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Wirtschaft Regional Mehr als jeder vierte Azubi in Sachsen bricht seine Lehre ab oder wechselt
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22:01 04.04.2018
Angehende Kellner brechen besonders oft ihre Ausbildung ab. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Leipzig

Immer mehr Lehrlinge in Mitteldeutschland brechen ihre Ausbildung ab. Mehr als jeder vierte Azubi in Sachsen wirft vor Ablauf der regulären Ausbildungszeit hin. Damit liegt das Land mit einer Abbrecherquote von 28,3 Prozent über dem gesamtdeutschen Durchschnitt (25,8 Prozent), steht aber besser da als die anderen ostdeutschen Länder sowie Hamburg, das Saarland oder Schleswig-Holstein.

In Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern beendet jeder Dritte vorzeitig seinen Ausbildungsvertrag. Thüringen folgt mit 30,6 Prozent auf Platz fünf. Das teilt die Landesarbeitsagentur mit.

Bundesweit leichter Anstieg

Bundesweit wurden 146.376 Verträge im Jahr 2016 aufgelöst. Das entspricht knapp einem Prozentpunkt mehr als im Jahr davor, wie aus einem Entwurf des Berufsbildungsberichts 2018 hervorgeht. Damit haben so viele Jugendliche vor der Abschlussprüfung mit ihrer Lehre aufgehört wie seit Beginn der Neunzigerjahre nicht mehr.

Der Anteil der Vertragsauflösungen unterscheidet sich von Beruf zu Beruf teils erheblich. Bei Sicherheitspersonal und Restaurantfachkräften lag er zuletzt bei 50 Prozent, bei Köchen waren es 48,6 Prozent und im Gastgewerbe 40,8 Prozent. Dagegen beendeten nur 4,1 Prozent der Auszubildenden zu Verwaltungsfachangestellten ihre Lehre nicht. Überproportional hoch war der Abbrecher-Anteil bei Jugendlichen mit geringer Qualifikation.

Falsche Berufsvorstellungen

Laut Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig, sind die Gründe für den Abbruch einer Lehre unterschiedlicher Art. „Sie reichen von falschen Berufsvorstellungen seitens der Jugendlichen über Zeit- und Kostenaufwand für die teils langen Fahrtwege zur Berufsschule bis hin zu Unzufriedenheit seitens der Betriebe über erbrachte Leistungen oder mangelnde Motivation und Leistungsbereitschaft.“

Zudem erleichtere das gestiegene Angebot an freien Lehrstellen Jugendlichen auch den Wechsel in andere Ausbildungsverhältnisse, ohne dass dadurch zwangsläufig die Ausbildung abgebrochen werden müsse.

Abbruch oft auch Wechsel

Laut Kirpal wurden 2016 im IHK-Bezirk Leipzig 1016 Ausbildungsverhältnisse vorzeitig aufgelöst, das entspricht einer Quote von 14,1 Prozent. 37,6 Prozent der Vertragslösungen fanden in der Probezeit statt. Auch die Arbeitgeber relativierten die Zahlen am Mittwoch.

„Über die Hälfte der Vertragslösungen sind keine endgültigen Ausbildungsabbrüche, sondern gehen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebes oder des Ausbildungsberufs einher. Die Auszubildenden verbleiben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte“, sagte Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Die Abbruchquote liegt somit mit rund zwölf Prozent deutlich niedriger als im Hochschulbereich mit 29 Prozent.“

DGB-Vize Elke Hannack kritisierte: „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen.“ Die im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung enthaltene Mindestvergütung für Azubis wäre ein wirksames Instrument gegen Ausbildungsabbrüche, meinte Hannack weiter. Sie forderte: „Die Koalition muss sie schnell um setzen.“

Von Andreas Dunte und Roland Herold

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