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14:21 10.10.2018
Die Zentrale von Comparex im Norden von Leipzig. Quelle: Comparex
Leipzig

Der Leipziger IT-Dienstleister Comparex bekommt einen neuen Eigentümer: Die Raiffeisen Informatik aus Österreich zieht sich nach knapp zehn Jahren zurück – und verkauft die Leipziger Tochter komplett an den Branchenriesen Software One aus der Schweiz. Der Kaufvertrag sei am Dienstag unterzeichnet worden, teilten die Unternehmen mit.

Vollzogen werden soll die Übernahme im ersten Halbjahr 2019, wenn die Wettbewerbsbehörden grünes Licht gegeben haben. Die Tage von Comparex als eigenständiges Unternehmen mit Zentrale in Leipzig sind dann gezählt: Die Firma soll in Software One aufgehen. Der Hauptsitz ist dann im schweizerischen Stanz.

Standort Leipzig bleibt erhalten

Der Standort Leipzig mit seinen rund 650 Mitarbeitern bleibe aber erhalten, versichert der Käufer. „Der Comparex-Standort in Leipzig wird auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Betreuung unserer internationalen Kunden spielen“, erklärte eine Sprecherin gegenüber der LVZ. Ob die Marke Comparex erhalten bleibt, ließ der Käufer offen. Das sei noch nicht entschieden.

„Wir freuen uns sehr, die Kollegen von Comparex in unserem Unternehmen willkommen zu heißen, um weiterhin die Zukunft unserer Branche mitzugestalten“, sagte Software-One-Vertriebschef Neil Lomax. „Unsere Mitarbeiter sind unser größtes Kapital und unsere oberste Priorität“, betonte Comparex-Chef Thomas Reich. „Eine Überzeugung, die Software One teilt.“

Comparex-Spitze zieht in Schweizer Vorstand ein

Der Österreicher, seit 2009 bei Comparex und seit 2016 Chef in Leipzig, soll nun sogar bei der neuen Mutter in der Schweiz in den Vorstand einziehen, ebenso sein Vertriebschef Marc Betgem. Der zeigte sich begeistert von der neuen Allianz. „Gemeinsam werden wir unser Wachstum beschleunigen“, so Betgem. „Als gemeinsames Unternehmen werden wir Großes erreichen können.“

Comparex ist bisher fast ebenso groß wie die Mutter: Die Schweizer haben weltweit rund 2500 Mitarbeiter, Comparex mit 2450 nur 50 weniger. Denn neben den 650 Mitarbeitern in der Leipziger Zentrale gibt es noch 1800 Kollgen an 80 Standorten in 36 Ländern. Zusammen sind beide Firmen künftig sogar in 150 Ländern vertreten, darunter 88 mit eigener Niederlassung.

Investor KKR als Finanzierer an Bord

Um den Zukauf zu stemmen, hatte sich Software One erst im August einen Finanzinvestor an Bord geholt: KKR aus New York war mit 25 Prozent bei dem bisherigen Familienunternehmen eingestiegen. Das Sagen haben aber weiter die Gründer, versicherte Aufsichtsratschef Daniel von Stockar. Sie halten weiter 75 Prozent.

„Als Privatunternehmen prüfen wir mögliche Übernahmen sehr sorgfältig“, sagte Stockar mit Blick auf den Zukauf. „Zusammen mit unserem Investor KKR haben wir viel Zeit auf die Suche nach dem richtigen Partner verwendet. Wir sind überzeugt, dass Comparex der ideale Partner ist.“ Wie viel die Schweizer für die Leipziger bezahlten, blieb offen. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden.

Firma wurde 1990 als PC-Ware gegründet

Für Comparex ist es schon der zweite Eigentümerwechsel seit der Gründung. Die Firma war 1990 von dem Leipziger Knut Löschke in Leipzig gegründet worden und nach dem Börsengang im Jahr 2000 dann sogar zeitweise zum Star am Neuen Markt aufgestiegen. Ab 2009 hatte Löschke sich aber zurückgezogen, die Firma an Raiffeisen Informatik aus der Österreich verkauft. Die nahm die Firma von der Börse – und änderte den Namen 2011 in Comparex.

Die Zentrale blieb aber in Leipzig, wurde sogar weiter ausgebaut. Seit der Übernahme durch die Österreicher hat sich die Belegschaft in Leipzig mehr als verdoppelt. Erst vor zwei Jahren war auf dem Firmengelände direkt an der Autobahn 14 im Norden von Leipzig ein fünf Millionen Euro teurer Anbau eröffnet worden – mit Platz für 250 Mitarbeiter.

Bereits 2015 hatte es Berichte gegen, Raiffeisen suche nach einem Käufer für Comparex. Damals war von einem angestrebten Erlös von 350 Millionen Euro die Rede. Aus dem Verkauf wurde aber am Ende nichts. Comparex gilt als fünftgrößtes konzernunabhängiges Systemhaus in Deutschland. Die Leipziger verdienen ihr Geld vor allem mit Software, die sie für Firmenkunden beschaffen, installieren und warten.

Von Frank Johannsen

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