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Karstadt-Übernahme: Bangen um 1500 Jobs in Leipzig und Dresden

Karstadt-Übernahme: Bangen um 1500 Jobs in Leipzig und Dresden

Den meisten Mitarbeitern bei Karstadt ist gestern ein Stein vom Herzen gefallen: Das wochenlange Ringen um die Zukunft der Warenhauskette hatte ein Ende. Der einst als Retter gefeierte Investor Nicolas Berggruen wirft das Handtuch - und gibt Karstadt an den österreichischen Investor René Benko weiter.

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Quelle: Andreas Döring

Wien/Leipzig/Dresden. Das teilten die Berggruen-Holding und Benkos Signa-Holding gestern mit. Schon am Montag soll Benko die 83 Warenhäuser und alle 17000 Mitarbeiter übernehmen. Das gilt auch für die Mitarbeiter an den beiden sächsischen Standorten Leipzig und Dresden mit zusammen rund 1500 Mitarbeitern. Allein 700 hat Karstadt in der Landeshauptstadt; in Leipzig sind es laut LVZ-Informationen sogar noch mehr.

Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi hoffen nun, dass es mit dem neuen Eigner wieder aufwärts geht mit der seit Jahren strauchelnden Warenhauskette. "Nicolas Berggruen und seine Beauftragten sind an der Rettung von Karstadt willentlich gescheitert", sagte Stefanie Nutzenberger vom Verdi-Bundesvorstand. Die Mitarbeiter habe er "bitter enttäuscht". Statt wie versprochen zu investieren, habe er Arbeitsplätze vernichtet und Geld aus dem Unternehmen gezogen. Benko dagegen habe schon vor der Übernahme von Karstadt "klare Signale" gesetzt, indem er gegenüber Versicherungen für das Unternehmen gebürgt hatte. Jetzt müsse er schleunigst ein tragfähiges Zukunftskonzept auf den Tisch legen. "Das Hin und Her in den Konzepten muss endlich ein Ende haben."

Gerade einmal einen symbolischen Euro zahlt Benko nun für die gesamte Warenhauskette. Genau für diesen Preis hatte Berggruen Karstadt 2010 vom Arcandor-Insolvenzverwalter gekauft. Der Deutsch-Amerikaner räumte gestern sein Scheitern ein. Es sei ihm nicht gelungen, Karstadt aus den roten Zahlen zu führen, sagte er. "Wir machen daher nun den Weg frei für einen Neuanfang."

Der Chef der neuen Karstadt-Mutter Signa Retail, Wolfram Keil, kündigte an, nun zügig mit allen Beteiligten über ein tragfähiges Sanierungskonzept beraten zu wollen. Wie das aussehen könnte, ließ er aber offen. Das Wichtigste sei jetzt, dass Ruhe einkehre. "Karstadt braucht von allen Beteiligten volle Konzentration auf die gemeinsame Sache und muss raus aus der zermürbenden öffentlichen Diskussion."

Signa ist bereits eng mit Karstadt verbunden - und schon bisher größter Vermieter. 20 der Warenhaus-Immobilien gehören Benko, der eigentlich Immobilienentwickler ist. Allein 17 wurden Ende 2012 vom Highstreet-Konsortrium übernommen - Leipzig ist aber nicht dabei. Das Warenhaus in der Petersstraße ist nach wie vor Eigentum des Oppenheim-Esch-Fonds, an dem auch Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff beteiligt ist. Auch die Filiale in Dresden findet sich nicht auf der Liste der Signa-Immobilien. Im vergangenen September war Signa dann auch schon in das operative Geschäft eingestiegen - durch die Übernahme von 75 Prozent an den drei Premium-Häusern in Berlin (KaDeWe), Hamburg (Alsterhaus) und München (Opollinger) sowie allen 29 Karstadt-Sport-Filialen, darunter Dresden.

Jetzt auch Karstadt komplett selbst zu übernehmen, sei "angesichts der aktuellen Lage die logische Konsequenz", sagte Signa-Mann Keil. "Karstadt braucht Klarheit über die zukünftige Eigentümerstruktur. Deshalb tritt Signa jetzt auch in die operative Verantwortung." Auch die restlichen 25 Prozent an Karstadt-Sport und -Premium, die noch bei Berggruen lagen, gehen nun an die Österreicher.

Ob alle 83 Warenhäuser erhalten bleiben, ließ Signa gestern offen. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte erst im Juli von "berechtigten Sorgen" um ein Viertel der Standorte gesprochen. Leipzig und Dresden gelten aber als ungefährdet. Einzelhandelsexperte Gerd Hessert, der an der Uni Leipzig lehrt, zählt beide Häuser zu den besten im Konzern. Auch Magdeburg sieht er nicht in Gefahr. Auf der Kippe steht aber Dessau, unter Umständen auch Erfurt.

Während Leipzig vor vier Jahren wegen der damals hohen Mieten noch als Sorgenkind galt, schreibt Karstadt Dresden seit Ende der neunziger Jahre stabil schwarze Zahlen. Betriebsrat Steffen Kalisch macht sich daher keine Sorgen. Trotzdem sie die Situation zermürbend. "Das zerrt an den Nerven."

Frank Johannsen

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