Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Regional Leuna-Raffinerie sorgt für stabile Benzin-Versorgung im Osten
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Leuna-Raffinerie sorgt für stabile Benzin-Versorgung im Osten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:33 08.11.2018
Die Leuna-Raffinerie sichert im Osten Deutschlands eine stabile Benzinversorgung. Quelle: dpa/Sebastian Willnow
Leipzig

Autofahrer im Osten müssen sich keine Sorgen machen: Die Engpässe bei Benzin und Diesel – hervorgerufen durch den niedrigen Wasserstand am Rhein und seinen Nebenflüssen – bleiben auf West- und Süddeutschland beschränkt. Ostdeutschland sei nicht betroffen. Ebenso sei die Versorgung im Norden des Landes dank der Anbindung an die Weltmärkte gesichert, heißt es beim deutschen Mineralölwirtschaftsverband (MWV).

Die Kraftstoff-Versorgung in weiten Teilen Ostdeutschlands liegt in den Händen der Total-Raffinerie Leuna. Hier stelle sich die Situation „vollkommen anders dar“ als am Rhein, teilt die Total Deutschland GmbH mit. „Leuna erhält sein Rohöl per Pipeline aus Russland und die Kraftstoffe werden entweder direkt in der Region per Tankwagen ausgeliefert oder – und das trifft auf den größten Teil der in Leuna produzierten Kraftstoffe zu – per Bahn in Tanklager transportiert“, sagt Total-Sprecher Burkhard Reuss auf LVZ-Nachfrage. Dadurch sei Leuna nicht von Wasserständen der Flüsse abhängig.

Die Raffinerie leiste sogar einen Beitrag, um die Versorgung im Westen und Süden zu stabilisieren. Neu sei das aber nicht. Das gehöre zum Geschäft, so Reuss. Aktuell würde Leuna gern mehr Benzin und Diesel liefern, die Produktion gäbe das her. Aber es stünden nicht ausreichend Kesselwagen für den Bahntransport zur Verfügung. Das bestätigte auch MWV-Sprecher Alexander von Gersdorff. Auf dem Markt seien einfach keine zusätzlichen Wagen zu bekommen. Das sei aber kein Vorwurf an die Eisenbahnunternehmen, sondern ein Fakt.

Die 1997 in Betrieb genommene Erdölraffinerie in Leuna mit knapp 700 Mitarbeitern verarbeitet jährlich rund elf Millionen Tonnen Rohöl zu Produkten wie Methanol, Heizöl, Naphta (Rohbenzin), Propylen oder Bitumen für den Straßenbau. Und natürlich zu Benzin und Diesel – und versorgt damit rund 1300 Tankstellen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und darüber hinaus. Beliefert werden nicht nur Stationen von Total selbst, sondern auch alle anderen Ketten.

Die unterschiedliche Versorgungslage spiegelt sich auch in den Kraftstoffpreisen wieder. Während Kunden in Leipzig und in Dresden im Durchschnitt 1,34 Euro für Diesel und 1,53 für Superbenzin zahlen, liegen die Preise in vielen Regionen in Westdeutschland deutlich darüber. Im rheinland-pfälzischen Koblenz zum Beispiel kostet der Liter Diesel im Schnitt 1,48 Euro und der Liter Superbenzin 1,58 Euro. In Reutlingen (Baden-Württemberg) sind es 1,52 Euro für Diesel und 1,60 Euro für Benzin. In Konstanz am Bodensee müssen Autofahrer für den Liter Benzin sogar im Schnitt 1,75 Euro berappen. Zum Teil kam es auch schon zu Engpässen, ging einigen Tankstellen der Sprit aus.

Die höheren Preise seien dem verstärkten Logistikaufwand geschuldet, heißt es beim Mineralölwirtschaftsverband. Wegen der niedrigen Pegelstände am Rhein und seinen Nebenflüssen können Binnenschiffe vielfach nur mit halber Ladung und weniger fahren. Die Schifffahrt spielt traditionell bei der Verteilung von in westdeutschen Raffinerien erzeugten Treibstoffen eine wichtige Rolle. Aktuell wird versucht, Benzin und Diesel per Zug und Lastwagen zu transportieren, was aber wesentlich teurer ist.

Besonders schwierig ist die Lage in Süddeutschland. Denn zu den Logistikproblemen kommt hinzu, dass eine große Raffinerie im bayrischen Vohburg nach einer Explosion nur stark vermindert produzieren kann. Der Schaden wird nicht vor 2019 behoben sein.

Wann sich die Lage wieder normalisieren wird, ist schwer einzuschätzen, sagt Sprecher Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband. Am Rhein gebe es nach wie vor keine Entspannung. Auch der für das Wochenende erwartete Regen werde kaum für Veränderungen sorgen.

Von Andreas Dunte

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Selbstfahrende Busse am Schladitzer See, Tagebauanlagen als Besuchermagnet im Altenburger Land – mit solchen Projekte will sich die Region fit machen für den Ausstieg aus der Braunkohle. In Leipzig beraten seit Mittwoch Vertreter aus allen vier deutschen Revieren über diese und weitere innovative Ideen für den Strukturwandel.

07.11.2018

Weniger Kontrollen, aber immer mehr Verstöße gegen den Mindestlohn. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) schlägt nun Alarm und fordern deutlich mehr Kontrollen.

07.11.2018

Mit den russischen Antonow-Flügen für die Nato sollte in Leipzig/Halle eigentlich Ende Dezember Schluss sein. Doch jetzt springen die Ukrainer ein. Die Nato gab ihnen nun den Zuschlag, ab 2019 allein weiterzumachen.

05.11.2018