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Wirtschaft Regional IG Metall bei Betriebsratswahlen bei Porsche und BMW vorn
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00:31 24.03.2018
Airbus-Mitarbeiter stehen am 29.04.2016 in Hamburg in Hamburg während eines Warnstreiks vor dem Werk in Finkenwerder und halten dabei eine IG Metall-Fahne, an der ein Modellflugzeug befestigt ist. Die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die 140000 Beschäftigten der Metall- und Elektronindustrie ist am Vortag ohne Ergebnis zu Ende gegangen - die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa (zu dpa «3000 Arbeiter gehen in den Metaller-Warnstreik» vom 29.04.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Leipzig

Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa zeigt sich selbstbewusst. Trotz neuer Konkurrenz von rechts hat seine Gewerkschaft die Betriebsratswahlen bei BMW und Porsche in Leipzig klar gewonnen. In beiden Werken lag die Liste der Gewerkschaft vorn – sogar mit deutlichem Abstand. „Die IG Metall geht eindeutig gestärkt aus der Wahl hervor.“

In beiden Werke zieht aber auch das rechte „Zentrum Automobil“ in die Arbeitnehmervertretung ein. Bei Porsche blieb dessen Leipziger Ableger „Interessengemeinschaft Beruf und Familie“ (IG BuF) aber im einstelligen Bereich: Sechs Prozent der Stimmen reichten am Ende für zwei der 31 Sitze. Bei BMW, wo die Interessengemeinschaft seit Monaten zur Wahl trommelte, waren es dagegen zwölf Prozent – und vier der dort 35 Sitze.

Deutlich besser schnitt die IG Metall ab: Bei Porsche, wo insgesamt sechs Listen unter Namen wie „Gemeinsam erfolgreich“ und „Wir für Euch“ um Stimmen buhlten, konnte sie ihr Ergebnis gegenüber 2014 deutlich verbessern – und den ersten Platz zurückerobern. Die offizielle Gewerkschaftsliste kam auf 43 Pro­zent. Vor vier Jahren hatte sie nur knapp ein Drittel der Stimmen erhalten und landete nur auf Platz zwei – hinter einer Abspaltung unabhängiger IG-Metaller.

Schon damals waren bei Porsche vier Listen angetreten. Dabei handelte es sich aber durchweg um IG-Metaller, die jedoch lieber auf unabhängigen Listen antreten wollten, hieß es. Das war jetzt bei den meisten der Konkurrenzlisten nicht anders. Am Ende, so resümierte in Stuttgart Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück, seien 31 der 33 Leipziger Betriebsräte in der Gewerkschaft.

IG Metall holt bei BMW 76,5 Prozent

Bei BMW dagegen gab es erstmals eine Listenwahl – und bei der lag die IG Metall mit 76,5 Prozent mit großem Abstand vorn. Vor vier Jahren hatte es dort – wie in den meisten anderen Betrieben üblich – eine reine Personenwahl gegeben. Jetzt gab es sogar drei Listen: Neben der IG Metall und IG BuF trat auch hier eine Liste unabhängiger Metaller an – unter dem Namen „Gemeinsam aktiv“. Sie holte am Ende ebenso viele Sitze wie die IG BuF. Beide stellen je vier Betriebsräte. Insgesamt stellt die IG Metall damit auch hier 31 Betriebsräte.

Kruppa sieht die Gewerkschaft durch die Ergebnisse bestätigt. „Das ist für uns ein klarer Auftrag.“ Der neuen Konkurrenz werde man sich nun inhaltlich stellen – „und zwar innerhalb des Betriebs“. Denn ganz zufrieden könne er angesichts des Einziehens der IG BuF natürlich nicht sein, auch wenn die neue Gruppierung in beiden Werken klar in der Minderheit sei. „Jeder Sitz ist einer zu viel.“

Bundesweit zog das „Zentrum Automobil“ auch bei Daimler an drei Standorten in Baden-Württemberg und bei Opel im hessischen Rüsselsheim in die Betriebsräte ein. Das beste Ergebnis gab es bei Mercedes in Untertürkheim, wo das Zentrum bereits im Betriebsrat saß – und sich jetzt auf 13 Prozent verbesserte. Bundesweit stellt die Gruppe nun 19 Betriebsräte – von 180 000 , die noch bis Ende Mai deutschlandweit gewählt werden.

„Das ist ein Randphänomen geblieben“, stellt zufrieden der IG-Metall-Bundesvorsitzende Jörg Hofmann fest. Das gilt auch für Leipzig: Insgesamt werden seit Anfang März allein im Bereich der hiesigen IG Metall 716 Sitze in 96 Betrieben mit 30.000 Beschäftigten neu besetzt – und nur bei den beiden Autobauern trat die rechte Konkurrenz an.

IG BuF machte seit Monaten Wahlkampf

Bei BMW, wo vergangene Woche gewählt wurde, hatte die IG BuF mit dem Zwickauer AfD-Kreistagsabgeordneten Frank Neufert an der Spitze schon seit Monaten Wahlkampf gemacht. Bei Porsche dagegen, wo eine Woche früher abgestimmt wurde, hatte sich die Liste erst in allerletzter Minute angemeldet. „Die waren da vorher nicht in Erscheinung getreten“, berichtet Kruppa.

Es sei aber nicht überraschend, dass das Zentrum gerade im Osten Stimmen erhalten habe, sagte Kruppa. Schließlich sei der Anteil an prekärer Beschäftigung und Werkvertraglern hier besonders hoch. „Das war ja bei BMW und Porsche von Anfang an Teil des Konzepts.“ Und nach wie vor wird im Osten mit 38 Stunden länger gearbeitet als im Westen, wo die 35-Stunden-Woche gilt. „Das sorgt für eine gewisse Grundunzufriedenheit“, weiß Kruppa. Und dieses Protestpotenzial habe das „Zentrum Automobil“ gezielt angesprochen.

„Das ist Opposition gegen die eigenen Leute“, sagt Kruppa. Und die werde gezielt gegen die Arbeitnehmervertreter gelenkt. Dabei sei das der falsche Adressat. Die Auseinandersetzung müsse mit der Unternehmensspitze geführt werden. „Und das geht nur, wenn man geschlossen auftritt“, weiß Kruppa. „Es ist ja nicht so, dass wir alles gut finden, was bei BMW und Porsche läuft. Ganz im Gegenteil.“

Gerade den Betriebsräten sei es zu verdanken, dass es in den vergangenen Jahren Verbesserungen gab – auch für Leiharbeiter. Bei BMW etwa habe sich die Stammbelegschaft in den vergangenen Jahren annähernd verdoppelt, bei der Entlohnung liegen Leiharbeiter inzwischen fast gleichauf. Als großen Erfolg sieht Kruppa auch die jüngste Tarifrunde: Auch dank der 24-Stunden-Warnstreiks bei BMW und Porsche Anfang Februar kam es hier am Ende zum Abschluss. Das gebe Rückenwind für die nun anstehenden Gespräche über die Angleichung der Arbeitszeit. Kruppa: „Das Thema werden wir jetzt angehen.“

Von Frank Johannsen

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