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Wirtschaft Regional Leipziger Porsche-Werk umschifft strengere Abgastests
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20:01 20.08.2018
Vor allem am Heck hat Porsche beim Macan-Faclift nachgebessert. Im Leipziger Werk ist die Produktion schon angelaufen – geliefert wird aber vorerst nur nach China. Quelle: www.goico.eu
Leipzig

China statt Parkhaus: Während VW jetzt den Flughafen BER mit
Neuwagen füllt, die mangels Abgastest nicht ausgeliefert werden dürfen, fährt die Konzernschwester Porsche einfach den Export hoch – vor allem nach China. „Wir haben das von Anfang an so geplant, dass wir im ersten Halbjahr vor allem für Europa produzieren und im zweiten Halbjahr dann verstärkt für die USA und China“, sagte Porsche-Sprecher Christian Weiß. Denn dort gilt der neue Abgastest WLTP, mit dem derzeit fast alle Hersteller zu kämpfen haben, nicht.

Wer in Europa einen neuen Porsche kaufen will, hat aber erst einmal das Nachsehen. Die Leipziger Modelle Macan und Panamera werden hier ab dem nächsten Monat vorübergehend nicht zu haben sein. Denn ab dem 1. September dürfen hier nur noch Neuwagen zugelassen werden, die den neuen strengen Abgastest bestanden haben. Porsche muss deshalb in allen Benzinern Partikelfilter nachrüsten. Und weil das alle Modelle aller Hersteller gleichzeitig trifft, sind die Prüfstände völlig überlastet. „Prüfkapazitäten sind gerade schwer zu kriegen. Deshalb müssen wir clevere Lösungen finden, um die Werke auszulasten“, so der Sprecher.

Neuer Macan kommt erstmals zuerst nach China

Erstmals in der Firmengeschichte wird sogar ein neuer Porsche in China früher als in Deutschland zu haben sein: Das Facelift des in Leipzig gebauten Macan, das Ende Juli in Shanghai präsentiert wurde, wird dort auch als erstes zu den Händlern kommen. Schließlich ist das Land schon bisher wichtigster Markt für das Modell; jeder dritte Macan ging 2017 von Leipzig direkt in das Reich der Mitte. „Das hat aber natürlich auch mit dem Thema WLTP zu tun“, so Weiß. Denn bisher hatte Porsche neue Modelle stets zunächst in Europa gestartet, die USA und China dann später folgen lassen. Jetzt läuft es zum ersten Mal umgekehrt.

Im Leipziger Werk ist die Produktion des neuen Macan für China bereits angelaufen. Derzeit werden Vorführwagen und Händlerfahrzeuge gebaut, nächste Woche soll der erste Wagen für einen Kunden vom Band rollen. Er geht dann per Zug direkt nach Bremerhaven – und vorn dort per Schiff nach China. Mitte November soll er dort an den ersten Eigner des aufgehübschten Modells ausgeliefert werden.

Vom selben Band läuft in Leipzig derzeit noch das bisherige Modell für den europäischen Markt. Denn hier müssen alle Bestellungen bis 31. August abgearbeitet sein, damit die Autos noch zugelassen werden können. Bestellt werden kann das alte Modell bereits seit Monaten nicht mehr. Und die Facelift-Version lässt sich derzeit nur in China ordern.

Modellpalette wird ausgedünnt

Porsche hatte schon im Mai angekündigt, wegen der neuen Abgastests vorübergehend die Modellpalette auszudünnen. „Die kurzfristig um ein Jahr vorgezogenen EU-Fristen zur WLTP-Zertifizierung setzen uns enorm unter Last“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume. „Aufgrund erheblicher Engpässe bei den Prüfstandsverfügbarkeiten, die alle Hersteller treffen, ist das aktuell eine große Herausforderung.“

Top-Priorität hat derzeit der Sportwagen 911. Porsche setzt derzeit alles daran, dass zumindest dieses Modell im September nahtlos zur Verfügung steht. Danach sollen die kleineren Sportwagen Cayman und Boxster folgen. Als nächstes dürfen dann wohl der Verkaufsschlager Macan an die Reihe kommen. Medienberichten zufolge soll das Facelift bereits Ende September in Europa bestellbar sein. Porsche spricht nur von einer Markteinführung im Herbst. Der ebenfalls in Leipzig gebaute Panamera dürfte noch länger auf sich warten lassen.

So lange wird nur für das Nicht-EU-Ausland produziert. Zum Glücksfall wird für Porsche jetzt der hohe Exportanteil. Weil die Marke ausschließlich in Europa produziert, nur ein Drittel der Fahrzeuge aber auch hier verkauft wird, kann Porsche jetzt einfach den Export hochfahren – und die Werke in Leipzig und Stuttgart ohne einen einzigen Neuwagen für Europa weiter voll auslasten.

VW mietet Flughafen BER als Stellfläche an

Bei der Konzernschwester VW funktioniert das nicht so einfach. Zwar ist auch dort China der wichtigste Absatzmarkt. Die dort verkauften Autos werden aber fast komplett vor Ort gefertigt. Und auch in den USA werden vor allem Autos aus den Werken in Tennessee und Mexiko verkauft. In Zwickau wird dagegen ausschließlich für Europa gefertigt. Und weil es hier überall mit den WLTP-Tests hakt, produziert VW inzwischen auf Halde – und nutzt den unvollendeten Flughafen BER als Zwischenlager.

Vor einer Woche kamen dort die ersten Neuwagen an, die zwar die neue Abgasnorm erfüllen, aber mangels Freigabe durch das Kraftfahrt-Bundesamt nicht ausgeliefert werden dürfen. Damit der Rückstau nicht noch größer wird, hat VW inzwischen in Wolfsburg und Zwickau die Produktion gedrosselt und legt gezielt Schließtage ein.

BMW hat Umstellung bereist abgehakt

Dass es auch besser geht, zeigt Konkurrent BMW. Anders als VW, Porsche, Audi und auch Daimler hat man dort keinerlei Probleme mit der WLTP-Umstellung. „Wir haben uns frühzeitig die notwendigen Prüfkapazitäten gesichert“, sagte Werkssprecher Jochen Müller. Die Zertifizierung ist bei BMW daher weitgehend durch. Fast alle BMW-Modelle – darunter sämtliche Leipziger Baureihen – seien längst umgestellt und genehmigt. „Bei uns gibt es keine Schwierigkeiten, die Produktion läuft unverändert weiter.“

Der Ärger der Konkurrenten, die im September das Sortiment abspecken müssen, lässt BMW-Chef Harald Krüger nun sogar Morgenluft schnuppern. Denn BMW dürfte dann wohl der einzige deutsche Hersteller sein, der voll lieferfähig ist. „Das“, so Krüger vor drei Wochen bei der Halbjahresbilanz, „müsste Chancen für uns geben.“

Von Frank Johannsen

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