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Wirtschaft Regional Kraftprobe Weihnachtsgeschäft: Paketbranche kommt an ihre Grenzen
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00:21 10.12.2017
DHL-Paketbote Quelle: dpa
Leipzig

Verpacken, sortieren, aufladen, abliefern: Alle Jahre wieder herrscht in den Wochen vor Weihnachten Hochbetrieb bei den Paketdiensten und in den Logistikzentren der Versandhäuser. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) rechnet damit, dass im November und Dezember 290 Millionen Pakete an private Empfänger zugestellt werden. Das sind 30 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum, sagt Sprecherin Elena Marcus-Engelhardt und ergänzt: „An besonders stressigen Tagen befördern die Boten bis zu 15 Millionen Sendungen.“

Wie in den Vorjahren haben DHL, Hermes und Co. deshalb Tausende zusätzliche Fahrer und Fahrzeuge eingestellt respektive gemietet. Rund 135 000 Zusteller sind laut BIEK, dessen Kürzel noch vom früheren Namen Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste herrührt, in diesen Wochen im Bundesgebiet im Einsatz, gut 25 000 davon als Saisonkräfte. Die sind auch bitter nötig. „Im Durchschnitt werden in der Vorweihnachtszeit 20 Prozent mehr Pakete ausgeliefert als im Rest des Jahres, in der Spitze können es bis zu 50 Prozent mehr sein“, betont Marcus-Engelhardt. Für diese Flut sorge vor allem das rasante Wachstum des Onlinehandels.

Zu konkreten Kennzahlen für den mitteldeutschen Raum – auszuliefernde Paketmenge, saisonbedingte Aufstockungen – schweigen die Dienstleister. Nur so viel: Der enorme Druck auf die Branche und die schwierige Suche nach geeignetem Personal sind auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu spüren. „Leipzig ist für uns ein Hotspot“, sagt etwa Hermes-Sprecher Ingo Bertram. „Und gerade dort stehen wir vor großen Herausforderungen.“ So gebe es in der Messestadt einen relativ begrenzten Pool an potenziellen Mitarbeitern, der sich zusehends erschöpfe.

Verdi kritisiert schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen

Besonders aufwendig ist die Lieferung auf der sogenannten letzten Meile, also dem letzten Wegstück beim Transport der Ware zur Türschwelle des Empfängers. Diese haben viele Wettbewerber inzwischen auf Sub- und Sub-Subunternehmen verlagert, sagt Andreas Wiedemann, Postfachbereichsleiter der Gewerkschaft Verdi im Landesbezirk Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen: „Das bedeutet im Regelfall keine Tarifverträge und Betriebsräte – und somit schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen für eine sehr schwere Tätigkeit. Dafür finden sich immer weniger Menschen bereit, ihre Gesundheit zu opfern.“

Durch das historisch hohe Sendungsvolumen wächst der Druck, Veränderungen in der Branche herbeizuführen. Hermes hat zum Beispiel erstmals regionale Mengenobergrenzen mit einigen Onlinehändlern vereinbart. Ob es damit in Mitteldeutschland zu einer Beschränkung kommen wird oder nicht, werden die kommenden Wochen zeigen, sagt Sprecher Bertram auf Nachfrage. Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, will das zur Otto-Gruppe gehörende Unternehmen überdies Zusatzgebühren für das Weihnachtsgeschäft 2018 einführen.

Kommt eine Zusatzgebühr für Lieferungen direkt bis an die Haustür?

Ebenfalls in der Branche im Gespräch sind neue Preismodelle und Zustellalternativen, etwa die verstärkte Nutzung von Paketshops. DPD denkt offen über einen möglichen Aufschlag für Lieferungen direkt bis an die Haustür nach. Auch habe sich die Firma mit großen Kunden auf Mengenprognosen für die Weihnachtssaison verständigt, teilt Sprecher Peter Rey mit: „Mit starren Obergrenzen ist dies allerdings nicht gleichzusetzen.“ Marktführer DHL, der am Airport Leipzig/Halle sein europäisches Luftfrachtdrehkreuz betreibt, will von einem Limit nichts wissen. Von einem Sprecher heißt es, dass weder eine Paketobergrenze noch Weihnachtszuschläge geplant sind.

Welchen Weg die einzelnen Unternehmen künftig auch beschreiten – am Grundproblem ändere sich nichts, meint Verdi-Fachmann Wiedemann: „Wenn der Interneteinkauf im Ergebnis – trotz Hin- und Rücksendung – günstiger ist, als der Einkauf im örtlichen Einzelhandel, werden viele Kunden auf das Internet setzen.“ Solange die Großhändler Druck auf die Paketdienstleister ausüben könnten, würden diese den Kostendruck immer weiterreichen – „indem die Zusteller die Zeche zu zahlen haben“, so der Gewerkschafter. „Das machen am Ende viele Beschäftigte nicht lange oder gar nicht erst mit.“

Von Matthias Klöppel

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