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Flugzeug-Zulieferer Cotesa holt Investor aus China an Bord

Neuer Mehrheits-Gesellschafter in Mittweida Flugzeug-Zulieferer Cotesa holt Investor aus China an Bord

Der Flugzeug-Zulieferer Cotesa holt sich einen neuen Investor an Bord: AT&M aus China. Der soll sogar die Mehrheit übernehmen, kündigte Cotesa-Chef Jörg Hüsken an. Von der Allianz sollen auch die Standorte Mittweida und Mochau bei Döbeln profitieren.

Cotesa-Gründer Jörg Hüsken im Werk in Mochau bei Döbeln.

Quelle: Sven Bartsch

Mittweida. Vor knapp drei Monaten war sein Unternehmen plötzlich überregional ins Rampenlicht gerückt: In Berlin wurde verkündet, dass Coseta aus Mittweida künftig auch Teile an Boeing liefert – und zwar für den US-Militärhubschrauber CH-47F Chinook. Damit, so Firmenchef Jörg Hüsken damals stolz, werde man endlich Teil des Zuliefernetzwerks von Boeing. Denn bisher hatte die Firma nur für den europäischen Konkurrenten Airbus gearbeitet.

Jetzt holt sich der Mittelständler aus Mittelsachsen einen neuen Investor an Bord – und der kommt ausgerechnet aus China. Die Pekinger Hightech-Schmiede AT&M steigt ein – und soll sogar die Mehrheit übernehmen. Sorgen, das könnte Probleme beim neuen Kunden Boeing aus den USA geben, macht sich Hüsken aber nicht. „Das haben wir vorher mit denen besprochen. Und wir haben eine klare Zusicherung von ­Boeing: Es gibt keine Absicht die Zusammenarbeit zu beenden.“

Bisher halten Hüsken und sein Partner Udo Berthold aus Dresden noch selbst die Mehrheit am Unternehmen – wenn auch nur knapp. Einen Teil der Anteile wollen sie nun an den neuen Investor aus dem Reich der Mitte abgeben, mit dem Erlös dann vor allem Schulden tilgen. Anschließend soll es noch eine massive Kapitalerhöhung geben, um frisches Geld ins Unternehmen zu holen. Damit will das Unternehme dann auf Wachstumskurs gehen – und in China sein erstes Werk im Ausland errichten.

Gründer bleiben an Bord

Das Bundeskartellamt hat dem Einstieg der Chinesen am Montag bereits zugestimmt. Sorgen, der neue Eigner könnte ihnen künftig zu sehr reinregieren, macht sich Hüsken nicht. „Herr Berthold und ich bleiben als geschäftsführende Gesellschafter an Bord“, verspricht er. Und zusammen werde man auch weiter eine Kontrollminorität von „reichlich
25 Prozent“ halten.

Den neuen Mehrheitseigner haben sich Hüsken und Berthold selbst ausgewählt. Ein Jahr lang hatten die beiden gezielt nach einem Investor Ausschau gehalten. „Wir haben mit mehreren Investoren verhandelt“, so Hüsken. „Die meisten sagten gleich zur Begrüßung: Als erstes tauschen wir hier das Türschild aus“, erinnert er sich. Cotesa sollte nur eine verlängerte Werkbank werden. Doch genau das wollte der stolze Firmengründer verhindern. Mit den „Jungs aus China“, wie Hüsken seine neuen Chefs nennt, gebe es hier keinerlei Pro-
bleme. „Die hatten einfach das überzeugendste Konzept.“

Es ist schon das dritte Mal, dass Cotesa sich einen neuen Geldgeber sucht. Beim ersten Mal stieg 2007 ein Existenzgründerfonds der damaligen Sachsen LB ein. Fünf Jahre später wollte dann die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bei der die Sachsen LB inzwischen gelandet war, aussteigen – und fand drei Finanzinvestoren als neue Gesellschafter. „Die steigen jetzt alle drei aus“, erzählt Hüsken. Stattdessen komme erstmals ein strategischer Investor an Bord, der Cotesa nicht nur als reine Geldanlage sehe.

Neues Werk in China geplant

Mit dem neuen Geldgeber im Rücken wollen sich Hüsken und Berthold jetzt darum kümmern, das eigentliche Geschäft voranzutreiben. „Wir wollen jetzt in Ruhe Gas geben – und die Finanzierung anderen überlassen“, sagt Hüsken. Mit dem Erlös aus der geplanten Kapitalerhöhung will er nun eine Fabrik in China bauen. Von dort aus will er dann – zusammen mit dem neuen Investor – den chinesischen Markt erobern „Das ist für uns eine riesige Chance. China ist der Markt, der mit Sicherheit am schnellsten wachsen wird.“ Dank des neuen Investors bekomme Cotesa hier jetzt einen Fuß in die Tür. „Wir werden zum international agierenden Unternehmen.“

Der Aufbau des Werks in China soll schon im kommenden Jahr beginnen. „Bis dort alles fertig ist, wird es aber drei, vier Jahre dauern“, sagt der Cotesa-Chef. Die dortige Produktion soll nicht nur nach China gehen – aber doch vor allem nach Asien. Ein Export nach Europa rechne sich wegen der Transportkosten schlicht nicht.

Vor allem will Cotesa von China aus dann am geplanten russisch-chinesischen Großraumflugzeug Craic C929 mitarbeiten. Das soll 2020 erstmals abheben – und dann Airbus und Boeing Konkurrenz machen. „Da können wir zum ersten Mal von Anfang an dabei sein“, freut sich Hüsken. Zwar liefert Cotesa schon seit Jahren Leichtbauteile aus Kohlefaser an Airbus und künftig auch an Boeing. Doch bisher war das Unternehmen stets erst nachträglich bei einer laufenden Modellpflege an Bord gekommen. In China könne man jetzt gleich von Anfang an mitentwickeln, freut sich Hüsken.

Eine Gefahr für die deutschen Standorte in Mittweida (knapp 600 Mitarbeiter) und Mochau bei Döbeln (seit 2015, gut 120 Mitarbeiter) sieht der Chef nicht – im Gegenteil. „Wir erwarten massives Wachstum. Ich bin optimistisch, dass wir dadurch zusätzliche Aufträge erhalten“, erklärt Hüsken. „Das in China ist alles Zusatzgeschäft. Und ich bin mir sicher, dass wir dadurch auch in Deutschland überproportional wachsen werden.“ Schließlich übernehme Entwicklung und alle Vorleistungen auch für China künftig die Zentrale in Sachsen. „Wir beschäftigen schon 60 Ingenieure. Das werden wir künftig sicher stark ausbauen.“

Von Frank Johannsen

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