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Wirtschaft Regional Ikea sagt „Nej“ zu Karstadt Leipzig
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08:51 24.04.2018
Ikea statt Karstadt in der Leipziger Petersstraße? Auch wenn die ersten Spekulationen in diese Richtung gingen – das Möbelhaus wird nicht der neue Nachmieter. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

 Wird das Leipziger Karstadt-Warenhaus bald zum Möbelgeschäft? Zwei zeitgleiche Ankündigungen Anfang April hatten die Fantasie beflügelt: Karstadt hat von seinem Vermieter die Kündigung erhalten, soll in einem Jahr aus dem Traditionshaus in der Petersstraße ausziehen. Und Ikea will weg von der grünen Wiese und setzt künftig auf Innenstadtlagen.

Das hatte sofort Spekulation ausgelöst, der schwedische Möbelriese könnte in Leipzig in das Karstadt-Gebäude einziehen. „Der Nachmieter scheint mir schon sicher zu sein“, schrieb Userin Sigrid Fuchs auf LVZ.de. Und User Theobald Tiger berichtete sogar: „Unbestätigten Informationen zufolge verhandelt der Eigentümer der Immobilie bereits seit Längerem mit Ikea.

Ikea soll bereits einen Standort in der Leipziger Innenstadt planen.“ Andere User geben aber zu bedenken, dass es dafür viel zu wenig Park- und Lademöglichkeiten gäbe. „Das gäbe ein blankes Chaos in der Stadt.“

Auf LVZ-Nachfrage kommt nun ein klares „Nej“ (Nein) der Schweden. „Wir wollen uns im Zuge unserer Neuausrichtung vor allem auf die deutschen Metropolregionen konzentrieren und dabei auf Großstädte wie Berlin, Hamburg, München, Stuttgart oder Köln“, erklärte Ikea-Deutschland-Sprecherin Chantal Gilsdorf gegenüber der LVZ.

Leipzig stehe nicht auf der Liste – und auch keine anderen Städte in Mitteldeutschland wie Dresden, Erfurt oder Magdeburg. „Wir haben derzeit keine weiteren Pläne für Neuansiedlungen in den genannten Städten, zumal wir hier bereits mit Einrichtungshäusern vertreten sind.“ In Magdeburg hatte Ikea sein neues Haus im Ortsteil Kannenstieg erst im vergangenen Sommer eröffnet. Das dürfte vorerst der letzte Neubau am Stadtrand gewesen sein.

 Denn anderswo hat Ikea geplante Projekte auf der grünen Wiese jetzt gestoppt: Der neuen Strategie fallen geplante Möbelhäuser in Nordrhein-Westfalen wie das in Bottrop und Castrop-Rauxel zum Opfer. In Bayern wird der geplante Standort Memmingen neu geprüft. „Die dezentrale Lage des Grundstücks abseits des Stadtzentrums ist nicht mehr zukunftsfähig“, sagte Johannes Ferber, der Expansionschef von Ikea Deutschland, mit Blick auf Bottrop.

„Neue Märkte werden insbesondere in den Innenstädten und Metropolregionen entstehen. Format und Größe werden unterschiedlich sein“, so Ferber weiter. Wichtiger als der Autobahnanschluss sei künftig eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. „Auch Kunden ohne Auto müssen uns gut erreichen können.“

Der bisher einzige Ikea-Innenstadt-Laden in Hamburg-Altona, der 2014 eröffnet wurde, soll dabei aber nicht als Vorbild dienen. „Wir wollen individuelle Standorte entwickeln“, so Ferber, „zum Beispiel ohne komplettes Warenlager.“

Das Leipziger Karstadt-Warenhaus kommt schon wegen der Größe nicht in Betracht. Mit seinen 33 000 Quadratmetern Verkaufsfläche wäre das Gebäude schlicht zu groß für Ikea. Denn die künftigen Innenstadt-Filialen sollen deutlich kleiner ausfallen als die bisherigen Ikea-Filialen – und die sind mit 25 000 Quadratmetern schon 8000 Quadratmeter kleiner als Karstadt in der Petersstraße.

Ohnehin denkt Karstadt gar nicht daran, in Leipzig wirklich auszuziehen. Ende März hatte der neue Eigentümer der Immobilie die 240 Mitarbeiter mit der Kündigung des Mietvertrages geschockt. Weil Karstadt die geforderte Mieterhöhung von 68 Prozehnt nicht zahlen will. soll das Warenhaus am 31. März 2019 ausziehen. „

Nachdem mittlerweile der erste Schock überwunden ist, wollen wir um den Standort kämpfen“, erklärte nun der Leipziger Betriebsratschef Jenz-Uwe Schiller. Am 9. Mai ist eine Menschenkette geplant. Und eine vom Betriebsrat gestartete Online-Petition zählt bereits mehr als 5800 Unterzeichner.

Karstadt selbst gehört das Traditionshaus in der Leipziger Innenstadt schon seit 2002 nicht mehr. Nach und nach hatte der Konzern damals alle Warenhäuser an Investoren verkauft – und dann zu oft hohen Mieten zurückgemietet. Das Leipziger Gebäude war dabei eines der ersten, das den Eigentümer wechselte. Nur zehn Millionen Euro soll ein Fonds der Privatbank Sal. Oppenheim, an dem auch der Ex-KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff beteiligt war, dafür gezahlt haben.

200 Millionen Euro flossen anschließend in die aufwendige Sanierung. Im Gegenzug wurde ein satter Mietaufschlag vereinbart, der bis 2016 befristet war. Jetzt zog sich der Fonds zurück – und gab das Haus an den Schweizer Investor Even Capital weiter, dem in Leipzig bereits der Petersbogen gegenüber gehört. Für Karstadt wurde extra eine neue Tochter in Luxemburg gegründet. Zu konkreten Plänen mit der Immobilie wollte man sich dort nicht äußern.

Von Frank Johannsen

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