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LVV-Chef Josef Rahmen: "Die Schlagzahl allmählich reduzieren"

LVV-Chef Josef Rahmen: "Die Schlagzahl allmählich reduzieren"

Josef Rahmen hat am Montag seinen letzten Arbeitstag als Chef der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV). Bevor er den Staffelstab für eines der fünf größten Unternehmen in Ostdeutschland (4,2 Milliarden Euro Umsatz, 4800 Mitarbeiter) an Norbert Menke übergibt, sprachen wir mit dem 62-Jährigen.

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LVV-Chef Josef Rahmen scheidet am Monatg aus dem Amt.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Frage: Stimmt es, dass Sie demnächst den Jakobsweg gehen wollen?

Josef Rahmen: Ich versuche, einen gleitenden Übergang von 100 Prozent im Job auf den Ruhestandsmodus hinzulegen. Der Jakobsweg dauert etwa sechs Wochen. Das hat mich schon länger gereizt, war bislang aber zeitlich nicht drin. Dennoch werde ich nun sicher nicht gleich zum Aussteiger, sondern möchte die Schlagzahl allmählich reduzieren. Beruflich plane ich eine selbstständige Tätigkeit, bei der ich auch wieder meiner heimlichen Liebe - dem Messegeschäft - frönen kann.

Beraten Sie dann auch die LVV?

Nein. Ich glaube nicht, dass Norbert Menke und Volkmar Müller meine Beratung benötigen. Sie verstehen ihr Geschäft. Da ich aber weiterhin in den Aufsichtsräten von VNG und ECC bin, werde ich die LVV bei diesen wichtigen Beteiligungen gerne unterstützen.

Braucht der Leipziger Stadtkonzern nach sechs Jahren Umstrukturierung unter Ihrer Leitung also keine Beratung mehr?

In der Tat hat sich das Unternehmen sehr gut entwickelt. 2013 war sicher eines der besten Jahre der LVV-Gruppe. Aber es gibt weiterhin große Herausforderungen, zum Beispiel was die Beteiligungen der LVV betrifft, wo ein guter Ratschlag erforderlich sein könnte. Ich bin stolz darauf, dass es solche Verfehlungen wie bei einem Herrn Hanss oder einem Herrn Heininger heute in der LVV nicht mehr geben kann. Auch das wurde durch die Umwandlung zur Managementholding erreicht, bei der klare Strukturen entstanden.

Die Eigenkapitaldecke ist aber recht dünn. Entsteht da kein Loch, wenn die LVV auch noch Erfurter VNG-Aktien für bis zu 80 Millionen Euro kaufen soll?

Die Städte Erfurt und Leipzig werden einen unabhängigen Gutachter mit der Wertermittlung des Erfurter Anteils an der VNG beauftragen. Verantwortungsvoll ist es, das Ergebnis dieses Gutachters abzuwarten. Deshalb hat die LVV auch nie öffentlich einen Kaufpreis genannt. Wir sind ein kommunales Unternehmen und müssen immer sehen: Welches Ziel hat unser Gesellschafter, die Stadt Leipzig? VNG als größter ostdeutscher Konzern ist ein Garant für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Leipzig und Sachsen. Egal, wie das Wetter war oder die Politik: Bei der Versorgungssicherheit mit Erdgas gab es seit 20 Jahren nie Probleme, was auch für Wirtschaftsfirmen wie Porsche oder BMW wichtig ist.

Und das Loch beim Eigenkapital?

Selbst wenn die Eigenkapitalquote um zwei Prozent sinkt, überwiegen die Vorteile des Aktienkaufs. VNG ist ein guter Partner für die Stadtwerke, die Dividende und die regionalwirtschaftlichen Effekte sind allemal höher als die Zinsen am Kapitalmarkt.

Was tut der Stadtkonzern, um die Lebenshaltungskosten für die Einwohner Leipzigs erschwinglich zu halten?

Vieles. Deshalb ist die LVV auch seit zwei Jahren eine große Baustelle. Wir sind dabei, den Konzern effizienter aufzustellen, um unsere Investitionsfähigkeit aus eigener Kraft zu stärken. Wir haben uns von Tochterfirmen, die nicht zur Daseinsvorsorge gehören, getrennt. Von den 10 Millionen Euro, die wir bis Ende 2015 dauerhaft einsparen wollen, werden knapp 3,5 Millionen bis Ende 2014 erreicht. Wir sparen so, dass die Kunden der Verkehrsbetriebe, Stadt- und Wasserwerke davon idealerweise gar nichts merken. Wichtig: Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Jeder bei uns gesparte Euro kommt letztlich den Bürgern Leipzigs zugute.

Noch mal zu Ihrer heimlichen Liebe, dem Messegeschäft. Wie kam es damals zu einem Ihrer größten Erfolge, der Games Convention?

Nach 17 Jahren bei der Messe Düsseldorf war ich von 1992 bis 2008 für die Leipziger Messe tätig. Nachdem im Jahr 1996 ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit, der Messeneubau, abgeschlossen war, galt es neue Herausforderungen im operativen Messegeschäft anzugehen. In meiner damaligen Zuständigkeit für Konsumgütermessen haben wir Ansätze gesucht, wie man für das Thema Information und Kommunikation neue Veranstaltungen entwickeln kann. Eine Idee war, den zur CEBIT gehörenden Bereich der Computerspiele zu einer eigenen Messe zu entwickeln. Dies ist uns mit der GC hervorragend gelungen. Stolz bin ich auch darauf, die Konsumgütermessen und die Serviceunternehmen der Messe erfolgreich im Markt platziert zu haben.

Ist es traurig, dass die Games Convention dann 2008 nach Köln umzog?

Es war eine schmerzliche Niederlage für Leipzig. Es gibt aber auch viele positive Entwicklungen aus den 90er Jahren, wie das Paket etablierter Gesundheitsmessen, aus der die Orthopädie+Reha-Technik als eine Welt-Leitmesse hervorgegangen ist. Auch das Kongress-Geschäft läuft ausgezeichnet, um mal einige Pluspunkte zu nennen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.03.2014

Jens Rometsch

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