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Fresenius investiert in Leipzig: "Korsett für Ärzte wird enger"

Fresenius investiert in Leipzig: "Korsett für Ärzte wird enger"

Der Gesundheitskonzern Fresenius kauft 43 Rhön-Kliniken: Den Leipziger Mediziner Thomas Lipp, zugleich Sachsens Vorsitzender der Ärztevereinigung Hartmannbund, gruselt diese Entwicklung.

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Thomas Lipp ist Sachsens Vorsitzender des Hartmannbundes.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Gleichzeitig wird auch das Korsett für uns Ärzte enger", so Lipp. "Was 2012 mit einer Komplettübernahme der Rhön-Kette durch den Gesundheitskonzern Fresenius scheiterte, scheint mit dem Kauf von 43 Rhön-Kliniken - darunter Herzzentrum und Park-Krankenhaus Leipzig - nun umgesetzt zu werden: Ein Krankenhausgigant entsteht."

Dem Leipziger Mediziner Thomas Lipp, zugleich Sachsens Vorsitzender der Ärztevereinigung Hartmannbund, gruselt diese Entwicklung, die auch - wie berichtet - durch die Klage eines Rhön-Großaktionärs nicht aufhaltbar scheint.

"Die Fresenius-Tochter Helios würde nach der Übernahme mit 117 Kliniken und einem 5,5-Milliarden-Euro-Umsatz der größte Klinikbetreiber in Europa", verdeutlicht Lipp nochmals. In Deutschland könne die Kette damit als erster Konzern ein flächendeckendes Kliniknetz betreiben - die Einführung einer privaten, klinikgebundenen Zusatzversicherung rücke dann in greifbare Nähe.

"Ich betrachte das alles als Arzt und Bürger mit großer Sorge. In den letzten Jahren ist für uns alle, für Versicherte, Politiker und im Gesundheitswesen Tätige immer deutlicher geworden, welche Risiken ein Gesundheitsmarkt birgt, der die Versorgung von Kranken immer stärker ökonomischen Interessen unterwirft. Als extreme Auswüchse sei nur einmal auf den Missbrauch in der Transplantationsmedizin verwiesen. Der Grundgedanke des Marktes, der vieles regelt, hat wohl Vorteile gegenüber einer Planwirtschaft. Er stößt aber da an Grenzen, wo die Solidarität und die Heilung einzelner, kranker Individuen im Vordergrund stehen", so Lipp. Wenn Ökonomie, Rendite und Gewinne zum alleinigen Maßstab dafür würden, welche Behandlung sich lohnt und was Erfolg verspricht, seien die Grundsätze humaner, medizinischer Versorgung in Gefahr.

"Gleichzeitig wird auch das Korsett für uns Ärzte enger. Die Unterwerfung der Medizin unter die Ökonomie beschneidet die Freiheit unseres Berufes. Zu erwarten bleibt letztlich die Verpflichtung der Mitarbeiter innerhalb des Konzerns, auf firmeneigene Medikamente und Medizinprodukte zurückzugreifen", befürchtet Lipp. "Es werden wirtschaftlich gewollte Abhängigkeiten bei der Versorgung von Kranken geschaffen, die am Ende Verwerfungen wie oben benannt fördern."

Nach Ansicht des sächsischen Hartmannbund-Chefs erlange selbst unterm Aspekt einer Steuerung über die Gesetze des Marktes "ein übergroßer Gesundheitskonzern quasi eine staatsoligopole Position mit fatalen Auswirkungen": "Die Aufrechterhaltung von Trägervielfalt, Wettbewerb und Konkurrenzsituation ist annähernd ausgeschlossen", so Lipp. Dabei liege Deutschland bei der stationären Versorgung keinesfalls auf einem europäischen Spitzenplatz, weise zig strukturelle Mängel auf. Einer davon sei eine zu hohe Bettenzahl, eine zu kleinteilige Krankenhausstruktur. "Ein Anpassen an internationale Erfordernisse einer modernen Medizin sind zwingend geboten. Die Vorgaben der Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine gute, auch durch ökonomisches Denken geprägte Medizin gehört aber vorrangig in ärztliche Verantwortung", so Lipp.

Derzeit prüft das Kartellamt die geplante Übernahme. "Wir fordern die Politiker auf, dieser Fehlentwicklung entgegenzusteuern", appelliert Lipp.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.12.2013

Angelika Raulien

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