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Wirtschaft Regional Mibrag kassiert Millionen für Geisterkraftwerk in Niedersachsen
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00:30 05.03.2018
Ist seit anderthalb Jahren ungenutzt in der Sicherheitsreserve: das Mibrag-Braunkohlekraftwerk Buschhaus in Helmstedt in Niedersachsen. Quelle: Foto: dpa
Zeitz/Helmstedt

Wirklich genutzt wurde die Sicherheitsreserve bisher nicht ein einziges Mal. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. „Die in der Sicherheitsreserve befindlichen Kohlekraftwerke wurden noch nicht angefordert“, heißt es. Trotzdem werden dafür Millionen fällig: 85 Millionen Euro waren es allein für 2017.

Der Löwenanteil dürfte dabei an die Mibrag-Tochter Helmstedter Revier GmbH gehen. Denn das niedersächsische Kraftwerk Buschhaus war 2016 die erste Anlage, die in die damals neue Reserve wechselte. Erst am 1. Oktober 2017 folgten zwei weitere Anlagen, beide in Nordrhein-Westfalen. Damit war Buschhaus 2017 die meiste Zeit des Jahres das einzige Reserve-Kraftwerk, für das bezahlt werden muss. Nach LVZ-Berechnungen dürften somit von den 85 Millionen Euro etwa 55 Millionen auf die Mibrag-Anlage entfallen.

Mibrag wartet noch auf den Bescheid der Netzagentur

Mibrag-Sprecherin Sylvia Werner konnte die Zahl am Freitag nicht bestätigen. „Wir warten noch immer auf den Be- scheid der Bundesnetzagentur.“ Eigentlich hätte der bis Ende 2017 eingehen sollen. Bisher wurden den beiden Netzbetreibern Tennet und Amperion nur Abschläge ausgezahlt, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Bei den genannten 85 Millionen Euro handelt es sich um den Betrag, den die beiden Netzbetreiber als Erlösobergrenze angesetzt haben.

Für 2018 sind sogar 149 Millionen Euro eingeplant. Davon dürften nach LVZ-Berechnungen 49 Millionen Euro auf die Mibrag entfallen. Denn die Summe verteilt sich in diesem Jahr auf mehrere Anlagen: Denn im Oktober gehen drei weitere Kraftwerke in die Reserve, darunter auch erstmals eines in den neuen Ländern: Block F des Leag-Kraftwerks Jänschwalde. Ein Jahr später folgt dort noch Block C und ein weiteres Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen. 2020 läuft die auf vier Jahre angesetzte Reserve dann aus.

Für die Mibrag wäre das mit Einnahmen von rund 200 Millionen Euro ein gutes Geschäft: Sie hatte das in der 80ern errichtete Kraftwerk Buschhaus erst 2013 zusammen mit dem Helmstedter Revier von Eon gekauft. Bezahlt hat sie damals laut eigenem Geschäftsbericht nur 3,6 Millionen Euro. Grund für den Eigentümerwechsel: Im Helmstedter Tagebau ging die Kohle zur Neige.

Die Mibrag sollte mit Kohle aus Profen in Sachsen-Anhalt einspringen. Doch stattdessen wurde Buschhaus am 24. September 2016 abgeschaltet. Zunächst drückte das die Mibrag sogar tief in die roten Zahlen: Weil die Abschaltung viel Geld kostete, aber noch keine Einnahmen aus der Sicherheitsreserve flossen, rutschte die Mibrag 2016 mit 44 Millionen Euro ins Minus.

80 Mitarbeiter halten Kraftwerk im Bereitschaftsbetrieb

Ganz eingemottet ist die Anlage in Buschhaus nämlich nicht. Von den einst 300 Mitarbeitern sind 80 weiter vor Ort. Denn bis Ende September 2020 muss Buschhaus jederzeit einsatzbereit sein. Im Falle von Versorgungsengpässen im Strommarkt muss das Kraftwerk innerhalb von elf Tagen zurück ans Netz gebracht werden können.

Nötig war das bisher aber nie. Und Experten halten das auch für ausgeschlossen. Schon 2016 galt die Sicherheitsreserve nur als Trick des damaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD), um für das Abschalten besonders dreckiger Kraftwerke zu bezahlen, ohne Ärger mit der EU wegen unerlaubter Beihilfen zu bekommen.

Das Geld sammeln die Netzbetreiber dann über die Netzentgelte bei den Stromkunden ein. „Es ist ein Unding, dass die Große Koalition die Stromkunden für Geisterstrom aus der Kohlereserve berappen lässt“, schimpfte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Das bringe „rein gar nichts“ und gehöre „in dieser Form abgeschafft“.

Von Frank Johannsen

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