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Kartellamt winkt Belantis-Verkauf an Spanier durch

Größter Freizeitpark Ostdeutschlands Kartellamt winkt Belantis-Verkauf an Spanier durch

Sechs Wochen vor dem Saisonstart am 24. März bekommt das Belantis einen neuen Betreiber: Die Kette Parques Reunidos aus Madrid hat vom Kartellamt jetzt Grünes Licht bekommen für die Übernahme. Viel ändern soll sich im Park aber nicht.

Hingucker am Einlass: Das Schloss am Eingang zum Freizeitpark Belantis bei Leipzig.

Quelle: dpa

Leipzig. „¡Hola Belantis!“ In Ostdeutschlands größtem Freizeitpark vor den Toren Leipzigs stehen künftig nicht nur die Wagen der Achterbahn Kopf – sondern auch die Ausrufezeichen. Denn die neuen Eigner kommen aus Spanien, wo auch Satzzeichen umgedreht werden. „¡Bienvenidos Parques Reunidos!“

Das Bundeskartellamt hat den Verkauf an den Parkbetreiber Parques Reunidos aus Madrid jetzt ohne große Prüfung durchgewinkt. Die Freigabe erfolgte am vergangenen Mittwoch, hieß es bei der Behörde. Damit dauerte die Prüfung nur zwei Wochen. Erst durch den Antrag beim Bundeskartellamt war überhaupt bekannt geworden, dass die Belantis-Betreibergesellschaft Event Park GmbH verkauft werden soll.

Wie es im Park weitergeht, blieb am Montag offen. Beide Seiten wollten sich nicht äußern. Wenn überhaupt, dann werde man sich nur per Mitteilung an alle Medien gleichzeitig äußern, erklärte der Kommunikationschef der Spanier, José María Nogueira, auf LVZ-Anfrage. Auch im Park selbst blieb man zugeknöpft. „Belantis wird sich dazu nicht äußern“, sagte Sprecher André Hoffmann.

Bisherige Eigner stiegen aus

Mehrheitseigner war bisher Park-Gründer und Geschäftsführer Erwin Linnenbach (56). Der hatte in den 90ern noch als Radio-PSR-Chef die Idee zu dem 2003 eröffneten Park entwickelt. Nach seinem Rückzug von der PSR-Spitze 2012 hatte er sich dann ganz Belantis gewidmet. 2014 übernahm er mit 53 Prozent auch die Mehrheit an der Firma. Die anderen Anteile halten ein Rechtsanwalt aus Leipzig und zwei Investoren aus Bayern und aus der Lausitz.

Nach LVZ-Informationen verkaufen alle vier jetzt ihre Anteile an die Spanier. Der Käufer soll vor allem Geld für neue Investitionen mitbringen. Denn daran krankte es zuletzt. Zwar konnte der Park zuletzt Umsatz und Besucherzahlen kräftig steigern: 2016 sprang die Besucherzahl erstmals über 600 000, der Umsatz liegt inzwischen bei geschätzten 1,5 Millionen Euro.

Doch schon 2017 bröckelte die Besucherzahl wieder etwas. Und Gewinn machte der Park noch nie. Laut den im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüssen gab es bisher Jahr für Jahr Verlust, von 2006 bis 2015 liefen mehr als zwei Millionen Euro Minus auf.

Achterbahn „Huracan“ zum Schnäppchenpreis erstanden

Um als Freizeitpark zu bestehen, muss eigentlich jedes Jahr eine neue Attraktion kommen. Doch dafür fehlt Belantis mit seinen privaten Eignern das Kapital: Seit der Eröffnung vor 15 Jahren gab es nur zwei große Neuerungen: Zuletzt schaffte der Park 2015 die Familienachterbahn „Cobra des Amun Ra“ an – laut Bundesanzeiger für 2,9 Millionen Euro. Davor hatte es vier Jahre lang keine großen Investitionen gegeben.

Die letzte war 2010: Da hatte Belantis die Achterbahn „Huracan“ abgestaubt. Zum Schnäppchenpreis. Denn eigentlich war die Anlage für einen Park in Dubai bestimmt. Doch der hatte wegen der Finanzkrise einen Rückzieher gemacht, der Achterbahnbauer aus Bayern suchte daher einen neuen Abnehmer – und gab „Huracan“ schließlich mit einem Drittel Rabatt nach Leipzig. Statt 6 waren nur 4,1 Millionen Euro fällig.

Spanier wollten keine Minderheitsbeteiligung

Um frisches Kapital in die Kasse zu holen, wurde dem Vernehmen nach seit Langem nach einem Investor gesucht. Von einen Komplett-Verkauf war aber eigentlich nicht die Rede. Die Spanier waren aber offenbar nicht bereit, sich mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden zu geben. Sie sind mit 60 Parks in 14 Ländern Nummer 2 in Europa.

Offen ist, ob Geschäftsführer Linnenbach als Macher an Bord bleibt – oder sich mit dem Verkauf seiner Anteile auch als Geschäftsführer zurückzieht. Für die LVZ war er am Montag nicht aufzufinden. Man wisse nicht, wann der Chef noch mal ins Büro komme, hieß es in seinem Sekretariat. Manches der künftigen Strukturen in Belantis soll nach LVZ-Informationen schon klar sein. Aber längst nicht alles, heißt es. Und nicht so viel, wie es dem Park recht wäre.

Viel ändern dürfte sich kurzfristig ohnehin nicht. Die Spanier sind dafür bekannt, ihren Parks viel Eigenständigkeit zu lassen. Und bis zum Saisonstart am 24. März ist ohnehin nicht genug Zeit, um große Änderungen vorzunehmen.

Von Frank Johannsen und Jörg ter Vehn

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