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09:36 27.07.2018
Beim Klimacamp in Pödelwitz läuft der Aufbau auf Hochtouren. Ab Sonnabend werden 1000 Aktivisten erwartet. Quelle: Foto: Jens Paul Taubert
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Pödelwitz

Vor dem ab Sonnabend geplanten Klimacamp in Pödelwitz (Kreis Leipzig) rüstet die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) auf: Während im Dorf die ersten Aktivisten Zelte und Toilettenhäuschen aufbauen, füllt die Mibrag nebenan ihre Lager auf – und sperrt das Gelände mit Zäunen und rot-weißem Flatterband ab. Denn beim unbefugten Betreten des Tagesbaus – ob absichtlich oder aus Versehen – bestehe Gefahr für Leib und Leben.

„Wir rechnen damit, dass Braunkohlegegner versuchen werden, Tagebauzufahrten zu blockieren oder unerlaubt aufs Gelände zu gelangen, um unsere Tagebaugroßanlagen zu besetzen“, sagte Mibrag-Chef Achim Eichholz am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Leiter des nahen Kraftwerks Lippendorf, Christian Rosin. Denn auch das Kraftwerk wäre von einer Blockade betroffen: Der Brennstoff kommt rund um die Uhr per Förderband direkt aus dem Tagebau, 34.000 Tonnen jeden Tag.

Mibrag verteilt Handzettel mit Sicherheitsbelehrung

„Sicherheit hat für uns oberste Priorität“, sagte Eichholz. Das gelte für die eigenen Mitarbeiter ebenso wie für ungebetene Besucher. „Sollten sich Demonstranten in die Nähe unserer Anlagen begeben, besteht Gefahr für Leib und Leben. Und die ist für Laien oft nicht zu erkennen.“

Denn die bis zu 20 Meter hohen Tagebaukanten seien instabil, viele Anlagen stehen unter Hochspannung – und die Förderbänder für Abraum und Kohle laufen mit 23 km/h. „Wenn sich daran jemand vergeht, kann das tödlich enden.“ Mit Din-A4-großen Handzetteln und einem kurzen Video weist die Mibrag die Aktivisten nun gezielt auf die Gefahren hin.

1500 Teilnehmer erwartet

Mit 1500 Teilnehmern rechnet Eichholz bei dem neuntägigen Camp. Das wären sogar 500 mehr, als von den Veranstaltern angekündigt. Dabei ist es weniger das Camp selbst, das dem Mibrag-Chef die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Denn das wirkt eher wie ein Ferienlager mit eigenem Solarstrom und veganer Küche. Deren Organisatoren versichern, dass es sich um eine komplett friedliche Aktion handelt.

Man gehe mit dem Camp zwar ganz bewusst auf eine Wiese direkt neben dem Tagebau – Aktionen gegen die Mibrag seien aber nicht geplant. „Von uns geht keine Gewalt aus“, betonte Camp-Sprecher Florian Teller. Und ein Betreten des Tagebaus sei ohnehin nicht geplant. „Es ist hier allen bewusst, dass es dort gefährlich ist.“

Organisatoren weisen Befürchtungen zurück

Doch parallel dazu ruft eine andere Initiative, die sich „Kohle ersetzen!“ nennt, zum Sitzstreik vor der Tagebauzufahrt auf, um den Betrieb der Mibrag zu stören – und zwar an den letzten drei Tagen des Klimacamps. Auch dort wies man die Befürchtungen der Mibrag aber zurück. Man habe sich ganz gezielt „Gewaltfreiheit auf die Fahnen geschrieben“, betonte der Sprecher der Initiative, Arvid Jasper. „Und wir bleiben auf öffentlichem Gelände“ Eine Besetzung des Tagebaus durch die Aktivisten von „Kohle ersetzen!“ schloss er ausdrücklich aus.

Eichholz befürchtet aber, dass es am Ende doch nicht ganz so friedlich bleibt. Die Aktion könnte auch Krawalltäter anlocken, die die eigentlich friedlichen Organisatoren dann nicht mehr im Griff hätten. Das hätte sich vor zwei Jahren schon beim Klimacamp in der Lausitz gezeigt. 2000 Aktivisten hatten dort am Ende das Leag-Kraftwerk Schwarze Pumpe gestürmt und tagelang die Kohlelieferung per Bahn blockiert, bis die Polizei einschritt.

„Das waren bürgerkriegsartige Bilder“, sagte Eichholz. Dass es in Pödelitz auch so eskaliert, glaubt er aber nicht. Denn aufgerufen hatte in der Lausitz damals die Initiative „Ende Gelände“, die deutlich martialischer auftritt als „Kohle ersetzen“. Und „Ende Gelände“ hat sich in Pödelwitz bisher nicht angekündigt.

Mibrag und Leag füllen vorsorglich die Kohlelager auf

Die Mibrag bereitet sich trotzdem auf alle Eventualitäten vor. Die eigenen Lagerplätze seien „am oberen Ende der Kapazität“, sagte Eichholz. Und auch das Kraftwerk Lippendorf habe seine Vorräte vorsorglich aufgefüllt, fügte Rosin hinzu. Abschalten werde man den Tagebau aber auf keinen Fall. „Wir produzieren weiter“, betonte Mibrag-Bergbaudirektor Ralf Lehner. „Das Kraftwerk muss ja rund um die Uhr beliefert werden.“

Das 1. Klimacamp Leipziger Land startet am Sonnabend mit einer Demo in Leipzig. Beginn: 14 Uhr am Naturkundemuseum.

Von Frank Johannsen

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