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Leipzigs Taxibranche im Wandel: Kunden haben Verständnis für neue Preise

Leipzigs Taxibranche im Wandel: Kunden haben Verständnis für neue Preise

In Leipzigs Taxi-Branche vollzieht sich ein Wandel: Seitdem Mindestlohn gezahlt werden muss, sind die Taxipreise gestiegen, der finanzielle Druck auf die Unternehmen ist gewachsen.

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(Symbolfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Die LVZ sprach darüber mit Hans-Jürgen Zetzsche (Funktaxi 4884), Hans-Jörg Brauer ("Das Taxi mit der Mütze"), Rolf Kaaden und Uwe Franz (Taxigenossenschaft Leipzig).

Frage: Der Mindestlohn macht vielen Branchen stark zu schaffen. Wie kommt Leipzigs Taxi-Gewerbe damit zurecht?

Hans-Jürgen Zetzsche: Das Leipziger Taxigewerbe lehnt den Mindestlohn nicht ab. Unzureichend war jedoch die Zeit für eine entsprechende Vorbereitung und es fehlen noch immer verbindliche Regelungen zu seiner Umsetzung. Man hätte dieses Gesetzespaket nicht in einem solchen Schweinsgalopp verabschieden dürfen. Zum Experimentieren ist dieses Thema grundsätzlich ungeeignet. Unser Gewerbe hat mit der Einführung des Mindestlohnes zwei grundlegende Probleme: Die enorme Steigerung der Lohnhöhe um mehr als 50 Prozent und die Änderung der Lohnform von einem reinen Provisionslohn in einen Stundenlohn, unabhängig von der tatsächlichen Fahrleistung. Daraus entstehen Existenzängste bei Angestellten und Unternehmern. Die Auswirkungen werden wir spätestens Ende des ersten Quartals feststellen, wobei es schon jetzt Entlassungen von Chauffeuren und Konzessionsrückgaben an die Stadt Leipzig gab.  

Leipzigs Taxitarife wurden zu Jahresbeginn um rund 26 Prozent angehoben. Was sagen die Kunden?

Hans-Jörg Brauer: Diese Tariferhöhung war ausschließlich wegen der Einführung des Mindestlohnes notwendig, aber sie gewährleistet noch immer nicht die Zahlung des Mindestlohnes. Die meisten Kunden haben, wenn auch zähneknirschend, Verständnis für die neuen Preise. Aber es gibt auch Kunden, die schon angedeutet haben, zukünftig einfach weniger Taxi zu fahren.

Wirken sich die neuen Tarife jetzt schon auf Ihr Geschäft aus?

Rolf Kaaden: Dafür ist der Beobachtungszeitraum seit Einführung des neuen Tarifes noch zu kurz. Auch wenn in der Bevölkerung durchaus Verständnis gezeigt wird, rechnen wir in der Übergangszeit mit möglichen Umsatzrückgängen. Langfristig hoffen wir auf Akzeptanz.

Haben wir in Leipzig mehr Taxis als in vergleichbaren Großstädten?

Hans-Jürgen Zetzsche: Wenn man die Zahl zum Beispiel mit Dresden vergleicht, gibt es in Leipzig etwa 170 Taxen mehr, bei annähernd gleicher Einwohnerzahl. Vergleicht man mit Frankfurt, Berlin oder Hamburg, ist die Anzahl Taxi pro 1000 Einwohner in Leipzig kleiner. Mit welchen Städten wollen wir uns vergleichen? Hoffen wir, dass wir uns in Leipzig wie Frankfurt, Berlin oder Hamburg entwickeln, dann stimmt die Zahl wieder. Da wir einen reinen Gelegenheitsverkehr und keinen Linienverkehr anbieten, muss für die schnelle und zuverlässige Realisierung der Fahrgastwünsche, auch für Notfälle, immer ein gewisses Angebot vorgehalten werden, wobei der Bedarf sehr spontan - zum Beispiel witterungsabhängig - und nicht planbar ist.

Sie sagen, für manche Unternehmer lohnt es nicht mehr, alle Fahrer zu beschäftigen. Wird so die Flotte ausgedünnt?

Hans-Jörg Brauer: Um wirtschaftlich zu arbeiten und den Mindestlohn zahlen zu können, gehen wir davon aus, dass Unternehmer ihre Fahrer zukünftig so einsetzen, dass diese nur zu Zeiten arbeiten, in denen auch sehr wahrscheinlich ein entsprechender Umsatz erzielt werden kann. Wartezeiten des Fahrers von bis zu zwei Stunden sind nicht mehr finanzierbar. Die Konsequenz könnte sein, dass durchschnittlich weniger Fahrzeuge im Einsatz sein werden. Fragen Sie uns am Ende des ersten Quartals dazu noch einmal.

Könnte es dann bald Engpässe geben - zum Beispiel in den Nachtstunden?

Rolf Kaaden: Das ist nicht auszuschließen. Die derzeitige, schnelle Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit kann sicher so nicht mehr immer gewährleistet werden. Besonders bei spontanem Mehrbedarf - zum Beispiel durch Wettereinflüsse, Störungen im Bahn-, Straßenbahn- oder Busverkehr - können sich Wartezeiten verlängern.

Befürchten Sie, dass künftig mehr Schwarztaxen in Leipzig unterwegs sind?

Uwe Franz: Das aus DDR-Zeiten bekannte "Schwarztaxi" gibt es nicht mehr. Das Gewerbe unterliegt heute so strengen Kontrollen, dass dies nicht möglich sein sollte. Solange es einen guten Taxiservice gibt, wird kein Fahrgast zu einem ihm unbekannten Menschen in ein Fahrzeug steigen. Heute müssen wir uns gegen andere, ungesetzlich agierende Anbieter zur Wehr setzen. Online-Dienste versuchen, nicht zur Personenbeförderung zugelassene Fahrzeuge und Fahrer auf den Markt zu bringen.

Ist es denkbar, dass Online-Dienste wie "Uber Pop" auch in Leipzig an Boden gewinnen?

Hans-Jörg Brauer: "Uber Pop" ist nach einem Beschluss des Landgerichtes Berlin auf jeden Fall ungesetzlich. Unsere Aufgabe muss es in Zukunft sein, noch stärker als bisher unser persönliches Engagement für jeden Fahrgast in den Mittelpunkt zu stellen. Das müssen wir nicht sagen, das muss der Fahrgast spüren!

Wer ist heute Ihr klassischer Kunde?

Hans-Jürgen Zetzsche: Wir Leipziger Taxen befördern im Jahr etwa 2,5 Millionen Fahrgäste. Das sind rund zehn Prozent mehr Fahrgäste, als der Flughafen Leipzig/Halle Fluggäste hat. Unsere Kunden sind vor allem sehr viele ältere Menschen, Kranke und Behinderte. Ganz allgemein Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Wir fahren auch Schüler und Fahrgäste, die sich leider in unserer Stadt zu Fuß, und wenn es nur von der Haltestelle bis zur Haustür ist, nicht mehr sicher fühlen. Selbstverständlich fahren wir auch Dienstreisende, Urlauber und Gäste unserer Stadt nachts und an Wochenenden. Nicht selten sind wir auch "Retter in der Not".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.03.2015

Jan Emendörfer, Björn Meine u

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