auslandsabsatz auf vier Millionen Flaschen. Da sind aber weiter nur zwei Prozent des Gesamtabsatzes. Angepeilt waren eigentlich fünf Millionen Flaschen. Dank des Zukaufs wuchs auch die Belegschaft: von 636 auf 673 Mitarbeiter. 187 davon arbeiten im Stammwerk in Freyburg, zwei weniger als 2016. In Nordhausen in Thüringen, wo die dortige Kornbrennerei zu Rotkäppchen gehört, waren es 121, sieben weniger als ein Jahr zuvor.

Große Sprünge erwartet Queisser auch im neuen Jahr nicht: „Wir rechnen mit einem stabilen Geschäft.“ Denn auch 2018 werde ein herausforderndes Jahr. Die schlechte Weinernte des vergangenen Jahres sorge derzeit für hohe Preise für Rohwein. „Das wird den Druck auf den Markt erhöhen.“

Frank Johannsen

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