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Wirtschaft Regional Katjes beantragt Sonderprüfung bei Halloren
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Katjes beantragt Sonderprüfung bei Halloren
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18:21 07.08.2018
Der Klassiker aus Halle: Die Halloren-Kugel. Quelle: dpa
Halle

Die Ankündigung schlug ein wie ein Blitz: Auf der Hauptversammlung am 27. September 2017 verkündete der damalige Halloren-Chef Klaus Lellé den überraschten Aktionären, dass die Delitzscher Schokoladenfabrik (Nordsachsen) mit ihren 280 Mitarbeitern verkauft wurde – an den eigenen Großaktionär Darren Ehlert. Erst jetzt zeigt sich: Der Verkauf lag da bereits ein halbes Jahr zurück und war bis dahin geheim gehalten worden.

Bereits am 20. März 2017 wurde zwischen Halloren und Ehlerts Magrath-Holding der Kaufvertrag unterschrieben. So steht es in der Bilanz für 2017, die Halloren nun vorgelegt hat. Elf Tage später – am 31. März 2017 – wurde die Tochter dann aus der Konzernbilanz herausgelöst. Das gleiche gilt für den Pralinenhersteller Bouchard in Belgien, der ebenfalls an Magrath ging.

Am 18. August wurde dann auch die dritte Tochter, der holländische Schokomünzenhersteller Steenland, verkauft, zum 31. Juli dann aus der Bilanz genommen. Käufer war der thailändische Importeur Sino-Pacific Trading Company.

Auch letzte Tochter steht zum Verkauf

Nur die Confiserie Weibler aus Cremlingen in Niedersachsen blieb zunächst im Konzern. Jetzt soll auch sie verkauft werden: Es laufen bereits Verhandlungen mit einem Interessenten, teilte Halloren am Montag mit. Rund eine Million Euro soll die Tochter einbringen.

Mit den Verkäufen der Töchter wollte Halloren vor allem Geld in die Kasse holen und die zuletzt dünne Eigenkapitaldecke aufstocken. Zudem will sich das Traditionsunternehmen jetzt wieder voll auf die eigene Marke und den Standort Halle konzentrieren. „Nach dem Verkauf der Töchter fokussieren wir uns jetzt ganz auf die Kernmarke Halloren“, kündigte der neue Vorstandschef Ralf Coenen vor vier Wochen im Interview an. „Die wurde zuletzt leider etwas vernachlässigt.“

Katjes beantragt Sonderprüfung

Das Thema ruft jetzt erneut den Süßwarenriesen Katjes auf den Plan, der mit elf Prozent an Halloren beteiligt ist. Schon im vergangenen Jahr hatte Katjes-Chef Tobias Bachmüller Zweifel angemeldet, dass bei den Verkäufen an Ehlert alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Auf der nächsten Hauptversammlung am 28. August in Halle will er jetzt einen Sonderprüfer einsetzen lassen, der die Sache näher unter die Lupe nehmen soll.

Schon vor einem Jahr hatte Bachmüller Halloren mit ähnlichen Anträgen überzogen. Damals ging es um die diversen Kapitalerhöhungen, mit denen Ehlert bei Halloren 75 Prozent übernommen hatte. Weil die Anträge auf der Hauptversammlung aber allesamt abgeschmettert wurden, zog Katjes vor Gericht. Am 17. September muss nun das Landgericht Halle entscheiden.

Verstärkung im Halloren-Vorstand

Coenen (57) hatte am 23. März Lellé als Vorstandschef abgelöst, die Firma zunächst allein geführt. Inzwischen erhielt er Verstärkung: Seit 17. Juli ist Klaus Schramm als zweiter Vorstand an Bord. Er kommt wie Coenen von der Münchner Beratungsfirma Taskforce, die auf Restrukturierungen spezialisiert ist. Mit dem zweiten Mann wolle man die Restrukturierung in Halle beschleunigen, hieß es. Beide sehen sich aber nur als Übergangschefs. Der Aufsichtsrat sucht bereits nach einem Nachfolger. Der soll aus der Schoko-Branche kommen und Mitte 2019 die Führung übernehmen soll.

Die Bilanz der Schokoladenfabrik wurde durch die Verkäufe aber erst einmal kräftig durcheinadergewirbelt. Weil die Ex-Töchter nur noch anteilig mitzählten, schrumpfte der Umsatz 2017 um gut ein Achtel auf 107,8 Millionen Euro. Die Marke Halloren selbst legte dagegen 2017 beim Umsatz sogar um gut ein Viertel auf 34,9 Millionen Euro zu.

Delitzsch bleibt größter Umsatzbringer

Die Delitzscher Schokoladenfabrik, die nur drei Monate lang mitgerechnet wurde, steuerte trotzdem noch einmal 41 Millionen Euro Umsatz bei. Das war nicht nur mehr als die Marke Halloren selbst, sonder auch fast so viel im gesamten Vorjahr (49,9 Millionen Euro). Grund: Der Vertrieb der Ex-Tochter erfolgte zunächst weiter über Halloren, die Umsätze liefen dort weiter durch die Bücher. Erst am 5. Juni 2018 wurde eine neue Gemeinschaftsfirma gegründet, mit Lellé an der Spitze. Die soll sich jetzt direkt um den Verkauf der Produkte aus Delitzsch kümmern.

Noch deutlicher machten sich die Firmenverkäufe beim Gewinn bemerkbar: Der schoss unterm Strich auf 11,2 Millionen Euro in die Höhe. 2016 hatte Halloren noch eine Million Euro Verlust gemacht. Zu verdanken war das aber ausschließlich den Erlösen aus dem Verkauf der drei Töchter, die 18,8 Millionen Euro in die Kasse spülten.

Auch 2018 roten Zahlen erwartet

Im operativen Geschäft schrieb Halloren 2017 dagegen weiter tief rote Zahlen: 3,6 Millionen Euro Minus. Angepeilt waren eigentlich 5,7 Millionen Euro gewinn. „Das Planziel wurde damit deutlich verfehlt“, hieß es in der Bilanz. 2018 rechnet das Unternehmen nun mit 1,5 bis 2 Millionen Euro Minus. 2020 soll es dann wieder schwarze Zahlen geben.

Jeweils 10 Millionen Euro ließ sich Ehlert die Übernahmen von Delitzscher und Bouchard kosten, 17 Millionen waren es bei Steenland. Wirklich überwiesen wurde aber weniger. Allein in Delitzsch entfielen 3 Millionen Euro auf Schulden, die mit übernommen wurden, nur 7 Millionen Euro wurden wirklich bezahlt. Mit dem Steenland-Käufer aus Thailand wurde sogar Ratenzahlung vereinbart. Die letzten 6,4 Millionen Euro wurden erst 2018 fällig. Deshalb kamen bei Halloren 2017 nicht 37 Millionen Euro, sondern nur knapp 19 Millionen an.

Delitzscher zufrieden mit Trennung

In Delitzsch zeigt man sich nach einem Jahr zufrieden mit der Abnabelung von der einstigen Mutter. Inzwischen seien alle nötigen Bereiche wieder aufgebaut und „die Wirtschaftszahlen ermutigend“, sagte vor einer Woche der dortige Geschäftsführer Dieter Schumaier. „Wir haben einige neue Produkte aus eigener Entwicklung in der Pipeline. Aber wir sehen uns nach wie vor als starker Produzent von Eigenmarken der Discounter.“

Von Frank Johannsen

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