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Wirtschaft Regional Leipzigerin macht Zwei-Personen-Agentur Projecter zur bundesweit aktiven Firma
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23:03 06.02.2019
Katja von der Burg kümmert sich mit ihrer Agentur Projecter von Leipzig aus um das Online-Marketing von Firmen in ganz Deutschland. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Knuffig sieht es ja aus, das plüschig-blaue Firmenmaskottchen. Als körpergroßes Kostüm begrüßt das gehörnte Etwas mit dem freundlichen Lächeln die Besucher der Leipziger Online-Marketing-Agentur Projecter. Aber kann man sich in dem Aufzug überhaupt bewegen? Man kann, versichert Chefin Katja von der Burg. „In dem Kostüm bin ich schon selbst den Fichtelberg runtergefahren.“

Das war im vergangenen Jahr bei einem Teamausflug der gut 50 Mitarbeiter nach Oberwiesenthal. „Als ich mir auf dem Parkplatz das Kostüm angezogen hab, da waren sofort die ersten Leute da, die ein Foto wollten. Und als wir mit der Gondel hochgefahren sind, ist es dann völlig eskaliert.“

Vor allem bei den Kindern in der Gondel gab es kein Halten. Und die Abfahrt selbst? „Die war schon hart.“ Denn wirklich lenken lasse sich in dem Aufzug nicht. „Aber ich bin heil unten angekommen. Wenn auch schweißgebadet.“

PJ – gesprochen englisch Piedschäi – ist seit vier Jahren der ständige Begleiter der Agentur, die sich von Leipzig aus um das Online-Marketing großer und kleiner Firmen kümmert. „PJ hat schon viel erlebt“, sagt die 39-Jährige. Wofür die Buchstaben stehen? Von der Burg schüttelt den Kopf: „Einfach nur PJ.“ Wobei es natürlich kein Zufall ist, dass die Buchstaben des Maskottchens auch im Firmennamen auftauchen: Projecter.

55 Mitarbeiter kümmern sich in dem Großraumbüro in bester Leipziger Innenstadtlage darum, dass Firmen im Internet erfolgreich sind. Mehr als drei Millionen Euro Umsatz macht die Firma damit inzwischen.

Angefangen hat es deutlich kleiner. Nach dem Journalistik- und Politik-Studium in Leipzig hatte die gebürtige Torgauerin 2006 zunächst als Marketingfrau – damals noch unter ihrem Mädchennamen Katja Noch – beim damals jungen Start-up Spreadshirt in Leipzig-Plagwitz angefangen, das individuell bedruckte T-Shirts übers Internet vertreibt.

Und dort habe sie dann erstmals etwas mit Online-Marketing zu tun gehabt. „Das war schon cool. Das Thema war damals ja noch super neu“, erinnert von der Burg. „Das war mein Einstieg ins Online-Marketing.“ Nebenbei studierte sie noch BWL an der Fernuni Hagen.

Ende 2007 machte sie dann zusammen mit einem Kollegen aus der Firma und mit Rückendeckung der Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski und Kolja Heben-streit ihre eigene Firma auf: Projecter. Erster Kunde war der Passauer Frühstücksflocken-Versender mymuesli.de, zweiter der Berliner Online-Optiker Mister Spex. Nach einem Jahr hatte die Agentur neben den beiden Gründern bereits zwei Angestellte – und die erste Krise.

Denn nach der Lehmann-Pleite im September 2008 strichen viele Firmen ihre Etats zusammen. „Da haben in einer Woche drei große Kunden gekündigt.“ Und Projecter rutschte in die roten Zahlen. „Zum Glück aber nur kurz.“ 

Denn in der Krise hätten dann viele etablierte Firmen angefangen, ihre Marketing-Etats umzuschichten – und mehr ins Digitale zu investieren. „Da kamen viele plötzlich zum ersten Mal auf die Idee, etwas mit Online-Marketing zu machen.“ Projecter bescherte das viele neue Kunden, etwa die Sportartikelkette Sportscheck. „Eigentlich war das für uns ein Glücksfall. Die Krise hat damals den Digitalisierungsstau etwas aufgelöst. Rückblickend muss ich sagen: Wir haben davon sogar profitiert.“

Anfangs hatte sich die Firma vor allem darum gekümmert, bezahlte Links auf Google-Trefferseiten zu schalten. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Geschäftsfelder hinzu: Partnerprogramme für Unternehmen betreuen, bei denen diese Blogger und kleine Website-Betreiber für online vermittelte Abschlüsse Provision zahlen. Internetseiten optimieren, damit sie von Suchmaschinen besser gefunden werden. Und dann natürlich Social Media: Ganze Facebook- und Instagram-Auftritte werden von Leipzig aus gesteuert. 

Bei Bedarf betreut die Agentur auch komplette Kampagnen, wie im vergangen Jahr für die Handwerkskammer Dresden. Weil deren Mitgliedsbetriebe sich immer schwerer tun, Azubis zu finden, kam man dort auf die Idee, etwas neues auszuprobieren. „Die kamen zu uns und sagten, sie würden gern mal etwas mit Influencern machen.“ Ein junger Youtube-Star, so die Idee, sollte seinen ebenso jungen Fans eine Ausbildung im Handwerk schmackhaft machen.

Projecter fand dann auch den passenden Youtuber – in Kiel. Max, der sich im Internet Echtso nennt, ist erst 15, auf Youtube aber schon ein Star mit einer halben Million Abonnenten. Für die Handwerkskammer zog er dann zwei Tage lang durch Ostsachsen, schraubte in Dresden vor laufender Kamera Waschbecken an, buk in einer Bäckerei eine Torte, setzte sich beim Landwirt auf den Traktor – und postete dann alles auf Youtube.

„Das hat richtig gut funktioniert“, sagt von der Burg. Die Resonanz war gewaltig. Inzwischen gebe es mehrere Anfragen von anderen Kammern, die die Idee gern aufgreifen würden.

Das Problem kennt die Unternehmerin, selbst alleinerziehende Mutter von inzwischen 14-jährigen Zwillingen, aus eigener Erfahrung. „Wir sind verzweifelt auf der Suche nach Mitarbeitern, müssen manchmal schon Kunden ablehnen, weil wir die Nachfrage nicht bedienen können.“

Und weil es lange gar keine Ausbildung für Online-Marketing gab, hat sie ihr eigenes Trainee-Programm aufgelegt, um Uni-Absolventen innerhalb eines Jahres fit zu machen für den Job als Spezialist. „Vom Archäologen über Mathematiker bis hin zum Sozialwissenschaftler haben wir alles dabei.“ 

Auch das Maskottchen PJ hat die Firma einer krea­tiven Mitarbeiterin zu verdanken: Die habe das Fabeltier zunächst gezeichnet und später eine kleine Plüschfigur genäht. Und weil die so gut ankam, ließ die Firma dann nach der Vorlage das große Kostüm schneidern. Seither darf PJ bei Weihnachtsfeiern die Geschenke verteilen, ist beim alljährlichen Maskottchen-Rennen auf der Leipziger Pferderennbahn dabei – und durfte 2018 auch beim Wave-Gotik-Treffen zum Viktorianischen Picknick.

Dass die Chefin darin dann persönlich den Fichtelberg herunterfuhr, ist kein Wunder: Die 39-Jährige ist leidenschaftliche Ausdauersportlerin. Im vergangenen Juli bezwang sie beim Challenge Roth in Franken ihren ersten Triathlon, einen Monat später durchquerte sie samt Familie per Mountain-Bike die Alpen. „Ich trainiere schon viel. Aber das brauche ich einfach. Den ganzen Tag nur am Computer sitzen, das funktioniert bei mir einfach nicht.“ Das PJ-Kostüm überlässt sie dabei dann aber doch lieber anderen. „Das war schon krass. Das mache ich so schnell nicht wieder.“

Der Wirtschaftspreis „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft PwC, der LBBW, und der Gesundheitskasse AOK Plus.

Bewerbungen bis 8. Februar 2019 unter www.unternehmerpreis.de

Von Frank Johannsen

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