Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Regional Wie geht es mit Kaufhof in Leipzig weiter?
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Wie geht es mit Kaufhof in Leipzig weiter?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:38 28.02.2019
Die Zukunft von Kaufhof schürt Ängste bei Mitarbeitern – auch in Leipzig. Quelle: Harald Tittel/dpa
Frankfurt/Leipzig

Die Ziele sind ehrgeizig. Nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof will Warnhauschef Stephan Fanderl beim Sorgenkind Kaufhof das Ruder herumreißen – und schon im Geschäftsjahr 2019/20 wieder Gewinne einfahren. Die neue Periode beginnt am 1. Oktober. Er hat also noch gut ein halbes Jahr Zeit, um die Voraussetzungen für Profite zu schaffen.

Betriebsrat informiert

Am Mittwoch wurden die Kaufhof-Beschäftigen in bundesweit 96 Betriebsversammlungen über die Pläne unterrichtet – aber nicht vom Management, sondern von den Betriebsräten.

„Weil das Management die Kollegegen weiterhin im Ungewissen lässt, hat der Betriebsrat entschieden, das selbst in die Hand zu nehmen“, sagte Thomas Scheider von der Gewerkschafts Verdi in Leipzig.

Mehr als 100 der 200 Mitarbeiter hatten sich unmittelbar vor der Öffnung des Leipziger Warenhauses versammelt – und berieten dann bis 10.45 Uhr. Da hätte der Kaufhof eigentlich auf haben sollen. Doch wegen der Betriebsversammlung mussten die Kunden 45 Minuten warten.

Stellenabbau

Kern des Konzepts ist eine deutliche Senkung der Aufwendungen fürs Personal. Dazu soll die Belegschaft mit rund 32 000 Beschäftigten um rechnerisch 2600 Vollzeitstellen verkleinert werden. Außerdem sind Lohnkürzungen und der Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag geplant.

Auch eine Differenzierung des Personals in den Filialen in Verkäuferinnen und sogenannte Verräumer ist zum Zweck der Kostenverringerung vorgesehen. Verräumer sind Beschäftigte, die lediglich die Regale auffüllen, aber nicht Kunden beraten und weniger Geld als ihre Kollegen verdienen sollen.

Bringt es was für Kaufhof?

Das seien alles Pläne, die man schon von Karstadt kenne, sagte Schneider. Genützt habe das dem Leipziger Standort nichts: Anfang Februar hatte des Traditionshaus in der Petersstraße geschlossen, 230 Karstadt-Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Das dürfe sich beim Kaufhof nun nicht wiederholen, forderte Schneider: „Genauso wie die Kollegen bei Karstadt die Solidarität der Kunden verdient hatten, haben es nun auch die Mitarbeiter bei Kaufhof.“

Der endgültige Plan muss noch mit Arbeitnehmervertretern ausgehandelt werden. Und das dürfe kompliziert werde. „Wir erwarten von der Unternehmensleitung den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in den Filialen und einen Plan, wie das Unternehmen wieder in den profitablen Bereich geführt werden kann“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Zysik. Ein nachhaltiges Zukunftskonzept sei nötig, die Aufteilung in Verkäufer und Verräumer hingegen unnötig.

Lage des Unternehmen gebessert

Zysik mahnte überdies: „Die Karstadt-Sanierung ist keine Blaupause für Galeria Kaufhof.“ Das ist aber offenbar genau das Verfahren, mit dem Fanderl den Umbau im Hochgeschwindigkeitstempo hinbekommen will.

Der Manager ist in Personalunion auch Chef der Karstadt-Kette, die seit Ende November mit Kaufhof unter einem Dach ist und zur Signa-Holding des österreichischen Milliardärs René Benko gehört. Dieser hatte 2014 Karstadt übernommen und Fanderl freie Hand gegeben.

Seither hat sich die Lage des Unternehmens deutlich gebessert. Einen Großteil der Lasten tragen dabei aber die Beschäftigten, die unter anderem auf Gehaltserhöhungen verzichten. Und ohne diesen Gehaltsverzicht von 53 Millionen Euro hätte Karstadt im vergangene Jahr nicht 14 Millionen Euro Gewinn gemacht, sondern fast 40 Millionen Euro Verlust, rechnet Verdi vor.

Erst 2021 soll wieder das Niveau des Flächentarifvertrags erreicht werden. Beim Kaufhof verlangt das Management von der Belegschaft einen Sanierungsbeitrag von 70 Millionen Euro. Benko will offenbar zugleich in diesem Jahr 200 Millionen Euro investieren. Die gleiche Summe soll er schon einmal im Herbst zugeschossen haben, um Kaufhof vor der Insolvenz zu retten.

Stefanie Nutzenberger, Mitglied des Verdi-Bundesvorstands, bringt indes eine neue Variante ins Spiel, wie das Unternehmen zeitweise entlastet werden kann: „Wenn Geld der Beschäftigten für Sanierungsphasen gefordert wird, dann höchstens als Investition und nicht als dauerhafte Spende.“

Das einbehaltene Geld müsse später an die Mitarbeiter zurückgezahlt werden und dürfe nicht wie bei Karstadt in der Konzernkasse versickern. Sie warnte die Unternehmensleitung davor, bei der Sanierung von Galeria Kaufhof „fahrlässig und mit Vorsatz Fehler zu wiederholen“. Man müsse aus beiden Ketten das Beste nehmen und gemeinsam mit den Beschäftigten die Zukunft gestalten.

Von Frank-Thomas Wenzel und Frank Johannsen