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13:35 04.12.2018
Blick in den sogenannten "Remote Tower" für die Steuerung des Flughafens Saarbrücken von Leipzig aus. Quelle: Deutsche Flugsicherung
Leipzig

Der Flughafen Saarbrücken wird als erster internationaler Flughafen in Deutschland nicht mehr vom örtlichen Tower aus überwacht. Fluglotsen in Leipzig geben seit Dienstag die Anweisungen für Starts und Landungen an dem Flughafen im Saarland, wie ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) sagte. Ein Regionalflugzeug vom Typ Bombardier DHC 8-400 aus Luxemburg war das erste Flugzeug, dessen Landung ferngesteuert abgewickelt wurde. Es setzte am Dienstag um 6.51 Uhr auf der Landebahn in Saarbrücken auf. Ein weiteres Regionalflugzeug war um 6.53 Uhr die erste Maschine, die ihre Startfreigabe aus Leipzig erhielt.

Die Lotsen nutzen dazu Video- und Infrarotkameras im rund 440 Kilometer entfernten Saarbrücken. Bei der Sicherheit gibt es nach DFS-Angaben keine Abstriche. Die Infrarottechnik gewähre den Lotsen nachts oder bei Nebel sogar bessere Sicht. Das System könne Bewegungen außerdem automatisch erkennen und verfolgen. Die Fernsteuerung erfolge über mehrfach gesicherte Systeme, erklärte DFS-Sprecher Stefan Jaekel gegenüber LVZ.de. Auch die Kamera- und Überwachungssysteme vor Ort seien redundant ausgelegt, so dass beim Ausfall eines Systems ein anderes einspringen könne.

Der Flughafen Saarbrücken zählte im vergangenen Jahr rund 400.000 Passagiere bei knapp 11.000 Starts und Landungen. Nach Angaben der DFS ist es der weltweit größte Flughafen, der im täglichen Betrieb fernüberwacht wird. „Für kleinere Flughäfen ist das die Zukunft“, sagte ein DFS-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die Flugsicherung erwartet, dass sie durch das System ihr Personal effizienter und flexibler einsetzen kann. Das soll Kosten senken und die Produktivität erhöhen.

Gewerkschaft warnt vor Überlastung der Fluglotsen

Die Gewerkschaft der Fluglotsen befürchtet eine steigende Belastung der Lotsen. Gegenüber LVZ.de hieß es, durch die Qualifikation für mehrere Flughäfen steige das zu erwerbende und erhaltende Wissen. „Das kann man nicht unendlich erweitern.“ Die Gewerkschaft warnt vor einer möglichen Überlastung der Fluglotsen, sollte ein Mitarbeiter mehrere Tower steuern.

Leipzig soll auch Erfurt und Dresden übernehmen

Im nächsten Jahr soll Erfurt angeschlossen werden, dann Dresden. Dann würden die drei kleinsten internationalen Flughäfen Deutschlands ferngesteuert. Nach DFS-Sprecher Jaekel ist das langfristige Ziel, dass die Fluglotsen in Leipzig die Steuerung verschiedener Flughäfen flexibel übernehmen könnten. Für die Mitarbeiter bedeute dies, dass sie eine zusätzliche Qualifizierung für die weiteren Flughäfen erwerben müssten. Diese nehme etwa drei Monate in Anspruch.

Fluglotsen aus Erfurt und Dresden wurden bereits in die Testphase der Systeme für den Saarbrücker Flughafen mit einbezogen. Laut Sprecher Jaekel soll der Probebetrieb für den Flughafen Erfurt im ersten Quartal 2019 beginnen. Saarbrücken und die thüringische Landeshauptstadt seien mit rund 15.000 Flugbewegungen – täglich circa 40 – etwa vergleichbar. Im Anschluss daran solle das Fernsteuerungssystem evaluiert werden, bevor es auch am doppelt so betriebsamen Flughafen Dresden zum Einsatz komme Für die sächsische Metropole gebe es aber noch keinen Zeitplan. Zum Vergleich: Leipzig verzeichnete 2017 knapp 70.000 Flugbewegungen.

Vier Jahre Vorbereitung

Der Start des Konzepts „Remote Tower Control“ war lange vorbereitet worden, die Kameratests begannen vor vier Jahren. Im Tower in Saarbrücken bleibt nach DFS-Angaben noch vier Wochen ein Lotse, um bei Problemen mit dem neuen System einzugreifen. Dann bleibe die Kanzel leer. Zehn Saarbrücker Lotsen seien nach Leipzig gewechselt, zwei in die Altersteilzeit.

Das Bundesunternehmen Deutsche Flugsicherung hat das System mit dem österreichischen Technikanbieter Frequentis AG entwickelt. Ihr Gemeinschaftsunternehmen Frequentis DFS Aerosense soll die Fernsteuerung weltweit vermarkten.

dpa/Johannes Angermann

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