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IHK-Funktionär: "Leipzigs Wirtschaftsverkehr wird immer mehr an den Rand gedrückt"

IHK-Funktionär: "Leipzigs Wirtschaftsverkehr wird immer mehr an den Rand gedrückt"

Besorgt betrachtet Peter Gebauer, Chef des Verkehrs- und Logistikausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK), die zunehmend schlechteren Bedingungen für den Wirtschaftsverkehr auf Leipzigs Straßen.

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Unternehmer und IHK-Funktionär Peter Gebauer.

Quelle: Wolfgang Zeyen

"Die Stadtverwaltung kassierte 2012 allein von mittelständischen Unternehmen 180 Millionen Euro an Gewerbesteuern, in diesem Jahr sogar 210 Millionen, aber die Fahrzeuge der rund 400 Unternehmen, die Güter transportieren oder als Dienstleister für die Kunden unterwegs sind, werden zunehmend behindert", erklärt Gebauer. Der strategische Ausbau der Verkehrswege trete immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen überziehe die Kommune wichtige Hauptstraßen mit Schutzstreifen für Radfahrer, zu Lasten des öffentlichen Personennah-, des Individual- und eben des Wirtschaftsverkehrs. "Aber auch auf Kosten der Verkehrssicherheit", fügt der Unternehmer hinzu. "Diese Entwicklung ist nicht länger hinnehmbar", betont er, der auch dem Fachverband Möbelspedition und Logistik Mitteldeutschland vorsteht.

So würden Lieferfahrzeuge in großen Teilen der Georg-Schumann-, der Gohliser-, der Pfaffendorfer-, der Ossietzky- der Volbedingstraße und anderswo gezwungen, sich die Fahrspur mit der Straßenbahn zu teilen. Dies stempele nicht nur in Spitzenzeiten die Fahrpläne der LVB zur Makulatur, weil Bahnen und Busse im Stau stehen, sondern produziere auch Unpünktlichkeit für Dienstleister aller Art. "Leidtragende sind auf jeden Fall die Kunden", bedauert Gebauer.

Auf Unverständnis stößt die Kritik in der Stadtverwaltung. "Im Zusammenhang mit der Erarbeitung des neuen Stadtentwicklungsplanes Verkehr und öffentlicher Raum wurde sich intensiv mit dem Wirtschaftsverkehr beschäftigt", betont Edeltraut Höfer, Chefin des Verkehrs- und Tiefbauamtes. Die IHK sei Mitglied des Runden Tisches und habe sich in den Diskussionen auch einbringen können. "Die Markierung von Radfahr- und Schutzstreifen dienen eher der Erhöhung der Sicherheit, da eindeutig Verkehrsflächen der jeweiligen Verkehrsart zugeordnet sind", urteilt die Amtsleiterin. Gebauer sieht dies ganz anders.

Nicht nur die überdimensionierten Fahrradstreifen würden Leipzigs Verkehrsinfrastruktur ins Provinzielle abgleiten lassen. Im Gohliser Süden wurden Trassen des Hauptstraßennetzes in eine Tempo-30-Zone verwandelt. In Leipzig müsse ein Verkehrsmanagement her, das diese Bezeichnung auch verdiene.

Der Möbelspediteur - sein Familienunternehmen existiert seit 1896 und organisiert Umzüge in ganz Europa - klagt über Hemmnisse, die seinen Transporteuren in Leipzig immer wieder im Wege stehen. Und damit seien keinesfalls nur die oft unzumutbaren Aufstellmöglichkeiten der Möbelwagen gemeint. "Wo Anwohnerparken installiert ist, müssen unsere Mitarbeiter die Möbel nicht selten 60 oder 70 Meter weit bis zur nächsten Parkmöglichkeit des Lkw tragen", so Gebauer. Dies sei nicht als Vorwurf gegen Anwohner zu verstehen, die für ihren Parkplatz ja Monat für Monat ordentlich Gebühren abführen. Der Spediteur habe zeitaufwendig bürokratische Hürden zu überwinden. So müsse grundsätzlich 14 Tage vor dem jeweiligen Umzugstermin die Genehmigung im Ordnungsamt eingeholt werden, damit der Möbelwagen im Parkverbot platziert werden darf. 48 Stunden vorher seien dann von ihm die entsprechenden Schilder aufzustellen und die Transportfläche einzurichten. Die Genehmigung dazu koste bis zu 80 Euro.

"Erhebliche finanzielle Belastungen für die rund 400 Unternehmen mit fast 70 000 IHK-Mitgliedern mussten schon mit der Umweltzone in Kauf genommen", konstatiert Gebauer. Er selbst habe für 15 000 Euro Russpartikelfilter in seinen Fahrzeugen nachrüsten und weitere 120 000 Euro in den Lkw-Bestand investieren müssen. "Das zwang mich natürlich zu Einsparungen an sensiblen Stellen des Unternehmens, auch am Personalbestand konnte dies nicht spurlos vorübergehen", erläutert er.

"Der für das Funktionieren einer modernen Gesellschaftschaft unerlässliche Wirtschaftsverkehr macht in Leipzig mehr als ein Viertel des gesamten Verkehrsaufkommens aus", betont der IHK-Ausschusschef. Eine Studie der HTWK spreche sogar von mehr als 50 Prozent. Dies verdeutliche den Stellenwert, der ihm zukommt. Es sei Aufgabe der Verkehrspolitik einer Kommune, kurze Wege zwischen Kunden und Dienstleistern auf leistungsfähigen Trassen zu sichern. Indes von solchen Rahmenbedingungen sei Leipzig noch ein gutes Stück entfernt. Die Stadtverwaltung hatte sich einst auf die Fahnen geschrieben, das Straßenhauptnetz in ein leistungsfähiges Ringsystem umzustrukturieren. Dieses Vorhaben scheint vergessen zu sein. "Da muss ich nur an den Mittleren Ring Südost oder an die Verbindung zwischen dem Leipziger Norden und dem Westen durch das Leutzscher Holz denken", so Gebauer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2013

Günther Gießler

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