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Wirtschaft Regional Leipziger Tagesmütter sauer: Mehr Geld für ihre Arbeit, dafür weniger für laufende Kosten
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23:59 15.02.2015
Tagesmutter Susann Streit mit ihren Schützlingen Oskar, Alexandra, Emilia, Emil und Zoe (von links) in der Rathenaustraße. Quelle: André Kempner

"Über die angekündigte Erhöhung haben wir uns gefreut, die Stadt hat das Urteil umgesetzt und erkennt unsere Leistung an", sagt Susann Streit, die in der Rathenowstraße Steppkes umsorgt. Im Gegenzug habe die Stadt allerdings Mittel für Sachkosten gekürzt.

Zur Erinnerung: Die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Leipzig hat einer Klägerin Recht gegeben und das Rathaus am 12. Juni 2014 dazu verurteilt, die Bezahlung für Tagespflegepersonen neu festzulegen - dabei ging es hauptsächlich um die persönliche Förderleistung, die die Tagesmütter erbringen. Unterstützt wurde die Klage von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die der Stadt vorgeworfen hatte, jahrelang Dumpinglöhne gezahlt zu haben. Wie berichtet, sieht der Vorschlag von Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) nun vor, dass die Leistung für die neunstündige Betreuung eines Kindes künftig mit 513,32 Euro pro Monat vergütet wird. "Sie sollen für ihre gute Arbeit künftig mehr Geld erhalten." Bislang waren es 493,54 Euro, wobei darin eine Förderleistung von 163,51 Euro sowie ein Sachaufwand von 330,03 Euro für Miete, Hygienebedarf oder Beschäftigungsmaterial enthalten waren. Jeweils berechnet auf eine Neun-Stunden-Betreuung, wobei in einer "Leipziger Kleinkrippe" bis zu fünf Kinder aufgenommen werden können. Hinzu kommt eine Pauschale für die Altersvorsorge von 42,53 Euro.

So weit, so gut. Mit der Neuregelung ändern sich aber Zuschüsse für die Sachkosten: Wird das Kind neun Stunden im eigenen Haushalt betreut, zahlt die Stadt 113,45 Euro, in angemieteten Räumen 129,72 Euro sowie im Haushalt der Eltern 20,83 Euro pro Monat. "Die Stadt Leipzig spricht von einer Qualitätsoffensive in der frühkindlichen Bildung. Sie kürzt aber gleichzeitig notwendige Mittel zur qualitativen Bildungsarbeit in der Kindertagespflege", ärgert sich Gewerkschaftssekretär Andreas Giersch, der mehr als 100 Tagesmütter vertritt. Unterm Strich seien die Betroffenen gezwungen, vom Geld für ihren Lebensunterhalt laufende Ausgaben ihres Betriebes zu bestreiten - Miete, Reinigung, Wäsche, Strom, der notwendige Ersatz von Möbeln, Spielzeug, Fachliteratur, Weiterbildung - So gebe es laut Gewerkschaft durchschnittlich pro Kind 204 Euro weniger für Sachkosten. "Den sächsischen Bildungsauftrag wollen wir ja ebenso wie in der Krippe umsetzen", ergänzt Tagesmutter Streit. Sie vergleicht die Vorlage mit einer Diätenerhöhung für Politiker, die dann plötzlich weniger fürs Büro oder den Dienstwagen bekommen.

Im Jugendamt wird der Vorschlag allerdings verteidigt: Wer fünf Kinder in Vollzeit betreut, kann 2566,60 Euro brutto als Pflegeleistung bekommen. Allerdings: Ein Großteil der Betroffenen kümmert sich um weniger Kinder, größtenteils sind die Plätze auch nicht das ganze Jahr ausgelastet. Über soziale Netzwerke bekunden Tagesmütter ihren Unmut - vor allem wegen der Sachkosten. Kritisiert wird beispielsweise, dass Raumgrößen zu niedrig angesetzt seien - zumal die meisten Betreuer bereits größere Wohnungen nutzen und kleinere kaum zu bekommen sind. Bei den Berechnungen wurde eine durchschnittliche Kaltmiete von 5,44 Euro zugrunde gelegt, die liegt aber inzwischen bei 6,14 Euro.

Im vorigen September gab es etwa 585 Tagespflegepersonen, die 2673 Kinder betreuten. Weil die Geburten steigen und immer mehr Familien nach Leipzig ziehen, ist die Stadt interessiert, jenes Angebot stabil zu halten. Um die höheren Leistungen zu finanzieren, sind im Haushalt der Stadt Leipzig 2015 rund 3,6 Millionen Euro sowie 4,5 Millionen Euro fürs Jahr 2016 notwendig.

Die Gewerkschaft hat sich nun an die Fraktionen der Stadtrates gewandt, den Vorschlag noch einmal zu überdenken. Der soll auf der nächsten Tagung am 25. Februar beschlossen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.02.2015

Mathias Orbeck

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