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Wirtschaft Regional Mindestlohn: Erste Taxi-Unternehmen stehen in Leipzig vor dem Aus
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Mindestlohn: Erste Taxi-Unternehmen stehen in Leipzig vor dem Aus
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01:00 08.10.2014
Zurzeit gibt es in Leipzig viel zu viele Taxi-Konzessionen - Experten erwarten, dass sich dies ab Januar ändert, weil Fahrgasteinnahmen wegbrechen. Quelle: Rene Ruprecht/Archiv

Viele Firmen suchen deshalb verzweifelt nach Auswegen, um die Kostenexplosion zu begrenzen.

Uwe Franz bringt die Situation auf den Punkt: "Eigentlich brauchen wir eine 50-prozentige Erhöhung der Taxi-Tarife, um die Mehrkosten durch die Mindestlöhne vollständig zu kompensieren", sagt der Vorstand der Genossenschaft Löwentaxi. "Aber das wäre den Leuten erst recht nicht zu vermitteln. Dann steigt keiner mehr in eine Taxe."

Auch so haben es die geplanten neuen Taxi-Tarife in sich: Zwischen 21 und 26 Prozent werden sie durchschnittlich angehoben - wenn Leipzigs Stadtrat am 15. Oktober grünes Licht geben sollten, wovon alle Experten ausgehen. Auch die Stadtverwaltung ist sich offenbar inzwischen bewusst, dass Leipzigs Taxibranche vor einer Zerreißprobe steht. Das Ordnungsdezernat schreibt in seiner Beschlussvorlage für den Rat, dass sich als Folge der Tarifanhebung "die Dienstleistung Taxi weiter verteuert und gegebenenfalls nicht mehr in der gewohnten Zeit zur Verfügung stehen" wird.

Auch Uwe Franz erwartet, dass sich die Zahl der Taxi-Konzessionäre verringert und das Angebot schlechter wird. "Einzelunternehmer, die selber eine Taxe fahren, werden sich weiter selber ausbeuten und für fünf Euro in der Stunde fahren", skizziert er das wahrscheinlichste Szenario. Diese Einzelunternehmen würden deshalb wohl überleben. "Aber solche Taxen fahren nicht rund um die Uhr. In der Regel sind sie auch nicht an Wochenenden, Feiertagen und in den Nächten im Einsatz."

Taxi-Unternehmer mit mehreren angestellten Fahrern müssten mit ihren Taxen ab Januar einen Stundensatz von 23 bis 25 Euro erwirtschaften, wenn sie den Mindestlohn von 8,50 Euro plus aller weiteren Kosten decken wollen. In der Branche gilt dies als unmöglich, weil Taxifahren ein Stoßgeschäft ist: Nur in etwa 30 Prozent der Arbeitszeit herrscht starke Nachfrage, in den übrigen 70 Prozent stehen die Fahrzeuge fast nur. In diesen Standzeiten könne unmöglich Mindestlohn gezahlt werden, weil dafür insgesamt zu wenig eingenommen wird, heißt es. Doch der Mindestlohn gilt auch für Standzeiten.

Aus diesem Grund ist von Taxiunternehmen zu hören, dass sie ihre angestellten Fahrer künftig flexibler einsetzen wollen. Die Rede ist davon, dass diese nur noch in den nachfragestarken Zeiten arbeiten sollen - und in den Zeiten dazwischen nach Hause fahren, um zur nächsten Stoßzeit wieder anzurücken. Der Vorteil für die Unternehmer: Sie müssen in den Standzeiten der Taxen keinen Mindestlohn zahlen. Auf die Beschäftigten würden gesplittete Arbeitszeiten und mehr Fahraufwand zukommen.

Andere Firmen rechnen indes mit einer steigenden Zahl von freiwilligen unbezahlten Stunden und von einer "Flucht in die Schwarzarbeit". Diskutiert wird auch, dass künftig häufiger Fahrten abgelehnt werden, die nicht lukrativ genug sind.

Trotz dieser Modelle wird erwartet, dass viele Unternehmer die Zahl ihrer Mitarbeiter verringern und so die Zahl der Taxen in Leipzig deutlich schrumpfen wird. Vor allem, weil mit den neuen Tarifen ab Januar deutlich weniger Fahrgäste einsteigen werden. Viele Rentner würden sich dann kein Taxi mehr leisten können, heißt es in der Branche. Auch die Fahrten auf Transportschein, die für Krankenkassen durchgeführt werden, würden nicht die notwendigen Erlöse bringen. Denn lukrative längere Fahren über 20 Kilometer würden auch künftig nur mit deutlich geringeren Kilometersätzen entlohnt.

Dass von der Politik keine Hilfe zu erwarten ist, zeichnet sich schon ab. Auf einem Forum der Partei "Die Linke" in der Kleingartensparte "Goldene Höhe" wurde Taxiunternehmern beschieden, dass die Taxi-Tarife steigen müssen, damit die Taxi-Fahrer endlich bessere Stundenlöhne als 5,50 bis 6 Euro erhalten. "Ihnen fällt jetzt auf die Schulter, was sie seit Jahren versäumt haben", erklärte dort ein Zuhörer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.10.2014.

Andreas Tappert

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