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Wirtschaft Regional Halberg Guss rückt von Werks-Schließung in Leipzig ab
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Halberg Guss rückt von Werks-Schließung in Leipzig ab
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21:04 22.08.2018
Für das Werk von Halberg Guss in Leipzig gibt es neue Hoffnung. Quelle: Andreas Döring
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Frankfurt am Main/Leipzig

Das hatten sich die 700 Halberger in Leipzig in ihren kühnsten Träumen kaum auszumalen gewagt: Sechs Wochen lang hatten sie ihre vor der Schließung stehende Gießerei bestreikt, um wenigstens ordentliche Abfindungen durchzusetzen. Jetzt könnte sogar die Schließung selbst vom Tisch sein: Halberg Guss teilte am Mittwoch nach einer erneuten Schlichtungsrunde mit der IG Metall überraschend mit: „Die Schlichtung arbeitet an Fortführungs- und Zukunftskonzepten für beide Standorte.“ Damit bliebe neben Saarbrücken auch der Standort in Leipzig erhalten.

Die IG Metall bestätigte „das Ausloten möglicher Fortführungs- und Zukunftskonzepte mit dem Ziel, beide Standorte erhalten zu können“. Beschlossen ist aber noch nichts. „Die Rahmenbedingungen der Schlichtungsverhandlung müssten noch klarer werden.“ Darüber soll in den nächsten Tagen weiter verhandelt werden. Der seit Ende Juli unterbrochene Streik in Leipzig und Saarbrücken bleibe so lange ausgesetzt.

Kehrtwende nach 90 Minuten Beratung

Nur 90 Minuten hatte die Beratung gestern in Frankfurt am Main gedauert. Es war bereits die fünfte Sondierungsrunde, und anders als bei den vorigen Terminen waren beide Seiten nicht schon früh, sondern erst am Nachmittag um 15.30 Uhr zusammengekommen. Wann genau die Sondierung, die am Mittwoch erneut vertagt wurde, weitergeht, ließen die Beteiligten offen. Weitere Angaben wollten beide Seiten auf Nachfrage nicht machen.

Für Halberg Guss ist die Ankündigung, nun doch eine Fortführung des Leipziger Werks zu prüfen, eine komplette Kehrtwende. Noch Anfang Juli hatte Halberg-Guss-Chef Alexander Gerstung im Interview gepoltert: „Die Werksschließung Ende 2019 ist in Stein gemeißelt.“ Davon ist jetzt keine Rede mehr. Ob der Standort am Ende aber wirklich erhalten bleibt, ist aber noch völlig offen – und auch, ob alle 700 Mitarbeiter an Bord bleiben.

Druck von eigenen Kunden

Bewegung in den festgefahrenen Streit hat offenbar der Schlichter Lothar Jordan gebracht. Die IG Metall hatte den früheren Arbeitsrichter aus Mannheim Ende Juli ins Spiel gebracht, um in dem Streit zu vermitteln. Im Gegenzug wurde der Dauerstreik in Leipzig und Saarbrücken nach sechs Wochen ausgesetzt. Jordan soll in der Schlichtung dann auch unkonventionelle Lösungen ins Spiel gebracht haben – und sich nicht nur auf den eigentlichen Streit um Abfindungen und Transfergesellschaften beschränkt haben. Der Schlichter denke „in alle Richtungen“, auch „über unorthodoxe Lösungsansätze“ nach, sagte Halberg-Guss-Chef Gerstung bereits kurz nach dem Start der Gespräche.

Zudem gab es wohl auch zunehmend Druck von eigenen Kunden: Vor zwei Wochen hatten sie gedroht, bei einem erneuten Streik in Leipzig und Saarbrücken ihre Maschinen abzuholen und die Motorblöcke anderswo gießen zu lassen. Während des Ausstands im Juli hatte der Motorbauer Deutz sogar per Zeitungsanzeige an beide Seiten appelliert, den Konflikt endlich beizulegen. Die Kölner hatten wegen des fehlenden Nachschubs aus Leipzig und Saarbrücken bereits ihre Produktion gedrosselt, Opel das Werk in Eisenach sogar ganz gestoppt.

Zulieferstreit war eskaliert

Bereits nach dem vierten Treffen vor anderthalb Wochen hatte die IG Metall in dem bis dahin verhärteten Streit von „sich ändernden Rahmenbedingungen“ gesprochen. Gleichzeitig hatte Halberg Guss die „stabile Verhandlungssituation“ gelobt. Damit hatten beide Seiten verbal bereits kräftig abgerüstet. Noch zwei Tage zuvor hatte die IG Metall mit einem Wiederaufflammen des gerade erst ausgesetzten Streiks gedroht.

Hintergrund ist der Zulieferstreit zwischen dem neuen Halberg-Guss-Eigner Prevent und Volkswagen, die seit Jahren miteinander im Clinch liegen. Nachdem Prevent im Januar bei Halberg Guss eingestiegen war, droht VW, bisher Hauptabnehmer der Motorblöcke, als Kunde  abzuspringen. Wegen der wegbrechenden Aufträge kündigte Halberg Guss dann Anfang Juni an, das Leipziger Werk Ende 2019 zu schließen und in Saarbrücken 300 der 1500 Stellen zu streichen.

Von Frank Johannsen

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