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Wirtschaft Regional "Ich möchte eine klare Standortgarantie": Leipzigs OB Jung über die VNG-Zukunft
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional "Ich möchte eine klare Standortgarantie": Leipzigs OB Jung über die VNG-Zukunft
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23:06 10.04.2014
Heiko Sanders (EWE Finanz-Vorstand, links) und OBM Burkhard Jung im Gespraech. Quelle: Wolfgang Zeyen

Die Oldenburger (8,9 Milliarden Euro Umsatz, 9200 Mitarbeiter) halten seit Kurzem die Mehrheit am größten ostdeutschen Unternehmen (elf Milliarden Euro Umsatz, 1400 Beschäftigte). EWE hat den 15,79-Prozent-Anteil von Wintershall gekauft und verfügt nun über 63,69 Prozent der VNG-Aktien. Leipzig hält mit neun weiteren ostdeutschen Kommunen gemeinsam 25,79 Prozent an VNG.

LVZ

: Herr Jung, Sie haben gesagt, Hauptziel sei, dass es bei VNG keinen Mehrheitsaktionär gibt. Da haben Sie verloren.

Burkhard Jung

: Offen gestanden hätte ich mir gewünscht, noch lange eine Situation ohne Mehrheitsaktionär zu haben.

Und nun?

Es ist müßig, darüber zu reden. Jetzt müssen wir nach vorne schauen und damit umgehen, dass es einen Mehrheitsaktionär gibt. Wir haben die Situation akzeptiert und versuchen jetzt zu gestalten.

Was heißt das konkret? Klar ist, dass Sie den VNG-Sitz in Leipzig sichern wollen.

EWE hat uns gleich nach der Ankündigung, den Wintershall-Anteil zu übernehmen, signalisiert, an gemeinsamen Gesprächen zur Weiterentwicklung von VNG interessiert zu sein. Das fand ich bemerkenswert, ich habe das als gereichte Hand empfunden. Wir haben ein gegenseitiges Interesse, die Fortentwicklung von VNG gemeinsam zu versuchen. Das ist auch im Sinne der VNG-Mitarbeiter.

Wie geht es weiter?

Die kommunalen Anteilseigner und EWE setzen sich nach Ostern zusammen.

Mit welchem Ziel?

Wir wollen Eckpunkte formulieren und zu einer tragfähigen, belastbaren Vereinbarung kommen. Wenn das gelingt, bin ich nicht unglücklich.

Also streben Sie einen Standortsicherungsvertrag mit EWE an?

Ja, ich möchte eine harte, klare Standortgarantie. Es schwebt nach wie vor das Thema Weiterveräußerung im Raum. Aber ich habe den Eindruck, dass EWE durchaus ein Interesse hat, den Standort Leipzig zu stärken. EWE dürfte wissen, dass man die Kompetenz nicht nach Oldenburg ziehen kann.

Herrn Sanders, wie sehen Sie die Situation?

Heiko Sanders

: EWE ist zu 74 Prozent in kommunaler Hand. Unser wesentlicher Eckpfeiler ist die regionale Verankerung. Deshalb haben wir großes Verständnis dafür, dass die Stadt Leipzig den VNG-Sitz behalten will. Wir sind bereit, für den Standort Zusagen zu geben. Das werden wir gemeinsam verhandeln, partnerschaftlich, auf gleicher Augenhöhe, dialogorientiert. Wir gehen sehr zuversichtlich in die Gespräche.

Niemand hat die Absicht, den VNG-Sitz zu verlegen?

Das kann ich ausschließen. Wir haben kein Interesse daran, den Sitz zu verlegen. Wir stehen zu VNG. Es ist uns sehr bewusst, welche Bedeutung VNG für die Region hat - als Wirtschaftsfaktor, als Steuerzahler, als Symbol für den Aufbau Ost. VNG würde in einer Partnerschaft EWE ideal ergänzen. Wir haben also nicht vor, irgendetwas zu verlagern.

Die Jobs bei VNG bleiben?

Das zu beurteilen ist nicht unsere Aufgabe als Aktionär. Das ist ausschließlich Sache des VNG-Vorstandes. Er hat die Verantwortung, das Unternehmen effizient zu führen. Was er auch tut. Wir überwachen das im Aufsichtsrat.

Also gibt es keine Übernahme-Synergien, wie ein Arbeitsplatzabbau vornehm umschrieben wird?

Nein, es gibt wenig Überschneidungen in der Geschäftstätigkeit der beiden Unternehmen. EWE und VNG ergänzen sich sehr gut.

Sind Kooperationen denkbar?

Natürlich schauen wir, wo Kooperationen möglich sind, von denen beide Seiten profitieren.

Jung

: EWE wird profitieren, wenn VNG wächst.

Sanders

: Wir sind Unternehmer. Am Ende des Tages werden Werte nur durch Wachstum geschaffen. Wir wollen VNG nicht nur stabilisieren, sondern nach vorne bringen.

Wo wollen Sie wirklich hin mit der VNG?

Sanders

: Es gibt verschiedene Handlungsoptionen, die wir näher betrachten. Dazu gehört, die Anteile an VNG langfristig zu halten oder zu veräußern. Das hängt sehr stark von den Gesprächen ab, die wir nun mit den Beteiligten führen werden. Ich bin optimistisch, dass sie positiv verlaufen werden.

Jung

: Es macht keinen Sinn, sich die nächsten Jahre weiter zu streiten. Wir brauchen eine Lösung, mit der wir in den meisten Fällen miteinander und nicht gegeneinander stimmen. So werden die Gespräche angelegt sein. Wir wollen die Schnittmengen unserer gemeinsamen Entwicklungspotenziale identifizieren und im Gegenzug die Standortsicherheit garantiert bekommen.

Wann sollen Ergebnisse vorliegen?

Jung

: Noch vor dem Sommer.

Dann ist klar, was EWE macht?

Sanders

: Genau.

Das hört sich so an, dass die Waage zu einem längerfristigen Engagement neigt.

Grundsätzlich passen beide Unternehmen gut zusammen, es kann Mehrwert für beide geschaffen werden. Es ist jetzt aber noch zu früh, dazu abschließend etwas zu sagen. Fest steht: Wir wollen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

Sie bauen den möglichen Verkauf nur als Drohkulisse für die Verhandlungen auf?

Wir drohen niemandem. Wir wollen nur ehrlich sein und glaubwürdig bleiben.

Ist es ein Reiz für EWE, mit einem gemeinsamen Umsatz von 20 Milliarden Euro die vierte Kraft auf dem deutschen Energiemarkt zu sein?

Auf die Gefahr hin, dass es eher langweilig klingt, aber als Finanzvorstand interessiere ich mich nicht für Ranglisten. Die Nummer vier zu sein wäre noch kein Wert an sich. Uns geht es darum, unterm Strich langfristig erfolgreich zu sein.

Herr Jung, streben Sie bei der Standortsicherung eine Vereinbarung an unabhängig davon, ob die kommunalen Anteilseigner die Sperrminorität haben?

Jung

: Damit wir diese Vereinbarung erzielen, braucht es an Gewicht. Für den Erhalt des Standortes heißt das, die Sperrminorität zu sichern. Perspektivisch wäre es sehr unklug, diese Rückfalllinie aufzugeben. Wohl wissend, dass am Ende der Tage ein vertrauensvoller Umgang miteinander durch nichts zu ersetzen ist. Wir reden hoffentlich über eine Entwicklung für einen längerfristigen Zeitraum. Aber handelnde Personen wechseln. Da ist eine Absicherung sinnvoll.

Wenn es gut läuft: Herr Sanders, könnten Sie sich vorstellen, weitere Anteile zu kaufen?

Sanders

: Wir haben eine Verantwortung der VNG gegenüber. Wenn uns VNG-Anteile auf dem freien Markt angeboten werden, wäre das sicherlich eine Option für uns. Wir haben ein Interesse daran, unser klares Bekenntnis zur VNG zu bekräftigen.

Herrn Jung, wenn Erfurt aussteigt, will Leipzig den 4,21-Prozent-Anteil kaufen, um die Sperrminorität zu sichern. Was aber machen Sie, wenn weitere kommunale Anteilseigner aussteigen wollen wie Dresden mit seinen 6,47 Prozent? Irgendwann haben Sie kein Geld mehr.

Jung:

Ich habe von Dresden die Aussage, dass sich dort in nächster Zeit nichts verändert. Dennoch haben Sie einen wunden Punkt angesprochen. Es ist notwendig, dass wir eine Sicherheit in der Struktur der kommunalen Anteilseigner organisieren. Wir brauchen einen starken kommunalen Partner, der uns dauerhaft die Sicherheit gibt, dass wir mehr als 25 Prozent halten.

Wer wird das sein?

Mehr möchte ich nicht sagen.

Ulrich Milde, Frank Johannsen

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