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Wirtschaft Regional Mibrag streicht in Profen mehr als 300 Jobs
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00:30 05.03.2018
Tagebau-Anlagen der Mibrag in Profen   Quelle: dpa
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Zeitz

 Die Abschaltung des Braunkohlekraftwerks Buschhaus in Niedersachsen sorgt in Mitteldeutschland für einen deutlichen Jobabbau: Im Tagebau Profen streicht die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) mehr als 320 Stellen. Der Arbeitsplatzabbau soll aber sozialverträglich erfolgen und bis Ende 2018 dauern. „Wir machen das über Altersteilzeit“, kündigte eine Sprecherin gegenüber der LVZ an. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.

Das Kraftwerk Buschhaus gehört seit drei Jahren der Mibrag und wurde zuletzt vorrangig mit Kohle befeuert, die per Zug aus Profen geliefert wurde. Ab 2017 sollte sogar komplett auf Brennstoff aus dem Abbaugebiet zwischen Zeitz (Burgenlandkreis) und Pegau (Kreis Leipzig) umgestellt werden. Weil das jetzt ausfällt, wird in Profen künftig weniger Kohle abgebaut.

Um den nun anstehenden Stellenabbau sozialverträglich zu gestalten, hatten sich Mibrag und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) schon im März auf eine umfangreiche Vorruhestandsregelung für Mitarbeiter ab 58 geeinigt. Im Gegenzug wurden betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2020 ausgeschlossen.

Verzicht auf Lohnerhöhungen sichert Jobs

Dafür verzichtete die Gewerkschaft zwei Jahre lang auf Lohnerhöhungen und begnügte sich mit zwei Einmalzahlungen à 500 Euro. Die IG BCE wertete das als Beitrag zum Erhalt von Beschäftigung. „Mit diesem Tarifabschluss ist es gelungen, in dieser dramatischen Unternehmenssituation den Arbeitnehmern eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen“, so die Gewerkschaft.

Zu spüren bekommen den Stellenabbau auch die Azubis: Nach Abschluss der Ausbildung sollen sie nur noch befristet übernommen werden, hatte der kaufmännische Geschäftsführer Bernd-Uwe Haase im März angekündigt. Insgesamt hat die Mibrag ohne Tochterunternehmen rund 2000 Mitarbeiter.

Das Kraftwerk Buschhaus war am 1. Oktober offiziell vom Netz gegangen und als bundesweit erste Anlage in die sogenannte Sicherheitsbereitschaft gewechselt. Vier Jahre lang hält die Mibrag das Kraftwerk weiter betriebsbereit – und kassiert dafür vom Bund schätzungsweise 200 Millionen Euro.

Der Kaufpreis für Kraftwerk samt Tagebau hatte laut Geschäftsbericht vor drei Jahren nur 3,6 Millionen Euro betragen. Wieder hochgefahren würde die Anlage nur bei gravierenden Stromengpässen, was Experten für unwahrscheinlich halten.

Sieben weitere Kraftwerke sollen folgen

Sieben weitere Braunkohlemeiler sollen dem Beispiel folgen. Darunter sind neben fünf RWE-Anlagen in Nordrhein-Westfalen auch zwei Blöcke in Jänschwalde in Brandenburg, die Vattenfall gerade an die tschechische Mibrag-Mutter EPH verkauft hat. Insgesamt 1,6 Milliarden Euro lässt sich der Bund die Sicherheitsbereitschaft kosten.

Die Mibrag hatte das Kraftwerk Buschhaus 2013 zusammen mit dem Helmstedter Revier von Eon gekauft. Denn im dortigen Tagebau Schöningen ging die Kohle zur Neige. Die Mibrag wollte einspringen und so die eigene Förderung stabilisieren. Doch stattdessen wurde Buschhaus jetzt abgeschaltet. Am 24. September ging die Anlage außer Betrieb.

Der Termin kam dabei gelegen. Der Tagebau Schöningen ist inzwischen erschöpft. Von den zuletzt 370 Mitarbeitern in Niedersachsen bleiben noch 130 an Bord: 80 Kollegen halten das Kraftwerk betriebsbereit, 50 kümmern sich um die Sanierung des stillgelegten Tagebaus.

Von Frank Johannsen

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