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Coswiger Küchenbauer Pino findet Investor – Marktführer Nobilia steigt ein

Rettung aus Insolvenz Coswiger Küchenbauer Pino findet Investor – Marktführer Nobilia steigt ein

Im Juli hatte der Küchenbauer Alno seine Tochter Pino aus dem anhaltischen Coswig mit in die Insolvenz gerissen. Jetzt gibt es einen Retter für das Werk – und das ist offenbar der Marktführer Nobilia. Der will Standort, Marke und alle 225 Mitarbeiter übernehmen.

Die Produktion in Coswig soll nach der Übernahme des Standorts nun zügig wieder hochgefahren werden.

Quelle: dpa

Coswig/Pullendorf. Die 225 Mitarbeiter beim Küchenbauer Pino in Coswig (Landkreis Wittenberg) können aufatmen: Knapp drei Monate nach der Pleite der Mutter Alno hat der Insolvenzverwalter einen neuen Eigner für den Standort in Sachsen-Anhalt gefunden: Das Werk kann offenbar bei Marktführer Nobilia aus Verl in Westfalen unterschlüpfen. Alle 225 Jobs am Standort sollen erhalten bleiben.

Der Gläubigerausschuss habe dem Verlauf am Sonntag zugestimmt, teilte Alno mit. Insolvenzverwalter Martin Hörmann, der sowohl für Alno als auch für Pino zuständig ist, will das Angebot nun kurzfristig annehmen, bestätigte sein Sprecher auf Nachfrage. Der Investor wolle den Geschäftsbetrieb, die Marke Pino und alle Mitarbeiter übernehmen – und zwar rückwirkend zum 1. Oktober. Zuvor müsse aber noch das Bundeskartellamt zustimmen. Das gilt aber als reine Formsache.

Den Namen des Käufers wollte Hörmann noch nicht nennen. Das in Bielefeld erscheinende „Westfalen-Blatt“ berichtet aber, dass es sich dabei um Marktführer Nobilia aus dem westfälischen Verl handelt. Der bekäme dank der Übernahme seinen ersten Standort in den neuen Bundesländern. Bisher produziert Nobilia seine Küchen in zwei Werken am Sitz in Verl. Der 1945 gegründete Konzern hat bisher insgesamt 3000 Mitarbeiter und kam zuletzt auf gut eine Milliarde Euro Umsatz.

Mitarbeiter werden auf Betriebsversammlung informiert

Laut„Westfalen-Blatt“ sollen die Mitarbeiter an diesem Mittwoch in einer Betriebsversammlung über den Verkauf informiert werden. Der Schritt kommt für sie gerade noch rechtzeitig: Ende September war für sie das Insolvenzgeld, das die Arbeitsagentur drei Monate lange gezahlt hatte, ausgelaufen. Ab Oktober muss das Unternehmen die Löhne wieder selbst erwirtschaften. Dank des Verkaufs geht es jetzt nahtlos weiter.

Die Produktion soll nun zügig wieder hochgefahren werden. Insolvenzverwalter Hörmann hatte sie Mitte September gestoppt, weil nicht mehr genug Geld hereinkam, um das laufende Geschäft zu finanzieren. Seither ruht in Coswig der Betrieb. Bis 30. September hatten die 225 Mitarbeiter aber weiter Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur erhalten.

Notkredit sicher Übergangsfinanzierung

Ab Oktober muss das Unternehmen sie nun wieder selbst bezahlen. Um die Mitarbeiter nicht sofort nach Hause schicken zu müssen, hat sich der Insolvenzverwalter in letzter Minute noch eine Übergangsfinanzierung gesichert: Von der britischen Investmentgesellschaft Riverrock hatte er vergangene Woche einen Notkredit von sechs Millionen Euro erhalten. Das reicht laut „Westfalen-Blatt“ bis Ende Oktober. Mit dem Geld will Hörmann nun auch an den anderen Alno-Standorten, für die er noch nach Käufern sucht, die Produktion wieder hochfahren.

Alno hatte im Juli Insolvenz angemeldet, die Tochter Pino folgte zwei Wochen später. Ein Versuch, beide Unternehmen in Eigenregie zu sanieren, scheiterte Ende August. Die Marke Pino hatte Alno 1994 gegründet und in Sachsen-Anhalt direkt an der Autobahn 9 ein neues Werk aufgebaut. Dort fertigt Pino seither Küchen im Niedrigpreissegment, die vor allem in Baumärkten angeboten werden. Alno selbst ist dagegen auf Edelküchen spezialisiert, die Tochter Wellmann bedient das mittlere Segment.

Anders als Alno galt die Tochter Pino bis zuletzt als profitabel. Zudem wird Nobilia die Firma nun komplett entschuldet übernehmen: Der Verkauf erfolgt im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Die Schulden bleiben damit beim Insolvenzverwalter.

Von Frank Johannsen

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