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Wirtschaft Regional EEX schrumpft sich an die Weltspitze
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19:52 25.04.2018
EEX-Chef Peter Reitz freut sich über den Aufstieg zur weltgrößten Strombörse. Quelle: Foto: dpa
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Leipzig

Für die Leipziger Strombörse EEX hätte es eigentlich ein Tag zum Jubeln werden sollen: „Wir sind 2017 erstmals die größte Strombörse der Welt gewesen“, verkündete EEX-Chef Peter Reitz am Mittwoch stolz in Leipzig. Zugleich musste er aber einräumen: Erstmals seit 2012 hat die EEX nicht weiter zugelegt. Handelsvolumen, Umsatz und Gewinn gingen zurück. Vor allem der Strommarkt schmolz zusammen.

Die Delle will Reitz in diesem Jahr wieder ausgleichen. „Unser langfristiger Wachstumspfad ist ungebrochen. Wir erwarten, dass 2018 sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn wieder ein Rekordjahr wird und dass wir die Rückgänge mehr als ausgleichen können.“ Die ersten drei Monate seien bereits gut gelaufen.

Aufstieg an die Weltspitze bei zugleich wegbrechendem Stromhandel? Was paradox klingt, hat einen einfachen Hintergrund: Anderen Strombörsen ging es nicht besser, weltweit gingen die Handelsvolumen zurück. Dank des Zukaufs der US-Strombörse Nodal schaffte die EEX so den Sprung auf Platz 1.

EEX belegt inzwischen sieben Etage im City-Hochhaus

Das sorgte auch für neue Jobs: Zusätzlich zu den 50 neuen Kollegen bei der Nodal gab es auch an den bisher 15 EEX-Standorten weltweit 50 neue Stellen, davon 23 in der Zentrale in Leipzig. 233 Mitarbeiter sind nun im Leipziger City-Hochhaus am Augustusplatz beschäftigt, wo die EEX inzwischen sieben Etagen belegt. Es sollen noch mehr werden „Wir wachsen weiter und brauchen dazu auch mehr Mitarbeiter – auch in Leipzig“, sagte Finanzchefin Iris Weidinger.

Insgesamt 4,2 Milliarden Kilowattstunden Strom wurden 2017 an den Handelsplätzen der EEX gehandelt. Das waren sechs Prozent weniger als im Rekordjahr 2016. Und fast 400 Millionen Kilowattstunden steuerte 2017 schon die neue US-Tochter Nodal bei, die seit Mai zur EEX gehört. Ohne den Zukauf hätte das Minus sogar bei 15 Prozent gelegen.

Die Schuld gab Reitz zwei Entwicklungen in Frankreich und Deutschland, die die EEX fast zeitgleich trafen: Erst schickte Frankreich ein Drittel seiner Atomkraftwerke in die Zwangspause, wenig später kam die Ankündigung, dass Deutschland und Österreich ihren gemeinsamen Strommarkt auflösen. Das ließ den Terminhandel mit Strom in beiden Ländern wegbrechen. Vor allem Finanzinvestoren, die bisher an der Börse auf den Strompreis spekulierten, zogen sich zurück.

Überweisung an Stadtkasse fällt kleiner aus

„Das hat uns 2017 auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte Weidinger. Denn der Stromhandel ist mit 58 Prozent weiter das mit Abstand bedeutendste Geschäftsfeld, und Deutschland und Frankreich sind hier zwei der wichtigsten Märkte für die EEX. Die Folge: Im Stromgeschäft brach der weltweite Umsatz um elf Prozent auf 136,7 Millionen Euro ein.

Alle anderen Bereiche legten hingegen zu: Das Gasgeschäft, das inzwischen 17 Prozent zum Umsatz beisteuert, wuchs um 15 Prozent; der Emissionshandel sogar um 53 Prozent. Im noch jungen Geschäft mit Agrarprodukten wie Milch und Butter ging es um 17 Prozent nach oben. Das konnte das Minus beim Strom zum großen Teil ausgleichen. Insgesamt sank der Umsatz nur noch um vier Prozent auf 225,3 Millionen Euro. Das schlug auf den Gewinn durch: Er sank um fast 7 Prozent auf 53,9 Millionen Euro.

Den Rückgang wird nun auch die Leipziger Stadtkasse zu spüren bekommen: 7,8 Millionen Euro Gewerbesteuer will Finanzchefin Weidinger für 2017 ans Neue Rathaus überwiesen. 2016 waren es noch zwei Millionen Euro mehr gewesen. Konstant bleibt dagegen die Dividende, von der auch die Stadt Leipzig profitiert: Weil sie über den Stadtkonzern LVV knapp fünf Prozent an der EEX hält, erhält sie 800 000 Euro ausgeschüttet. Das ist genauso viel wie vor einem Jahr.

Von Frank Johannsen

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