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Wirtschaft Regional Erst die Kinder, dann die Rolle als Firmenchef - Leipziger berichten von ihren Erfahrungen
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23:59 30.11.2014

Die Kreativen

Nach der Geburt ihres Sohns Mio 2009 war Katharina Biehl enttäuscht. Enttäuscht von der Auswahl an Kleidern für ihren kleinen Schatz. "Die meisten Sachen waren mir zu sehr klischeebehaftet: Jungs tragen blau, Mädchen rosa", erzählt die 28-Jährige. Also begann sie, neben dem Studium ihre eigene Kinderkleidung zu entwerfen. Mit der Zeit wurde aus der Notlösung eine Leidenschaft und letztendlich ein funktionierendes Geschäftsmodell. Unter dem Label "Fux and Friends" vertreibt die inzwischen zweifache Mutter ihre Kreationen über das Internet, befreundete Läden sowie auf Märkten und Messen. "Das Handwerk habe ich mir ganz allein beigebracht", erklärt die einstige Studentin der Wirtschaftsmathematik in ihrer Schneiderei. Hier stapeln sich die Stoffbahnen bis zur Decke.

"Wir verwenden nur ökologisch zertifizierte Stoffe, die fair gehandelt wurden", betont die Connewitzerin. Als die Nachfrage immer größer wurde, stieg auch ihr Mann Sascha (29) in die Firma ein. Der gelernte Mediengestalter kümmert sich vorrangig um die Onlineauftritte und das Marketing der Kollektion. "Obwohl es für uns beide ein Full-Time-Job ohne freies Wochenende ist, schätzen wir die flexiblen Arbeitszeiten als Unternehmer. So fährt immer nur einer von uns auf Märkte, der andere betreut die Kinder", sieht Katharina Biehl vor allem die Vorteile ihrer Selbstständigkeit.

Die Macherin

Vier Kinder und ein eigener Laden. Genau so sieht für Carola Klyne ein erfülltes Leben aus. "Seit ich beruflich auf eigenen Füßen stehe, fühle ich mich endlich angekommen", sagt die alleinerziehende Mutter in ihrem Second-hand-Laden für Kinderkleidung "Kids2.Wear". Schon kurz nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter Flora vor fünf Jahren stand für die Gohliserin fest: "Ich will unbedingt wieder arbeiten." Als dann ein Geschäft für Kleider aus zweiter Hand in ihrer Nachbarschaft schloss, fasste sie den Entschluss, ihren eigenen Laden zu eröffnen.

"Von der Idee bis zur Einweihung hat es nur sechs Wochen gedauert", erinnert sich die taffe Unternehmerin. Inzwischen beschäftigt sie zwei Angestellte, um den Arbeitsaufwand zu bewältigen. Den Laden mit den Kindern Flora (5), Anna (9), Moritz (9) und Jonas (14) unter einen Hut zu bringen, klappt nur mit einer straffen Organisation. "Meine Kinder sind für ihr Alter bereits sehr selbstständig und passen oft gegenseitig auf sich auf." Wühltische und Kleiderboxen suchen Kunden in der Prellerstraße 32 vergebens. Alles hat seinen festen Platz und wird wie im Fachhandel präsentiert. "Ob ich den Laden bis zu meiner Rente führe, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber mein eigener Chef bleibe ich auf jeden Fall", verkündet die 44-Jährige. Dann widmet sie sich auch schon der nächsten Kundin, die mit einem großen Karton das Geschäft betritt.

Der Ratgeber

Ein Fachgeschäft für ökologische Bekleidung, Kindertragesysteme und Stoffwindeln, danach suchte Kai Schaffran als junger Vater vergebens. "Als meine Töchter klein waren, gab es solche Dinge nur online. Die Vor- und Nachteile der Produkte recherchierte ich mühsam selbst", erzählt der 38-Jährige. Also nahm er die Sache selbst in die Hand. Der Kfz-Ingenieur hing seinen sicheren Job beim Tüv an den Nagel und eröffnete 2009 in der Südvorstadt das "LeLo Karli 123".

Anfang des Jahres kam in der Karl-Heine-Straße 40 Filiale Nummer zwei hinzu. "Bei uns können Eltern die Produkte vor dem Kauf in Ruhe begutachten und ausprobieren. Auch beraten wir gern ausführlich und sind sehr an den Erfahrungen der Kunden interessiert", beschreibt Schaffran seine Geschäftsphilosophie. Für sein jüngstes Projekt wurde der Unternehmer zum "Zwergperten". Unter dieser Marke führt er mit Geschäftspartnerin Laura Streibert eine Online-Plattform sowie ein Franchise-Netzwerk. "Als 'Zwergperten' informieren wir über die Vorzüge von rückwärtsgerichteten Autokindersitzen, sogenannten Reboardern. In ihnen sind die Knirpse bis zum vierten Lebensjahr bei Unfällen besser geschützt, als in den klassischen Modellen. Das belegen auch unabhängige Tests", erläutert Schaffran. Trotz regelmäßiger 70-Stunden-Wochen ist sich der dreifache Vater sicher: "Ich würde es bereuen, diesen Schritt nicht getan zu haben."

Lachmann, Filip

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